Welche unvergesslichen Erinnerungen haben südbadische Unternehmen an ihre Zeit als Haupt- und Trikotsponsor beim SC Freiburg? Und welche Effekte hat die Werbepartnerschaft bis heute? Sponsoren erinnern sich …
VON ANNA-LENA GRÖNER
Zu Beginn der 80er Jahre kam in Deutschland das Sport-Sponsoring neben der gewohnten Öffentlichkeitsarbeit als gängiges Kommunikationsinstrument hinzu. Durch die Werbung auf Trikots und den Banden in Hallen und Stadien präsentierten sich Unternehmen einer breiten Zielgruppe auf völlig neuen Wegen und in einer bis dahin ungewohnten Umgebung.
Beim Sponsoring geht es bis heute vor allem um Imagegewinn und positive wirtschaftliche Effekte – im besten Fall für beide Seiten. Die tatsächliche Effizienz ist schwer messbar. Doch gerade bei den Erstligisten der Fußball-Bundesliga, die eine breite Fangemeinde hinter sich und (unter normalen Umständen) in den Stadien stehen haben, sowie große nationale Medienaufmerksamkeit genießen, ist eine sichtbare Werbepartnerschaft höchst attraktiv.
Auch auf den Trikots des SC Freiburg stehen seit Beginn der 1980er Jahre die Firmen-Logos der Hauptsponsoren. Der erste war in der Saison 1980/81 der Getränkehersteller „Südbrunnen“ aus der Ortenau. Damals kickte der SC noch mit seinem Rivalen, dem Freiburger Fußball-Club, in der zweiten Bundesliga. Die Sponsoren gaben sich in den darauffolgenden Jahren jede Saison die Klinke in die Hand und ihr Logo zierte die Brust der Spielertrikots.
Erst mit dem Freiburger Bauunternehmen „Pöpperl“ blieb ein Hauptsponsor dem SC Freiburg über mehrere Jahre – es waren insgesamt sieben – erhalten. Geschäftsführer Gernot Pöpperl, bis heute Aufsichtsratsmitglied, und der damalige SC-Präsident Achim Stocker waren ein gutes Team. „Stocker lenkte den Verein und Pöpperl gab das Geld. Ein Duett, das funktionierte und den Sportclub stabil durch Liga zwei brachte“, beschrieb die Badische Zeitung einst das Gespann. Und dann kam die Erste Liga.
Zehnder, Saison 1992/93 bis 1997/98
Dass die Verbindung zwischen Marke und Verein die Zeit des eigentlichen Sponsorings überdauern kann, erlebt das Unternehmen „Zehnder“. Noch heute, fast 20 Jahre nach Beendigung der Sponsor-Partnerschaft, würde der Heizkörper-Spezialist von seinen Kunden darauf angesprochen werden, „und zwar grundsätzlich in einem positiven Kontext“, sagt Eva-Maria Freßle, Leiterin Marketing-Kommunikation bei der Zehnder Group Deutschland.
„Wenn man diese emotionale Haltbarkeitsdauer mit dem seinerzeitigen Sponsoren-Budget verrechnet, dann hat sich unser Sponsoring sicher mehrfach amortisiert.“ Freßle spricht vom „Glück des Augenblicks“, den das Unternehmen 1993 mit dem Aufstieg des SC Freiburg in die erste Liga miterleben durfte. Unternehmensintern seien das Sponsoring und die dadurch erlebten Geschichten bis heute präsent.
Eine habe dabei besonderen Symbolcharakter für die emotionale Wertstellung des damaligen Sponsorings: „Zehnder hat es auf der ISH 1997, der Weltleitmesse für Sanitär, Heizung, Klima, geschafft, für eine Stunde mehr oder weniger alle Messebesucher unserer Ausstellerhalle an den Zehnder-Messestand zu bringen“, sagt Eva-Maria Freßle.
Der Grund für die magische Anziehungskraft: Die gesamte Mannschaft damaligen Trainer Volker Finke, war zu einer Talk- und Autogrammstunde an den Zehnder-Stand gekommen. „Nach einer Stunde gab es kein einziges Give-away und keine Produkt-Broschüre mehr – bis auf den letzten Kugelschreiber war alles ‚ausverkauft‘“, sagt Freßle.

NaturEnergie, Saison 2001/02 bis 2003/04
Dass sich durch eine Werbepartnerschaft eine emotionale Verbundenheit über das Sponsoring hinaus entwickeln kann, hat auch die Energiedienst AG mit Hauptsitz in Laufenburg erfahren. Damals noch unter dem Namen „NaturEnergie“ war das Unternehmen von 2001 bis 2004 Trikotsponsor des SC Freiburg und unterstützte den Verein mit rund sechs Millionen Mark im Jahr.
Gemeinsam erlebte man den dramatischen Abstieg in der Saison 2001/02 sowie den Aufstieg in der darauffolgenden. Zwar verschwand „NaturEnergie“ 2004 von den SC-Trikots, doch das Engagement dauert bis heute an: „In den Folgejahren wurde der SC Freiburg durch unser Engagement ‚Mannschaft hinter der Mannschaft‘ unterstützt. Bei ‚Fairways‘ übernehmen wir weiterhin Verantwortung und fördern nachhaltige Projekte unter anderem in den Bereichen Bildung, Bewegung und Umwelt“, sagt Arnold Marx, Senior Manager Vertrieb und Energiewirtschaft bei Energiedienst.

Duravit, Saison 2007/08 bis 2009/10
Robin Dutt kommt als neuer Trainer und soll den SC Freiburg aus der zweiten Liga führen. „Duravit“ löst den Hauptsponsor „Suzuki“ ab. In der zweiten Bundesliga unterstützte der Sanitärhersteller mit Firmensitz in Hornberg den Breisgau-Verein noch mit etwas weniger als zwei Millionen Euro jährlich.
Nach gelungenem Aufstieg in der Saison 2008/09 wurden rund 2,5 Millionen Euro per annum gezahlt. Für „Duravit“ gut investiertes Marketingbudget und eine aufregende Zeit, die man heute vor allem mit der Aufstiegsfeier am 24. Mai 2009 verbindet.
„Die wiedergewonnene Erstklassigkeit samt der ersten Meisterschale in der zweiten Bundesliga wurde genauso ausgelassen begossen wie die Geburtsstunde des Liedes ‚SC Freiburg vor‘, das begeistert besungen wurde“, sagt Duravit- Marketingleiter Mathias Schott. „Heiko Butscher am Schlagzeug, Mo Idrissou am Mikrofon, Yassin Abdessadki in der Wanne, Robin Dutt unter der Bierdusche – sogar Achim Stocker saß entspannt im Stadion. Das war mehr als erstklassig!“

Schwarzwaldmilch, Saison 2016/17 bis 2021/22
Die Allgäuer Familien-Molkerei „Ehrmann“ wurde nach fünf Jahren Trikot- Sponsorship von der südbadischen „Schwarzwaldmilch“ abgelöst. Bis heute schmückt das Milch-Logo die Trikots des Erstligisten. Das Unternehmen ist stolz, den „sympathischsten Fußballverein Deutschlands“ und erfolgreichsten Bundesligisten der Region zu unterstützen, sagt Geschäftsführer Andreas Schneider.
Das auf Werten basierende Sponsoring zahle zudem auf das Image der „Schwarzwaldmilch“ ein und steigere die lokale, regionale und nationale Markenbekanntheit. „Der südbadische Bundesligaverein steht in ganz Deutschland für Vertrauenswürdigkeit, Bodenständigkeit und Nachhaltigkeit und die Nähe zu seinen Fans.
Mit dieser Philosophie des Vereins können wir uns zu 100 Prozent identifizieren. So wie wir fühlt sich auch der Verein den Menschen in der Region sehr verbunden, die diese Kulturlandschaft pflegen, bewirtschaften und erhalten und damit auch die Kultur prägen“, sagt Schneider. Laut des Magazins „Sponsors“ unterstützt die genossenschaftliche Molkerei den SC Freiburg mit rund 3,2 Millionen Euro im Jahr. Eine Rechnung, die wohl für beide gut aufgeht.
