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Start-up: Perfekte Zelle

  • 30. April 2019
netzwerk südbaden
Die Führungsmannschaft von Cytena: (v.l.) Julian Riba, die drei Gründer Andre Gross, Benjamin Steimle und Jonas Schöndube sowie Fabian Stumpf. Foto: Felix Groteloh
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Der Freiburger Labortechniker Cytena ist eines der vielversprechendsten Start-ups der Region. Und eine Ausgründung aus der Uni.
Von Philipp Peters
Zellen drucken. Das klingt fast nach Wissenschaftlern, die in Geheimlabors erst Zellen und dann ganze Menschen aus dem Computer klonen. Doch das Freiburger Jungunternehmen Cytena druckt nicht wirklich neue Zellen. Mit dem selbst entwickelten Zell-Drucker werden vielmehr bestehende Zellen isoliert. Das liefert einen wichtigen Beitrag etwa zur Entwicklung lebensrettender Medikamente. Und es ist die Basis einer Freiburger Erfolgsgeschichte.
Tatsächlich bedeutet „drucken“ in der Biotechnologie etwas anderes als im Büro. Es geht vielmehr darum, in hoher Geschwindigkeit aus einer Zellkultur winzige Tropfen zu isolieren, die dann jeweils einen Durchmesser von etwa 0,05 Millimetern haben. In diesem Tropfen ruht die einzelne Zelle von gerade mal 0,015 Millimetern. Vier bis fünf davon nebeneinander gelegt, wären in etwa so breit wie ein menschliches Haar.
Einzelne Zellen sind wichtige Rohstoffe in der Forschung und Entwicklung von zum Beispiel Krebsmedikamenten. Doch damit die Zellen überhaupt benutzt werden können, muss es viele identische geben. Darum ist es so wichtig, dass die Zelle in einem verlässlichen, reproduzierbaren Verfahren gedruckt und dabei nicht beschädigt wird. Hier hat Cytena vor einigen Jahren den Durchbruch geschafft.
2014 wurde das Unternehmen von Andre Groß, Peter Koltay, Jonas Schöndube und Benjamin Steimle gegründet. Die vier kennen sich von der Technischen Fakultät der Uni Freiburg. Koltay arbeitet dort noch heute als Professor am Institut für Mikrosystemtechnik. Die anderen Drei fokussieren sich jetzt voll auf Cytena. Die Firma hat mittlerweile 26 Mitarbeiter und ist vor kurzem in den neuen Kopfbau der Freiburger Messe eingezogen. Hier werden die Drucker auch gebaut. Die Komponenten dafür kommen von Zulieferern.
Seit drei Jahren ist der Zelldrucker auf dem Markt. Kunden sind in erster Linie Biotech-Firmen, aber auch Pharma-Hersteller oder Forschungseinrichtungen und Labors. Billig sind die Drucker nicht, allerdings sind vergleichbare Geräte zum Teil noch teurer. Das Cytena-Modell gibt es in vier unterschiedlichen Varianten – je nachdem was für Zellen man damit drucken will. Und schon die günstigste Variante kostet so viel wie ein stattlicher Sportwagen. Cytena ist auch nicht die erste Firma, die ein Verfahren zum Drucken von Zellen entwickelt hat. Doch dieses ist das zuverlässigste.
Der Zelldrucker braucht etwa fünf Minuten, um eine Trägerplatte mit 96 Fächern zu füllen. „Etwa 95 Prozent der Fächer enthalten dann Einzelzellen“, sagt Benjamin Steimle. Eine Kamera dokumentiert das Verfahren. Auch das unterscheidet die Cytena-Methode von den Alternativen. Die gängigste Alternative ist die Durchflusszytometrie. In der Wissenschaft heißt sie Fluorescence Activated Cell Sorting – oder kurz: Facs.
Das Verfahren wurde von einem US-amerikanischen Konzern entwickelt. Es stammt noch aus den 1970er-Jahren – und ist dennoch nicht aus der Mode gekommen. „Facs-Geräte funktionieren seit den 1970er-Jahren – und diese Methode ist bis heute einwandfrei“, sagt auch Klaus L. Meyer. Der Biologe von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet der Durchflusszytometrie und hat schon in seiner Diplomarbeit einzelne Zellen isoliert, also sortiert und kloniert. Das war etwa Mitte der Achtzigerjahre.
Ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Methodik sei, wie viele Zellen überleben, so der Wissenschaftler. Dieses Problem will Cytena gelöst haben. Seit der Gründung hat Cytena ein halbes Dutzend Auszeichnungen eingeheimst, darunter den Cyberone-Award und einen Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg, der mit 50.000 Euro dotiert war. Vor drei Jahren hatte es schon mal eine Finanzierungsrunde durch Investoren gegeben, die seinerzeit gut eine Million Euro in die Firma steckten. Jetzt hat das Unternehmen noch mal drei Millionen Euro eingesammelt.
Neben dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) haben sich auch zwei Privatinvestoren beteiligt. „Das Investment wird uns helfen, weitere Marktanteile zu erobern“, sagt Steimle. Auch die WirtschaftsWoche berichtete Ende März über die Finanzspritze für das Freiburger Unternehmen. Cytena habe sich rasant entwickelt, lobt auch Lena Krzyzak, Investment Managerin beim HTGF. „Wir haben großes Vertrauen in das Führungsteam für den weiteren Marktausbau und die Produktentwicklung.“

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