Erika Zender ist Geschäftsführerin der Aluminium Rheinfelden, einer Unternehmensgruppe mit 250 Angestellten. Die 53-Jährige will das Familienunternehmen in ihrer neuen Rolle in eine nach- haltige Zukunft führen. Nicht nur angesichts der Coronakrise ist das eine große Herausforderung, wofür sie vor allem auf Teamwork setzt.
VON DANIEL RUDA
Von starren Hierarchien halte sie nicht viel, sagt Erika Zender. Natürlich, in einem Unternehmen müsse es gewisse Strukturen geben. Personen, die eine Richtung vorgeben, das ja. „Aber das Wichtigste ist die Intelligenz der Gruppe, ich bin nur reich durch meine Mitarbeiter und ihren Input“, eine Art patriarchalische Unternehmensführung passt zum einen nicht mehr in die Zeit, und zum anderen auch nicht zu ihr, findet die 53-Jährige Geschäftsführerin der Aluminium Rheinfelden (AR), einer Unternehmensgruppe mit 250 Mitarbeitern und viel Tradition.
Seit rund zwei Jahren ist Zender nun in dieser Position. Sie ist die Nachfolgerin ihres Vaters Alois Franke, einem umtriebigen Mann, der als Vollblutunternehmer galt. „Er hat sein ganzes Leben der Arbeit gewidmet“, sagt die Tochter. Im vergangenen Jahr verstarb er kurz vor seinem 80. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarktes. Davor leitete er die Firma noch.
Als Nachfolgerin des Vaters will sie ihren eigenen Weg gehen
Es liegt nahe zu sagen, dass sie in große Fußstapfen getreten ist. Doch dieses Bild trifft es nicht. Der Unternehmerin geht es darum, ganz eigene Wege zu beschreiten. Das vermittelt sie bewusst. „Wir befinden uns mitten in einem Transformationsprozess“, sagt sie. Einen „grünen Industriestandort“ will sie aus dem Areal machen. Mittels Vertical Gardening soll es gelingen, das vor Ort produzierte CO2 zu binden. Zertifikate zu kaufen oder große Steuersummen für den eigenen CO2-Ausstoß zu verwenden, das könne das Unternehmen weder wirtschaftlich tragen noch sei es nachhaltig. Zudem kann eine Industriehalle, die von außen wie ein riesiges Schaufenster einer Gärtnerei aussieht, für viele weitere positive Aspekte sorgen, etwa wenn es um die Koexistenz von Gewerbe- und Wohngebiet gehe. „Wir müssen in Zukunft einfach anders denken.“
Bevor sie aufgrund der schlechten gesundheitlichen Situation des Vaters zurück in die Firma kam, arbeitete die vier- fache Mutter in leitender Position für ein Unternehmen in Düsseldorf, das an der Konzeption von sogenannten Megacitys weltweit arbeitet. Mit dem kooperiert sie nun auch in Sachen Vertical Gardening. „Seit meiner Zeit dort habe ich eine genaue Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen wird und dass unsere Produkte hier auf diese Bedürfnisse perfekt abgestimmt sind.“ Gerade in der Mobilität wird es Produkte brauchen, die mit weniger Gewicht daherkommen müssen, aufgrund des elektrischen Antriebs. „Das ist jetzt schon eine Kernkompetenz von uns, die wollen wir ausbauen.“
AR ist ein weltweit erfolgreich agierender Anbieter von Aluminium-Speziallegierungen für die Fahrzeugindustrie, von sogenannten Aluminiumbutzen wie zum Beispiel Spraydosen für die Verpackungsindustrie und von Elektroden- und Söderbergmassen für die Metallindustrie. 150 Millionen Euro betrug der Umsatz im vergangenen Jahr, rund die Hälfte davon im Auslandsgeschäft erwirtschaftet. Die Konkurrenz des starken Mittelständlers sind große Industriekonzerne. Um die eigene Position langfristig halten zu können, brauche es grundlegende Veränderung, betont Zender. Die Coronakrise macht diese Augabe derzeit alles andere als einfacher. „Das fordert uns gerade wirtschaftlich enorm heraus, aber ich bleibe optimistisch.“
Wurzeln des Unternehmens im 19. Jahrhundert
Zender weiß um die Verantwortung, die sie trägt, die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. Damals entstand hier die erste sogenannte Aluminiumhütte Deutschlands. Ursprünglich gehörte die Fabrik zum Konzern Alusuisse, der sie Anfang der Neunziger wegen wirtschaftlicher Nöte schließen wollte. Mit einem Management-Buyout rettete Alois Franke den Standort. Die Tochter machte damals gerade Abitur, zog dann zum Studieren aus und gründete nach den ersten Berufsjahren eine Großfamilie. Ihre vier Kinder sind zwischen 17 und 24 Jahre alt.
Dass die Betriebswirtin einmal das Familienunternehmen als CEO übernehmen würde, war lange nicht abzusehen. Anfang der Nullerjahre holte sie der Vater dann in den Beirat. Von 2012 an war sie drei Jahre lang CFO und für die Finanzen der Gruppe zuständig. „Eine erfolgreiche Zeit, von da an habe ich es mir zugetraut“, erinnert sich Zender zurück. Fortan war die Nachfolge mit dem Vater geregelt.
Mitgliedschaft im VdU ist „unheimlich wertvoll“
Um 5.30 steht die Unternehmerin morgens auf, erzählt sie. Bei einem Spaziergang mit dem Hund sortiert sie ihre Gedanken für einen langen Arbeitstag, der oft erst spät am Abend endet. „Ich arbeite noch daran, dass sich das ändert“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, „auch mal im Kopf rauszukommen aus der eigenen Firma“.
Unter anderem deswegen ist sie auch Mitglied im Verband Deutscher Unternehmerinnen (VdU) geworden, sagt sie. „Dass hier weibliche Unternehmerinnen unter sich sind, das ist unheimlich wertvoll“, privat wie auch beruflich. Dabei werden auch über Themen wie die Frauenquote gesprochen. Eine Durchmischung zwischen Männern und Frauen in Führungsetagen hält Zender für „unheimlich wichtig“, sie selbst achte darauf. „Wo das nicht der Fall ist, da kann eine Frauenquote dafür sorgen.“