Angefangen als Erziehungswissenschaftlerin, machte Doris Silberberger plötzlich bei einer Versicherung Karriere. Als Beraterin und Coach hat sie sich schließlich selbständig gemacht. Das Mitglied des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) ist nun in Freiburg sesshaft geworden.
von Daniel Ruda
Unvorbereitet geht Doris Silberberger in keinen Termin. Als „gut vorbereitet und zugleich offen für das, was kommt“, beschreibt sie ihr Credo. Da hat sich schon ein Gespräch entwickelt, in dem der Reporter Fragen stellt und sich seine Notizen aufschreibt, und die Unternehmerin zwischen dem Antworten immer mal wieder in ihre eigenen Notizen schaut, die sie sich zuvor gemacht hat. Dass die Stichpunkte direkt ein paar Seiten füllen, darf nicht verwundern.
Über das Berufsleben der 55-jährigen gibt es einiges zu erzählen. Vor allem von „Veränderungsprozessen“ ist oft die Rede, solche ziehen sich durch die Vita der gebürtigen Schwäbin, die sich vor fünf Jahren mit einem Beratungsbüro für die Bereiche „Führung, Organisation, Personal“ selbständig gemacht hat. Struktur ist ihr wichtig.
In der Sitzecke des geräumigen Büros in der Altbauvilla im Freiburger Stadtteil Herdern, wo Silberberger zum Gespräch empfängt, sitzen normalerweise Führungskräfte aus kleinen wie größeren Unternehmen, denen die studierte Erziehungswissenschaftlerin in Coachings Wege aufzeigt, wie sie zum Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter besser in ihren Positionen agieren können.
Womit man schon bei der Frage angekommen wäre, welcher Veränderungsprozess Doris Silberberger selbst von der Erziehungswissenschaftlerin mit Management-Laufbahn überhaupt zur Selbständigkeit als Business-Coach gebracht hat. Die kurze Version der Antwort lautet: Die Erfahrung aus 20 Jahren Tätigkeit als Führungskraft bei der Allianz Versicherung und der Wunsch, sesshaft zu werden.
Ehemalige Führungskraft coacht heutige Führungskräfte
Schon als Jugendliche wollte Doris Silberberger „immer etwas mit Menschen zu tun haben“, so betreute sie zunächst Jugendgruppen auf Reisen. Aus dem Studienwunsch Medizin wurde nichts, ihr anderes Interessensgebiet Mathematik erwies sich an der Hochschule doch nicht als das Richtige, so dass sie sich für Erziehungswissenschaften entschied.
Der erste Job nach dem Studium führte sie irgendwie zur Allianz, wo sie in Frankfurt Anfang der Neunziger für den Bildungsbereich zuständig war. „Ich gehörte zu den geburtenstarken Jahrgängen, uns wurde damals vermittelt, dass wir als Frauen eher arbeitslos werden, gerade mit solch einem Studium“, erinnert sie sich.
Froh sei sie gewesen, einfach einen Job zu bekommen, den sie vielleicht zwei Jahre machen werde. Um dann im nächsten Satz zu sagen: „Es sind dann mehr als 20 Jahre geworden, und im Grunde habe ich Karriere gemacht“.
Die Tochter eines Winzers schlug sich so gut, dass sie quasi zu einer Art Allrounderin wurde, die sich während ihres Tuns ins Versicherungsgeschäft einarbeitete. Ihre menschlichen Führungsqualitäten führten sie immer wieder zur nächsten Position oder zu Projekten mit anspruchsvoller Zielvorgabe.
„Eigentlich habe ich 20 Jahre lang aus dem Koffer gelebt“
Nach Ihrer Tätigkeit als Personalleiterin in Frankfurt schob sie etwa ein großes Projekt an zur fachlichen Fortbildung im Versicherungsbetrieb, was sie dafür qualifizierte, danach an vorderer Position an der mehrjährigen Reorganisation der Gesamtstruktur des Lebensversicherungsbetriebes in Deutschland zu arbeiten.
Was wiederum dazu führte, dass es sie als Expertin für Veränderungsprozesse danach jahrelang in die Schweiz zog. Stuttgart, Frankfurt, München und Zürich waren in diesen Jahren ihre ständig wechselnden Wohnorte. „Eigentlich habe ich 20 Jahre lang aus dem Koffer gelebt“, erzählt sie in ihrer besonnenen Art. In dieser ganzen Zeit führte sie mit ihrem Mann Heiner Schanz (er leitet an der Uni Freiburg das Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie) eine Wochenendbeziehung.
Vor fünf Jahren dann, nachdem das Ehepaar die Wohnung in Freiburg gekauft hatte, in der sie nun auch ihr Büro hat, spürte sie den Drang nach Veränderung. Wie man Organisationsentwicklung angeht, Veränderungsprozesse anstößt und Teams leitet, „das weiß ich, und diese Erfahrung möchte ich mit meiner Arbeit hier weitergeben“.
Doris Silberberger fühlt sich sichtlich wohl mit ihrem eigenen Veränderungsprozess, für den sie sich Zertifizierungen und Weiterbildungen draufgepackt hat. Sie spricht von einem Genuss, dass sie in Freiburg nun von einem festen Zuhause aus arbeiten kann, nicht zuletzt wegen der Natur vor der Haustür, die sie gerne zum Joggen und Radfahren nutzt. Beruflich unterwegs ist sie nur noch bei Firmenbesuchen und Seminaren.
VdU bedeutet für Silberberger Vielfalt, Offenheit und Impulse
Auf einem Seminar kam sie vor etwa drei Jahren mit einer Frau darüber ins Gespräch, dass es in der unternehmerischen Welt gar nicht so einfach sei, gute weibliche Gesprächspartnerinnen zu finden. „In den Führungsriegen war ich meist die erste oder einzige Frau“, erinnert sich Silberberger dabei auch an ihre Angestelltenzeit. Sie bekam von ihr den Hinweis zum Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU).
Und dann ging es schnell. „Ich habe im Internet über den VdU gelesen und wusste sofort, da will ich dabei sein“, den Mitgliedsantrag füllte sie direkt aus, ohne probeweise zu einem Treffen zu gehen. Seither schätzt sie vor allem die Vielfalt jeglicher Art, die beim Zusammentreffen der Unternehmerinnen gegeben ist. „Andere Persönlichkeiten, andere Branchen, andere Fragestellungen, das ist immer sehr anregend“, so Silberberger.
„Die Vielfalt, die Offenheit und die Impulse“, das zeichne für sie den VdU vor allem aus. Ob sie ob ihrer Arbeit dort besonders nach Rat gefragt werde, nein, sagt Doris Silberberger, „unsere Kultur ist ja, dass wir uns alle nach Rat fragen“.