Wie erklären interne Weltmodelle unsere Sicht der Dinge? Darum geht es in diesem Gastbeitrag von drei Mitgliedern des Forschungszentrums BrainLinks-BrainTools der Uni Freiburg. Sie beschäftigen sich damit, wie unser Gehirn die Wirklichkeit konstruiert – und welche Herausforderungen dies für Mensch, Tier und die künstliche Intelligenz mit sich bringt.
Text: Ilka Diester, Thomas Brox und Monika Schönauer
Was bedeutet es, etwas zu wissen? Im engeren Sinn ist es das Abrufen gespeicherter Informationen. Dieses Abrufen von Informationen ist allerdings nur nützlich, wenn es mit der Fähigkeit, Erfahrungen zu ordnen, Zusammenhänge zu erkennen und auf dieser Basis Zukunft zu antizipieren, kombiniert wird. Diese Fähigkeit beruht auf internen Weltmodellen: mentalen Repräsentationen der Umwelt und des eigenen Selbsts, die Orientierung in einer komplexen und sich wandelnden Welt ermöglichen. Wie wir aus der aktuellen Forschung wissen, sind diese Modelle kein exklusives Merkmal des Menschen, sondern ein grundlegendes Prinzip intelligenter Systeme – biologischer wie künstlicher. Wissen ohne internes Weltmodell gleicht einem einzelnen Puzzleteil – korrekt geformt, aber ohne Bedeutung außerhalb des Gesamtbildes.



Monika Schönauer (37) ist seit 2020 Professorin für Neuropsychologie am Institut für Psychologie der Fakultät für Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaften der Universität Freiburg. Die Psychologin untersucht Gedächtnisbildung und insbesondere die Rolle des Schlafs bei der Konsolidierung von Erinnerungen. Sie ist Teil des BrainLinks-BrainTools-Vorstands und Co-Sprecherin der Initiative BrAInWorlds.
Thomas Brox (49) ist seit 2010 Professor für Pattern Recognition and Image Processing im Bereich Computer Vision der Technischen Fakultät der Universität Freiburg. Der Informatiker entwickelt und erforscht insbesondere mit Deep Learning-Methoden, wie Computer sehen und erkennen. Er ist Teil des BrainLinks-BrainTools-Vorstands und des Führungsgremiums der Initiative BrAInWorlds. In der durch das Bundeswirtschaftsministerium geförderten KI-Familie entwickelt er Weltmodelle für das automatische Fahren.