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  • Wein 03/2020

Winebank: Zum Trinken in den Keller

  • 30. März 2020
Weinkeller zum Netzwerken: Für die Winebank Baden wollen die Betreiber vor allem Geschäftsleute begeistern. (Foto: ZVG)
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In Bühl hat gerade die sogenannte Winebank Baden eröffnet, in der Weinsammler ihre Flaschen lagern können. Verbunden damit ist die Mitgliedschaft in einem Club, der irgendwo zwischen Liebhaberei und Luxus angesiedelt ist.

VON DANIEL RUDA

Aus diesem großen Gewölbekeller muss man einfach irgendwas machen, das kann nicht einfach nur ein Keller sein. Drei Jahre ist das her, als dem Architekten Thomas Velten dieser Gedanke in den Kopf kam. Da besichtigte er gerade die denkmalgeschützte Villa in Bühl, die er in das große Wohnprojekt integrieren musste, das er gerade zu planen begann. Fortan suchte er auch nach einer Verwendung für diese rund 200 Quadratmeter Kellerfläche, die es ihm angetan hatten.

Ein alter Gewölbekeller in Bühl

Er wurde fündig. Das gesamte Wohnbauprojekt ist inzwischen so gut wie fertig, Ende April wird die Einweihung gefeiert. Im Keller der „Villa am Campus“ mit Baujahr 1847 ist derweil ein Ort entstanden, der für badische Weinliebhaber zu einer besonderen Adresse werden soll. Anfang März hat hier die Winebank Baden eröffnet. Es ist der achte Standort eines wachsenden Franchise-Konzeptes, in dem die Lagerung von Weinflaschen auf einen Private Members Club trifft.

„Das Angebot richtet sich an Weinliebhaber, die wir in den Winebanks zusammenbringen möchten“, erklärt Steven Buttlar, Gesellschafter und Mitgründer des Konzepts, das 2009 im Weingebiet Rheingau in der Nähe des Rhein-Main-Gebiets noch als relativ simpel gehaltenes Weinlager seinen Anfang nahm. Daraus ist ein wachsendes Netzwerk entstanden, zu dem der Architekt Velten und sein Geschäftspartner, der Bühler Anwalt Frank Wolz, nun als Franchisenehmer gehören.

Das kleinste Fach gibt es ab 59 Euro pro Monat, das größte kostet 149.

Der Gewölbekeller in Bühl kommt jetzt als Art Design-Weinkeller daher, in dem man sich Fächer zur Einlagerung von Flaschen unter professionellen Bedingungen mieten kann. Die Fächer, insgesamt 198 davon gibt es, sind auf 13 große Tresore verteilt. Das kleinste Fach gibt es ab 59 Euro pro Monat, das größte kostet 149. Sie sind frei einsehbar und alles ist so konzipiert, dass die Flaschen bei ihrer Lagerung quasi zum Inhalt einer Wein-Galerie werden, die von den Mitgliedern mit ihren Flaschen kuratiert wird.

Der Keller soll jedoch nicht einfach als reines Lager dienen, das ist nur die Basis des Angebots. Vor allem soll es ein exklusiver Ort sein, in dem die Mitglieder 24 Stunden Zutritt haben und Gäste empfangen oder Geschäftstermine abhalten können. Es gibt Sitzmöglichkeiten und an der Theke kann man sich Gläser nehmen. Wer Mitglied an einem Standort ist, hat auch in allen anderen Zutritt. In jeder Winebank gibt es einen offenen Tresor, der trinkbaren Wein für Mitglieder bereithält, deren Flaschen an einem anderen Standort eingelagert sind.

Internationaler Private Members Club

Weitere Standorte gibt es unter anderem in Frankfurt, Hamburg, der Pfalz oder Wien. Rund 2000 Mitglieder haben die Winebanks insgesamt, das Verhältnis Mann-Frau liege bei 80 zu 20. Neben dem badischen Bühl kommen in diesem Jahr noch drei weitere Standorte hinzu, einer davon wird in Washington sein, erzählt Steven Buttlar. „Wir wollen Standorte in großen Metropolen sowie in kleinen Weinregionen haben“, so der 40-Jährige. Baden als vinophile Region passe da hervorragend ins Portfolio. Auch in Basel gibt es seit 2016 eine Winebank, die etwa doppelt so groß wie jene in Bühl ist. Für einen Standort in der Bodensee-Region laufen derzeit Gespräche.

Das Ganze changiert irgendwo zwischen Liebhaberei hier und Luxus da. In der Frankfurter Winebank beispielsweise hat ein reicher Unternehmer seinen Bereich mit Weinraritäten wie Bordeaux-Flaschen aus den 1920er Jahren befüllt. „Da stehen Flaschen im Wert von mehr als 100.000 Euro herum“, sagt Steven Buttlar. So etwas sei zwar die Ausnahme, veranschaulicht jedoch die Bandbreite des Winebank-Konzepts. Ein Versicherungsschutz für die gelagerten Weine ist passenderweise inklusive. „Wir sind aber kein Museum, der Genuss der Weine steht im Vordergrund“, betont Buttlar. Zum Konzept gehören auch monatliche Abende, bei denen Prominenz aus der Weinszene ihre Weine vorstellt. Günther Jauch gehört zum Beispiel zum Netzwerk dazu.

Keine elitäre Angelegenheit in Bühl

Eine elitäre Angelegenheit soll der Standort Bühl definitiv nicht werden, betont Thomas Velten. Der 53-Jährige spricht vom starken Mittelstand, den die Region zwischen Karlsruhe und Freiburg zu bieten habe. „Diesen wollen wir gerne abbilden und ein Netzwerk nicht nur unter Weinliebhabern, sondern auch Geschäftsleuten schaffen“. Erste Fächer sind vermietet, die Suche nach Mitgliedern geht indes erst jetzt richtig los. „Wenn sich die Leute den Keller selber anschauen können, ist das eindrucksvoller“

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