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  • Umdenken 12/2020
  • Unternehmen

Interview: Sicherheitsdienste in der Pandemie

  • 2. Januar 2021
Sicherheitsdienst
Nummer sicher: Der 42-jährige Enis Bunjaku gründete sein Unternehmen vor sechs Jahren. Seither wächst es stetig. Foto:ZFV
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Sicherheitsdienste waren eine der Begleiterscheinungen der Pandemie: vor Baumärkten, Supermärkten und Läden sorgten sie für die Einhaltung der Regeln. Enis Bunjaku, Chef des Waldkircher Unternehmens Univers Security, im Gespräch über Hamsterkäufe, Maskendiskussionen und Systemrelevanz.

INTERVIEW: DANIEL RUDA

Herr Bunjaku, lassen Sie uns mit einem fast schon vergessenen Begriff einsteigen: Was denken Sie, wenn Sie “Hamsterkäufe” hören?

Oh je. Ich sage mal überspitzt: Da kommen mir fast kriegsähnliche Zustände in den Supermärkten in den Sinn, von Menschen, die sich aggressiv um Klopapier gestritten haben. Als Sicherheitsdienst mussten wir dafür sorgen, dass die Auseinandersetzungen nicht eskalieren. Unsere Mitarbeiter halfen den Supermarktangestellten, wenn es wieder Diskussionen gab, weil manche Artikel nur in bestimmten Mengen verkauft worden sind. Das war der Beginn, inzwischen geht es in den Supermärkten ja wieder ruhiger zu.

Wie blicken Sie auf dieses Jahr als Unternehmer in der Sicherheitsbranche zurück?

Corona hat bei uns alles auf den Kopf gestellt. Ich erinnere mich vor allem an die ungewissen Tage im Frühjahr, als plötzlich alles stillstand. Plötzlich war alles bis auf Supermärkte geschlossen und keiner wusste, wie es weitergeht. Wir mussten selbst Kurzarbeit anmelden, weil viele unserer Aufträge erstmal weggebrochen sind. Ich hatte ein paar Wochen wirklich Sorge, dass wir das nicht überstehen. So schlimm kam es zum Glück aber nicht.

Sie hatten dann plötzlich doch viel zu tun. In der Krise wurden an vielen Orten Sicherheitsdienste eingesetzt.

Das hat uns erstmal gerettet. Es gab dann viel zu tun nach dem ersten Lockdown, die Anfragen haben sich gestapelt. Auch kleine Geschäfte waren dabei. Unsere Aufgabe war es und ist es bis heute, dafür zu sorgen, dass die Corona-Regeln eingehalten werden, die inzwischen jeder kennt. Nach einem Leerlauf im Sommer haben die Anfragen im Herbst und Winter wieder angezogen, als die Regeln von der Politik wieder angezogen worden sind.

Haben Sie neue Mitarbeiter eingestellt?

Ja, vor der Krise hatten wir 80 Mitarbeiter, jetzt sind es mehr als 120. Rund 100 davon sind als Vollzeitangestellte zwischen Karlsruhe und Lörrach im Einsatz. Dass dabei fast die ganze Kommunikation online geschehen musste, ist immer noch eine Herausforderung.

Welche Erfahrungen machen Ihre Mitarbeiter, die draußen im Einsatz sind?

Die allermeisten Menschen akzeptieren die Regeln, aber es gibt immer wieder Vereinzelte, die Diskussionen starten wollen, über die Maskenpflicht und anderes. Das ist dann oft sehr mühsam, aber es gehört wohl dazu. Gerade in dieser Pandemie ist es mir in solchen Situationen besonders wichtig, dass wir deeskalierend handeln. Unsere Mitarbeiter bekommen eine spezielle Corona-Schulung, damit jeder die wichtigsten Argumente in solchen Diskussionen hat und vor allem die aktuellen Regeln kennt, die er durchsetzen muss. Wir sind keine Türsteher, die sich wichtigmachen wollen, sondern wir haben einen Aufgabenbereich, den wir ernst nehmen.

Sie sind vor allem im Bereich Objektschutz etwa für Firmen aus der Industrie im Einsatz. Hat sich hier etwas durch Corona verändert?

An manchen Stellen schon, unsere Leute sind jetzt beispielsweise bei Pfortendiensten dafür zuständig, Temperaturen von den Mitarbeitern, Lieferanten und Besuchern von Fabriken zu messen. Keine Firma will riskieren, dass sich das Virus bei ihr ausbreitet und im Worst Case die Produktion gestoppt werden muss. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist da sehr groß.

Ihr Unternehmen ist personell stark gewachsen, war 2020 am Ende auch beim Umsatz ein Jahr des Wachstums?

Nein, absolut nicht. Wir haben zwar mehr Mitarbeiter, die Aufgaben beziehungsweise Aufträge sind aber nicht mehr so groß. Das beste Beispiel dafür sind die Privatermittler bei uns. Normalerweise untersuchen sie Fälle von Wirtschaftskriminalität, schwierige Personalsituationen in Unternehmen, Versicherungsbetrug oder sind als Detektive für Privatangelegenheiten im Einsatz. Dieser ganze Bereich, der etwa ein Viertel unserer Umsätze ausmacht, ist in der Corona-Zeit quasi nicht mehr existent. Die Ermittler stehen jetzt auch vor Baumärkten. Mit solch einem Corona-Dienst verdienen wir aber viel weniger Geld. Die Stundensätze bei den Privatermittlern sind mehr als doppelt so hoch. Wir gehen nicht gerade finanziell gestärkt aus diesem Jahr heraus. Rund 30 Prozent an Umsätzen sind weggebrochen.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft fordert die Politik auf, dies dauerhaft zu tun. Fühlen Sie sich nach diesem Jahr systemrelevant?

Unsere Arbeit ist ein wichtiger Baustein im gemeinsamen Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Ich denke, dieses Jahr hat gezeigt, dass unsere Branche eine große Bedeutung hat und auch staatliche Apparate entlastet. Als die systemrelevanten Helden im Frühjahr gefeiert wurden, wurden auch wir Sicherheitsdienste erwähnt. Heute redet da aber niemand mehr davon, wie alle anderen arbeiten wir aber weiter und wissen um unsere Verantwortung. Ich habe das Gefühl, dass wir systemrelevant sind und würde mich freuen, wenn wir diesen Status von der Politik auch bekommen würden.

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