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„Wenn es richtig schlimm ist, steht das Beste noch bevor“

  • 4. Mai 2026
Kerstin Sacherer
Kerstin Sacherer (51) ist die Enkelin von Karl Dischinger und war nach ihrem dualen BWL-Studium, dessen praktischen Teil sie beim Logistikunternehmen Kühne und Nagel absolvierte, rund 20 Jahre in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens, das den Namen ihres Opas trägt. 2019 wechselte sie zur SVG-Baden, wo sie 2022 geschäftsführende Vorständin wurde – und damit die erste Frau in dieser Position in der 80-jährigen Geschichte der Genossenschaft. Die SVG-Baden hat drei Standorte in Baden-Württemberg und beschäftigt rund 160 Mitarbeitende, davon etwa die Hälfte im Außendienst. Der Jahresumsatz liegt bei rund 60 Millionen Euro.
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Kerstin Sacherer ist seit vier Jahren geschäftsführende Vorständin bei der Straßenverkehrsgenossenschaft Baden (SVG-Baden). In unserer Rubrik „Gut beraten“ spricht die 51-Jährige über die schwerste Zeit ihres Lebens und die Devise, die ihr half, den Mut für einen beruflichen Wechsel zu finden.

„Das Schlimmste war für mich sicherlich, dass mir alle Haare ausgefallen sind. Innerhalb von zwei Wochen hat mein Körper jedes einzelne abgestoßen. Die Diagnose: kreisrunder Haarausfall. Meine Variante betrifft nur 0,06 Prozent der Weltbevölkerung. Die Ärzte sagten, es läge am psychodramatischen Stress. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch im Familienunternehmen gearbeitet. Knapp 20 Jahren war ich neben meinem Vater und meinem Bruder in der Geschäftsleitung des Transportunternehmens Karl Dischinger. Im Zuge der Unternehmensnachfolge bin ich ausgeschieden. Rückblickend war das notwendig – immerhin hatte mir mein Körper mit dem Haarausfall ein klares Signal geschickt. Andere werden vielleicht depressiv oder rutschen in den Burnout, mein Schwachpunkt ist seit meiner Kindheit die Haut. Besonders schlimm waren die mitleidigen Blicke – wegen meiner Neurodermitis konnte ich keine Perücken tragen. Das hat auch meine Tochter, die damals noch im Teenageralter war, belastet. Heute nehme ich ein Medikament, das meine Haare wieder wachsen lässt und gehe sogar wieder zum Friseur – eine große Freude. Und im Rückblick betrachtet muss ich sagen: So eine Phase ist schrecklich, aber sie pusht auch. Mich hat sie verändert. Ich habe für mich eine Devise entwickelt, die stark macht. Sie lautet: Wenn etwas richtig schlimm ist, steht das Beste noch bevor. Man braucht Mut, um das zu sehen und die Entschlossenheit, die erforderlichen Schritte zu gehen – für mich gilt das im Privat- wie im Berufsleben. Als ich unser Familienunternehmen schließlich endgültig verlassen hatte und bei der SVG-Baden gestartet bin, kam plötzlich eins zum anderen. Nach drei Jahren in der Genossenschaft wurde ich gefragt, ob ich Vorständin werden möchte. Ich habe lange überlegt und es mir dann zugetraut. Auch hier waren die Zeiten teilweise hart, wir sind dann aber mutig gewesen und haben die nötigen Entscheidungen getroffen. Wir haben zum Beispiel damit begonnen, alle unsere Teilbereiche, die zuvor eigenständig operierten – darunter Arbeitsschutz, Weiterbildung, Flottenmanagement, Versicherung – sinnvoll zueinander zuführen und aus einer Hand heraus zu agieren. Das war ein riesiger Schritt, es war sehr anstrengend und langwierig, aber jetzt profitieren wir von dem Erfolg. Intern läuft es sehr gut, die Mitarbeitenden sind glücklich, wir haben viel erreicht. Und ich sehe das auch für mich persönlich: Hätte ich damals nicht den Mut gehabt, diesen Posten zu anzunehmen, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin.“

Protokoll: Julia Donáth-Kneer

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