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Im Gleitzeitalter der Gegenwart

  • 17. März 2021
Wie wird die Gegenwart erleben
Im Wartestand: Zu vermietende Werbezeit an einer Freiburger Haltestelle. Foto: Frank Bale
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Was hat die Zeit mit uns gemacht? Offenbar verlieren wir gerade jedes Gefühl für sie.

VON RUDI RASCHKE

Wir kennen sie alle: „Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „Zeit ist Geld“, es sind ebenso beliebte, letztlich aber unzutreffende Sprichwörter. Wir bedanken uns freundlich, wenn sich jemand „die Zeit genommen hat“ oder gereizt, wenn wer „die Zeit stiehlt“. In unserer Sprache ist die Zeit in zahllosen Redensarten präsent. Trotzdem tun wir uns schwer damit, Zeit zu begreifen.

Gerade heute mehr denn je: Wir leben aktuell in einer Gegenwart, die nicht voranzukommen scheint. Sich zugleich aber für alle wie ein besonderer Wendepunkt in der Moderne anfühlt. Bis vor einem Jahr waren wir in nie dagewesener Beschleunigung unterwegs. Heute können wir gar nicht mehr sicher sagen, ob sie sich in eine Entschleunigung gewendet hat. Oder ob wir die Zeit auf eine Art erleben, dass alles am Schwanken ist und die Zentrifugalkraft uns an den Rand drückt?

Die unerträgliche Zeit der Gegenwart

Wie die Zeit vergeht? Wir können nicht mehr erkennen, ob das Leben schnelllebig vorbei zieht. Oder ob der vollkommene Stillstand herrscht. Über allem fühlt sich alles gerade an wie der Aufenthalt in einem gigantischen Wartesaal. Manches Unternehmen, das „schnelle Hilfen“ versprochen bekam, kommt sich wie bei einem Schneckenrennen vor.

Das Warten auf Impfungen oder Schnelltests tut ein Übriges. Hin und wieder muss man an den bayrischen Humor-Übervater Karl Valentin denken: „Erst wartete ich langsam, dann immer schneller und schneller“. So beschrieb er mal ein vergeigtes Zuschauer-Erlebnis bei Olympia.

Wir halten uns in einer Gegenwart auf, die noch keinen Ausweg kennt. Seit einem Jahr warten wir auf „nach Corona“ als irgendwie verheißungsvolle Zeit, die nicht anbrechen mag. Bis dahin werden Assoziationen zum heutigen Zeitgefühl mit Metaphern wie „Kaugummi“ beschrieben. Mancher fühlt sich wie am Murmeltiertag in jenem US-Film, in dem der melancholische Bill Murray aufwacht und jeden neuen Tag dasselbe vom Vortag erlebt.

In unserem zweiten Corona-Frühling hilft uns auch keine neue Ratgeber-Literatur mehr, was wir mit unserer Zeit anstellen sollen. Es gibt sie nicht. Der Blick ins Bücherregal findet von früher Titel wie „Anleitung zum Müßiggang“ des Briten Tom Hodginson, wo es um Handreichungen geht, wie sich  Zeit kunstvoll verplempern lässt. Oder skurrile Manager-Empfehlungen wie „Die vier-Stunden-Woche“ von Timothy Ferriss. (Untertitel: „Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“. Spoiler: es hat tatsächlich funktioniert, bei ihm.)

Die unerträgliche Zeit der Gegenwart
In kurzer Zeit erreichbar: Wegweiser zum Fastfood. Foto: Max Hild

Die Vorstellung, dass wir Zeit gewinnen wollen, nun ja, wofür?

In der Zukunft „nach Corona“ scheint Zeit dagegen schon gar keine Rolle mehr zu spielen. Die Brüder Daniel und Thomas J. Dettling (der eine Zukunftsforscher, der andere mit Future tätig bei Siemens Energy) entwarfen schon im Mai 2020 ein Szenario in der Neuen Zürcher Zeitung: Mehr „new work“ voller Empathie, faire Löhne, weibliche Kulturtechniken, vernetzte Leadership und Führen auf Zeit, voller Resilienz statt Effizienz. Arbeitszeit und Zeit allgemein spielen dabei keine große Rolle mehr.

Dabei wäre es so spannend, wie unser Zeitgefühl und -management in Zukunft ausschaut. Zumal wir alles dafür unternehmen, uns schon jetzt vorzustellen, wie wir künftig auf diese irre Gegenwart zurückschauen werden. Wir planen ganz viele Veranstaltungen für dieses „nach Corona“. Und wir stellen uns das Heute museal vor, also dass unser aktuelles Leben sicher historisch spannend sein müsste.

Wir halten den Stillstand aus, indem wir daran denken, wie ein „Coronamuseum“ (eine Idee der Berliner „taz)“ aussehen könnte. Oder wie Briefe ins Jahr 2121 geschrieben sein könnten (eine Idee des nur im einfachen Wortsinn ausgefallenen Freiburger Stadtjubiläums). Die heutige Zeit ist dagegen geprägt von einem Umgang mit Zeit, der an Simulation grenzt. Wir vereinbaren hin und wieder Termine und tragen eine Verbindlichkeit in den Kalender, die es nicht gibt.

Weil sie durch Quarantäne, Ausgangssperren oder Inzidenzen komplett hinfällig sein kann. Die im vergangenen Jahr gewonnene Zeit, sie ist kein Gewinn mehr. Vor allem wenn man sich vorstellt, dass die Pandemie nun ein Jahr dauert, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. In der Novellensammlung „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio (um 1348) organisierten zehn junge Florentiner Bürger in einer Art Quarantäne-Ausflug nur wegen zehn Tagen eine großartige Sammlung von Erzählungen, damit sie etwas Kurzweil während der Pest hatten. Kaum auszumalen, wie ihr Toskana-Projekt nach einem Jahr Corona ausgeschaut hätte.

„Romantik des Müßiggangs“

Über 670 Jahre später hat die Wiener Schriftstellerin Stefanie Sargnagel die Lockdown-Stimmung vom Frühjahr vor einem Jahr mit dem jetzt zu Ende gehenden Winter verglichen: „An jeder Ecke sah ich Menschen im öffentlichen Raum Zeit totschlagen. Picknick, Bierdosenrunden, Federball. Die, die das sonst immer machen, waren plötzlich der normale Teil der Gesellschaft“, schreibt sie über eine „Romantik des Müßiggangs“ vor zwölf Monaten.

Von diesem Zeitgefühl sei nichts mehr übrig geblieben, sie vergleicht das Mürbe-Werden einer ganzen Gesellschaft mit einem Aufenthalt in der Psychiatrie: „Man schaut ratlos aus dem Fenster, raucht und wartet auf die nächste Anordnung vom Arzt.“

Ein letzter Literaturverweis sei zum vielfältigen Thema „Zeit“ deshalb noch erlaubt: Der Schweizer Entwicklungspsychologe Remo H. Largo ist im vergangenen Herbst verstorben und hat ein sehr lesenswertes Büchlein namens „Zusammen leben“ hinterlassen. Noch vor Ausbruch der Pandemie schrieb er auf, dass wir Menschen zuletzt unsere zeitlichen Kompetenzen in der 24-Stunden-Kommunikation und Verdichtung verloren hätten. Zumal wir schon mit der Industrialisierung immer mehr nach dem Uhrdiktat gelebt hätten, wo wir doch eigentlich wie jedes Naturwesen im Tag-Nacht-Rhythmus leben könnten.

Was das Zeitempfinden angeht, findet er passende Worte für unser derzeitiges auf-den-Kopf-Gestelltsein. Nämlich, dass wir ereignisarme Zeiten als quälend lang erleben, erfreuliche Zeiten mit vielen Ereignissen dagegen als sehr kurz. Nur dass es uns die spätere Erinnerung genau umgekehrt ausbreitet. Es ist daher spannend, wie wir künftig über die Umwälzungen der Jahre 2020 und danach sprechen werden. Im Fall unserer momentanen Gegenwart kann man diesen Satz nur optimistisch aufschreiben: Das Ende ist nah.

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