Das Freiburger Unternehmen Horl hat eine neue Geschäftsführung. Warum man sich füreinander entschieden hat und wie die ersten Wochen liefen, erzählen Inhaber Timo Horl und sein neuer Kompagnon Heiko Stahl, der zuvor 15 Jahre lang die Geschicke bei Vitra lenkte.
Interview: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego
Heiko Stahl lehnt am Fensterbrett. Schwarzgerandete Brille, dunkler Anzug, kräftiger Händedruck, er begrüßt, als sei er schon immer hier. Dabei ist es erst wenige Wochen her, dass der 56-Jährige in die Geschäftsführung des Messerschleiferproduzenten Horl 1993 eingestiegen ist. Zuvor war der gebürtige Bühler für den Designmöbelhersteller Vitra als Managing Director erst in Frankfurt, später in der Schweiz für das internationale Geschäft zuständig. Stahls Einstieg ist für Horl ein großer Schritt: Erstmals besteht die Geschäftsführung nicht mehr nur aus Familienmitgliedern. Das als Garagen-Start-up von Vater Otmar (69) und Sohn Timo Horl (38) gestartete Unternehmen ist den Kinderschuhen entwachsen. Inzwischen zählt die Gruppe sieben Gesellschaften, beschäftigt 100 Mitarbeitende und verkauft seine Produkte in 45 Ländern. Im Herbst 2025 bezog Horl einen neuen, größeren Standort im Freiburger Güterbahnhofsareal, in dem nun alle Platz haben. Etwa zur gleichen Zeit hat Geschäftsführerin Marjorie Horl (34) bekannt gegeben, dass sie das Unternehmen verlassen wird. Was der Abschied seiner Frau für Timo Horl bedeutet, wie die Suche nach einem externen Zweit-Geschäftsführer lief und warum Heiko Stahl Designermöbel gegen Rollschleifer tauschen wollte, erzählen die beiden im Interview.
Herr Horl, Ihre Frau Marjorie Horl, die mit Ihnen zusammen in der Geschäftsführung gewesen ist, hat das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen. Auf Linkedin schrieb sie, dass sie für Familie und Firma eine klare Trennung von Privatleben und Beruf brauche. Können Sie die Entscheidung verstehen?
Timo Horl: Auf jeden Fall. Wir sind innerhalb relativ kurzer Zeit von einem Dreipersonen-Betrieb zu einer globalen Gruppe mit 100 Angestellten gewachsen. Das macht etwas mit einem – auch privat. Natürlich bleibt da vieles auf der Strecke und selbstverständlich belastet es das Privatleben, wenn sich alles permanent ums Geschäft dreht. Ihr wurde klar, dass sie das so nicht mehr möchte. Wir haben viel erreicht, aber jetzt braucht es für sie eine klare Trennung. HIER WEITERLESEN…

