Die Peterstaler Mineralquellen GmbH aus dem Nordschwarzwald hat sich mit der Marke „Black Forest still“ auf dem nationalen Getränkemarkt einen Namen gemacht. Ein Besuch bei dem Unternehmen, das seit 100 Jahren Mineralwasser vertreibt.
Text: Christine Weis • Fotos: Alex Dietrich
Fährt man von Offenburg kommend immer weiter ins Renchtal hinein, verändert sich die Szenerie: Die Gipfel rücken näher zusammen, der Wald reicht tiefer ins Tal, Fluss und Straße legen sich enger nebeneinander. Und so wirkt das Betriebsgelände der Peterstaler Mineralquellen GmbH im oberen Renchtal am Ortseingang von Bad Peterstal-Griesbach wie eine räumliche Verhandlung mit der Landschaft. Produktionshalle, Lager, Verwaltungsgebäude und Parkplatz fügen sich in den schmalen Raum zwischen Berg, Bach und B28. Unter der Landstraße liegen Förderbänder, auf denen täglich Tausende Glas- und PET-Flaschen passieren, darüber rangieren Gabelstapler und Lastwagen inmitten des Durchgangsverkehrs. „Wir haben alles – nur keinen Platz“, sagt Geschäftsführer Klaus Bähr.
Der 58-jährige Betriebswirt stammt selbst aus dem Renchtal und arbeitet seit 25 Jahren für Peterstaler. Er kennt die örtliche Topografie ebenso wie die des Getränkemarktes. Beides folgt ähnlichen Regeln: Wachstum ist möglich, aber nie grenzenlos. So lagerte man das Logistikzentrum vor zehn Jahren nach Oberkirch-Nußbach aus, wo die Flächen größer und die Verkehrswege einfacher sind.
Dennoch wird auch am Stammsitz expandiert. Auf der letzten freien Gewerbefläche entsteht demnächst ein neues Palettenlager für rund zwölf Millionen Euro. Eine Förderbrücke über die Rench soll dann den Neubau mit dem Bestandsgebäude verbinden. Bereits 2025 investierte Peterstaler rund 30 Millionen Euro in zwei neue Abfüllanlagen an den Standorten Bad Peterstal-Griesbach und Bad Rippoldsau sowie in den Ausbau der Logistik.



Sobald man die Produktionshalle betritt, hört man ein dauerhaftes Rauschen, das nicht etwa von einer sprudelnden Quelle, sondern von den Maschinen und Förderbändern kommt. In den monotonen Geräuscheteppich mischen sich klirrende Töne von den aussortierten beschädigten Flaschen, die in einem Behälter in Scherben zerspringen. Im ersten Abschnitt entfernen Roboterarme die Verschlüsse an den gebrauchten Flaschen und heben sie aus den Kisten auf ein Förderband, das sie in die Reinigungsanlage transportiert. Danach durchlaufen sie den sogenannten Inspektor. Dieser Scanner kontrolliert die Glasqualität.
„Mineralwasser ist ein reines Naturprodukt und unterliegt der Mineral- und Tafelwasserverordnung. So wie es aus dem Boden kommt, kommt es in diese Flasche.“ – Klaus Bähr
Weiter geht es zum Herzstück, wie Klaus Bähr den Füller der Anlage nennt, in der das Mineralwasser in die Flaschen fließt. Es kommt aus der Hansjakobquelle im zwölf Kilometer entfernten Bad Rippoldsau und gelangt per Pipeline ins Werk. „Mineralwasser ist ein reines Naturprodukt und unterliegt der Mineral- und Tafelwasserverordnung. So wie es aus dem Boden kommt, kommt es in diese Flasche“, erklärt Klaus Bähr. Der Gesetzgeber lässt lediglich drei Ausnahmen zu: Eisen und Schwefel dürfen entzogen sowie Kohlensäure zugesetzt oder reduziert werden.
Rund 36.000 Flaschen in der Stunde schafft diese Linie, die an fünf Tagen rund um die Uhr läuft. Am Wochenende pausiert sie. Eine Etage darüber arbeitet parallel eine weitere Abfüllung mit PET-Flaschen. „PET- und Glasflaschen halten sich bei der Herstellung und im Absatz die Waage“, sagt Klaus Bähr. Das ausgewogene Verhältnis gelte auch in ökologischer Hinsicht, wenn man Rohstoffe, Reinigung, Recycling und Transportgewicht gleichermaßen berücksichtige.
Drei Quellen, siebzig Produkte, ein Boomgetränk
Angefangen hat es mit dem Mineralwasser in Bad Peterstal Mitte des 19. Jahrhunderts, als die erste Quelle entdeckt wurde und die Menschen sich das Wasser in Tonkrüge abfüllten. 1926 machte Emil Huber daraus ein Geschäftsmodell und gründete die Peterstaler Mineralwasser GmbH. Er galt als innovativ und hatte schon in den 1930er-Jahren Limonaden im Sortiment. Nach drei Generationen der Familie Huber, übernahm im Jahr 2007 mit dem Kehler Logistikunternehmer Alexander Schreibeisen ein Externer die Firma – ein privater Investor und kein Konzern, wie Klaus Bähr betont.
Heute speist das Unternehmen sein Wasser aus drei Quellen, denen jeweils eine Marke zugeordnet ist: Peterstaler Mineralquelle (Peterstaler), Hansjakobquelle (Black Forest) und Renchtalquelle (Schwarzwaldperle). Neben Mineralwasser als Hauptprodukt umfasst das Portfolio Limonaden, Fruchtsaftschorlen sowie Vitamin- und Sportgetränke; ihr Anteil liegt im einstelligen Prozentbereich. Insgesamt vertreibt der Mittelständler mit 240 Beschäftigten deutschlandweit rund 70 Produkte. Zu den Abnehmern zählen der Lebensmitteleinzelhandel, Getränkefachmärkte, die Gastronomie sowie einzelne Unternehmen wie etwa der Chemiekonzern BASF, für den die Peterstaler die Getränkeversorgung direkt von Mannheim aus steuern. 2025 verkaufte das Unternehmen 220 Millionen Flaschen Mineralwasser – das sei der größte Absatz in der Firmengeschichte. Verkaufsschlager war die Marke „Black Forest still“, die ein Wachstum von über zehn Prozent verzeichnete und rund 70 Prozent zum Gesamtumsatz beitrug, den das Unternehmen nicht veröffentlicht.
„Damals war stilles Wasser noch kein Trendsetter. Und wer es mochte, griff zu den französischen Marken Vittel, Volvic und Evian, die den Markt fest im Griff hatten.“ – Klaus Bähr
Anfang der 2000er-Jahre erschloss Peterstaler mit der Hansjakobquelle die Ressource für das stille Wasser und vertrieb es zunächst mit dem Label „Back Forest Pearl“. „Damals war stilles Wasser noch kein Trendsetter. Und wer es mochte, griff zu den französischen Marken Vittel, Volvic und Evian, die den Markt fest im Griff hatten“, berichtet der Geschäftsführer. Die Umsätze in dem Segment hätten sich allmählich gesteigert, doch gegen die Platzhirsche aus Frankreich hätte man sich nicht durchsetzen können. Schließlich investierte Peterstaler 2008 einen zweistelligen Millionenbetrag in einen Markenrelaunch, und engagierte dafür die renommierte Agentur Scholz & Friends.
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser liegt in Deutschland aktuell bei rund 128 Litern im Jahr. Laut aktuellen Branchendaten des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM) stieg der Absatz von Mineral- und Heilwasser im Jahr 2025 um 2,4 Prozent auf insgesamt 10,2 Milliarden Liter. Dabei ist der Anteil des stillen Mineralwassers überdurchschnittlich um rund sechs Prozent gewachsen. „Black Forest still“ belegte Platz drei unter den 200 stillen Mineralwässern. In Baden-Württemberg lag es auf dem zweiten Rang mit einem Marktanteil von 13,9 Prozent.



Vom Nischenprodukt zum Kassenschlager
Die Bezeichnung „Pearl“ wurde im Namen gestrichen und durch „still“ ersetzt. Gleichzeitig rückten die Inhaltsstoffe – beziehungsweise deren geringe Konzentration –in den Fokus. Mit dem Slogan „Deutschlands kochsalzärmstes Mineralwasser“ konnte man punkten. Wie auch damit, dass es sich für Babynahrung eigne, ideal für Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes sei, und mit dem niedrigen pH-Wert für ein Säure-Basen-Gleichgewicht sorge. Damit entsprach das Produkt dem wachsenden Trend eines gesundheitsbewussten Lebensstils.
Der Schwarzwald als Herkunftsort des Wassers und Standort des regionale Traditionsunternehmens gehörte ebenfalls zum Konzept. Aber ohne den üblichen Bollenhut. Stattdessen ist auf den Flaschen eine reduzierte, scherenschnittartige weiße Landschaftssilhouette mit rotem Schriftzug zu sehen. Es gab Fernseh- und Radiospots sowie Plakataktionen, alle zugeschnitten auf Menschen, die Gesundheit nicht mehr als Verzicht verstanden, sondern als Lifestyle.
„Wir hatten zwar eine bundesweite Werbekampagne, aber nicht die entsprechenden nationalen Vertriebsstrukturen, um die Nachfrage bedienen zu können“, sagt Bähr rückblickend. „Da haben wir auch Fehler gemacht“, gibt er offen zu. Infolgedessen habe man zunächst einzelne Regionen systematisch aufgebaut und erweiterte den Radius Schritt für Schritt – „wabenartig“, nennt Klaus Bähr die Strategie.

„Unser Hero ist das Produkt und nicht eine prominente Person.“
– Klaus Bähr
Zum Erfolg hätten zudem die positiven Bewertungen bei Stiftung Warentest und Ökotest beigetragen. Ohne Auftrag hätten bekannte Podcaster, Gamer oder Foodblogger das Mineralwasser empfohlen. Man erhalte häufig Anfragen von Influencern, die Honorare für ein Testimonial verlangen. Das lehne Klaus Bähr jedoch ab: „Unser Hero ist das Produkt und nicht eine prominente Person.“
Sponsoring befürwortet er hingegen. Peterstaler engagiert sich im Breitensport, bei lokalen Festen und kooperiert mit Institutionen wie dem Festspielhaus Baden-Baden, der Blumeninsel Mainau oder der Schwarzwald Tourismus GmbH. Dann erinnert sich Klaus Bähr an eine besondere Aktion: Als 2011 Papst Benedikt XVI. Freiburg besuchte, trat Peterstaler als Sponsor und Wasserlieferant auf. Eine Flasche mit dem Konterfei des Papstes habe sich Bähr bis heute aufgehoben.
„Die Entnahmemengen und Laufzeiten sind wasserrechtlich geregelt und zeitlich befristet. Es darf aber natürlich nur so viel entnommen werden, wie wieder nachfließt. Noch haben wir Ressourcen.“ – Klaus Bähr
Wachstum mit Wasser
Wie steht es um die Quellenlage – reicht das Wasser für eine gesicherte unternehmerische Zukunft? „Die Entnahmemengen und Laufzeiten sind wasserrechtlich geregelt und zeitlich befristet. Es darf aber natürlich nur so viel entnommen werden, wie wieder nachfließt. Noch haben wir Ressourcen“, sagt der Firmenchef. Die Zeichen stünden weiterhin auf Wachstum. Dafür spreche auch die Erweiterung des Führungsteams: Im Mai kam Markus Stark als Geschäftsführer Technik ins Unternehmen. Zuvor war der 50-Jährige in einer Leitungsfunktion der zur Schwarz Gruppe gehörenden Mitteldeutschen Erfrischungsgetränke GmbH in Wörth.

Bundesweit gibt es 150 Mineralbrunnen und über 500 verschiedene Mineralwässer. Baden-Württemberg zählt davon 27 Mineralbrunnen und liegt damit hinter Bayern mit 41 auf Platz zwei. Allein in Bad Peterstal-Griesbach mit seinen rund 2500 Einwohnern gibt es mit Griesbacher, dem zu Edeka Südwest gehörenden Schwarzwald-Sprudel und Peterstaler gleich drei aktive Mineralbrunnen. Peterstaler ist dabei der größte und älteste am Ort.
Dass sich die Mineralbrunnen gerade in dieser Region bündeln, liegt an der Geologie des oberen Renchtals, erklärt Klaus Bähr. Granitgänge durchziehen das Gneisgestein, wodurch sich hier seit Jahrzehnten Heilbäder und die im Volksmund sogenannten „Sprudlereien“ ansiedelten. Die Hochzeiten des Kurbetriebs sind längst vorbei. Das Geschäft mit dem Mineralwasser indes sprudelt weiter im oberen Renchtal.