Pascal Cames, Journalist und Autor mit großer Affinität zu kulinarischen Themen, hat eine kleine Kulturgeschichte der Brezel geschrieben, die jüngst im Freiburger 8Grad Verlag erschienen ist.
Text: Pascal Cames
Der Bäcker weint. Wenn der gestandene Mann daran denkt, dass er eine fast zweihundert Jahre alte Tradition dem Fortschritt geopfert hat, wird der Mund trocken. Wie das? Es ging nicht anders. Seit jeher standen sie in der Bäckerei in aller Herrgottsfrüh um den großen Tisch zusammen und haben Brezeln geworfen. Eine nach der anderen. Jeder so, wie er’s gelernt hat. In Sekundenschnelle. Tausendfach gemacht und geübt. Seit Jahren perfekt. Alle. Während sie so die zwei Stunden zusammenstanden, haben sie geredet, dann wieder geschwiegen. Hatte einer mal einen neuen Witz parat, musste er erzählt werden. Das waren Zeiten! Dann ging einer fort und kam nicht wieder. Aus vier wurden drei. Das Trio hatte jetzt noch mehr zu tun. Es war zu viel. Dann schaute sich der Chef nach einem Brezelroboter um. Es zählte nicht unbedingt die Menge, schnell sind sie alle, sondern, „dass er mir dünne Ärmchen macht!“. Tatsächlich gibt’s das, und somit war’s geschwätzt. Jetzt haben die drei Mann, ein vierter Bäcker wurde bis heute nicht gefunden, viel mehr Zeit für andere Dinge, die auch wichtig sind. Zum Beispiel für die Teige. Alles gut? Nein, nicht wirklich. Die Stimme des Bäckers bricht ab. Hier ist tatsächlich eine Ära vorbei. WEITERLESEN…