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Auf einen Espresso mit Sabine Storz

  • 6. Juli 2026
Sabine Storz
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Sie sei ein Wettkampfmensch, sagt die 36-jährige Spitzensportlerin über sich selbst. 14 deutsche Meisterschaftsmedaillen und etliche badische sowie baden-württembergische Titel geben ihr Recht. Beim Interview im Stadion ihres Vereins PTSV Jahn im Freiburger Osten spricht sie über Fluch und Segen des Perfektionismus und des Älterwerdens.

Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego

Sie trinke leider gar keinen Espresso, meint Sabine Storz am Telefon, als sie den Interviewtermin bestätigt. „Aber Bier“, sagt sie und lacht. Bier gibt es dann auch nicht, vor allem, weil das Gespräch morgens um 9 Uhr stattfindet. Storz ist in Malsch, einem kleinen Ort in der Nähe von Karlsruhe, aufgewachsen. Dort begann sie das Turnen, als sie fünf Jahre alt war. Heute, mit 36 Jahren, blickt sie auf eine beeindruckende Laufbahn zurück: Sie ist unter anderem 14-fache deutsche Meisterin im Jahn-Neunkampf und 4-fache Freiburger Sportlerin des Jahres.

Der Jahn-Neunkampf, benannt nach dem berühmten Turnvater, kombiniert neun Disziplinen aus den drei Sportarten Geräteturnen, Leichtathletik und Schwimmen. Der Sport ist bei weitem nicht so bekannt wie der Zehn- oder Siebenkampf, verlangt den Athletinnen und Athleten aber eine Menge ab. Schließlich müssen sie Fähigkeiten beherrschen, die normalerweise völlig unterschiedliche Sportlertypen verlangen: Präzision und Kraft fürs Turnen, Schnelligkeit, Koordination und Explosivität für die Leichtathletik, Ausdauer und Atemtechnik beim Schwimmen und Tauchen. Sabine Storz liebt all das. Sie sei eigentlich zu groß für eine Turnerin, ihre Schnellkraft helfe ihr aber nicht nur bei Sprint und Sprung, sondern auch beim Bodenturnen. Viermal die Woche geht sie ins Turntraining, dazu kommt in Wettkampfzeiten noch Leichtathletik und Schwimmen. Sie trainiert eine Bundesligamannschaft in Herbolzheim und betreut die Turn-AG der Schule, an der sie als Gymnasiallehrerin für Mathe und Sport arbeitet.

Im Leistungszentrum war sie nie, obwohl sie als junges Mädchen das Angebot bekam. „Ich habe mich damals dagegen entschieden und mich immer wieder gefragt, wie es gewesen wäre, wenn ich es doch gemacht hätte. Heute bin ich aber froh darüber und glaube, dass es die beste Entscheidung war“, erklärt sie. Denn auf diese Weise hatte sie Zeit für andere Hobbys: zum Beispiel Cellospielen und Skifahren. Letzteres hat sie bis zur Perfektion gebracht und wurde staatlich geprüfte Skilehrerin. Der Perfektionismus ist, wie es viele Sportler und Sportlerinnen kennen, einer ihrer stetigen Begleiter. Einmal, erzählt sie, habe sie bei einer deutschen Meisterschaft einen halben Punkt verloren, weil sie am Barren einen Zwischenschwung einlegen musste. Das war im Jahr 2011, ein Jahr nach dem sie als Neuling überraschend den Titel geholt hatte. Der Fehler beschäftigte sie so sehr, dass auch alle anderen Disziplinen nicht so flutschten, wie sie es gewohnt war. „Da habe ich richtig gemerkt, was das mental ausmacht“, sagt Storz. 2012 konnte sie sich den Titel zurückholen. Die Leistungskurve geht seither steil nach oben. Erst vor wenigen Wochen gewann sie bei den baden-württembergischen Meisterschaften mit einem Abstand von uneinholbaren 16 Punkten.

Inzwischen tritt sie bei den sogenannten Seniorinnen an, weil sie älter als 30 ist. „Ich habe eine Menge Erfahrung, das bringt viel“, sagt sie. Außerdem sei sie fit wie eh und je. Ein Vorteil gegenüber den Kolleginnen, die aus den Leistungszentren kommen. Viele von ihnen verglichen sich mit ihrem jüngeren Ich, ein Fehler, der tief am Selbstbewusstsein kratzt. Denn natürlich kann niemand dieselbe Performance abliefern wie zu den Zeiten, als sechs- bis achtmal wöchentlich trainiert wurde. „Das knabbert an vielen, das sehe ich oft“, berichtet Sabine Storz. Sie selbst sucht sich immer wieder neue Herausforderungen. Sei es die Skilehrerinnentätigkeit oder ein frisches Hobby: Wake-Boarding. Eine Sportart, bei der man auf einer Art Surfbrett Luftsprünge ausführt, während man von einer Leine gezogen wird. Gerade hat sie sich zu einem internationalen Contest in England angemeldet. „Da würde ich gerne mal richtig Gas geben und schauen, was ich schaffen kann“, sagt sie. Zuzutrauen ist es ihr allemal.

Sabine Storz

Neben all den sportlichen Hobbys hat Sabine Storz auch ein sehr gemütliches: Sie liebt die ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“.

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