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Auf einen Espresso mit Jan Ehret

  • 24. September 2026
Jan Ehret
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Der gebürtige Merdinger veranstaltet mit seiner Reihe Kinky Galore europaweit Sexpartys mit tausenden Menschen. Was das Geheimnis eines richtig guten Abends ist und was seine Heimat zur Karriere des Dorfjungen sagt, verrät der Partymacher beim Espresso im Strandkorb am Tuniberg.

Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego

Jan Ehret begrüßt mit einer dicken Umarmung im Garten seiner Mutter in Merdingen. Hier schaut er zwei-, dreimal im Jahr vorbei. Seit vielen Jahren lebt der 47-Jährige in Berlin, veranstaltet Partys auf der ganzen Welt. Neulich kam eine Anfrage für eine 2000-Personen-Feier in New York. Er sagte ab: „Trump, dazu lief gerade die WM, und überhaupt das prüde Amerika. Das passt nicht zu uns.“ Denn es sind keine gewöhnlichen Clubabende, Jan Ehret feiert Sexpositivity-Partys. Lack, Leder, Sex, alles erlaubt. Kinky Galore heißt die Reihe, die er mit seiner Frau Sarah Woods aufgebaut hat. Er als DJ, sie als Performance-Künstlerin. Pro Abend kommen rund 2500 Menschen, vor den Clubs bilden sich teilweise 500 Meter lange Schlangen. In München waren es mal 4500 Gäste, am Tag danach spielte Nena in derselben Location.

Doch das Reisen zehrt. Inzwischen machen sie nur noch einen Stopp pro Monat, verkaufen dafür Doppelshows Freitag und Samstag. „Ich habe das große Glück, dass es so gut läuft, dass wir die Läden zweimal hintereinander vollkriegen“, sagt er. Kinky Galore funktioniert nicht wie eine Partyreihe, eher wie eine Band, die von den Körpern und Köpfen lebt, die sie machen. Die spanische Presse schrieb einst vom „sexy Cirque du Soleil“. Jan Ehret ist nicht ersetzbar, ebenso wenig wie Sarah Woods. Franchise oder Lizenzvergabe sind daher undenkbar, obwohl es Anfragen gegeben hat. „Ich sehe mich als Projektkünstler, und die Veranstaltung ist mein Art Piece. Deshalb kann man uns auch nicht für andere Veranstaltungen buchen. Wir machen nur unsere eigenen Sachen.“

Jan Ehret im Garten seiner Mutter in Merdingen. Auf seinen Fingerknöcheln trägt er ein Tattoo: Prima Leben. Der Name seines ersten Unternehmens.

Dass Ehret selbst als Headliner auftritt, hat wirtschaftlich Vorteile. „Das ist sonst ein extrem hoher Kostenblock“, sagt er. Wofür sie stattdessen Geld ausgeben, ist das Awareness-Team, verantwortlich für das Wohlbefinden der Feiernden. Es ist ein fester Stamm, der immer mitreist. „Wie wundervoll, wenn du als Gast kommst und die Gesichter bereits kennst“, findet er. „Das ist wahrscheinlich das Geheimnis von allem: Eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohlfühlt.“ Deshalb steht das Paar bei allen Partys auch am Eingang und begrüßt jeden Gast persönlich. Das kann anderthalb Stunden dauern, aber lohnt sich. „Gerade diejenigen, die zum ersten Mal kommen, sind nervös“, berichtet Ehret. Es helfe, wenn die Gäste spüren, dass selbst er, der bekannte Sexpartymacher, die große sexuelle Offenheit nicht als Selbstverständlichkeit verkauft, sondern als eine Option von mehreren.

Und wie wird sein Weg in der Heimat wahrgenommen? Die meisten seien interessiert, meint Ehret. Inzwischen sind große Berichte über seine Arbeit im Spiegel, dem SWR oder im Focus erschienen. Die Medienpräsenz hilft. „Wenn ich in Merdingen bin, bin ich immer noch der Bub vom Dorf“, sagt der gelernte Weinküfer, der früher schon ein bunter Vogel gewesen ist. Als 24-Jähriger gründete er mit seinem Kumpel Markus „Emmes“ Gut die Freiburger Szene-Bar Kamikaze und führte sie sechs Jahre. Als sie sich mit dem Pächter überwarfen, eröffneten die Freunde den legendären Club Schmitz Katze. 2016 wurde Ehret Resident-DJ im berüchtigten Kitkat in Berlin, sein erster Berührungspunkt mit Sexpositivity-Partys. Kurz darauf starb sein guter Freund, der Freiburger Fotograf Oliver Rath, und Ehret war am Nullpunkt: „Ich hatte vorher mit Kamikaze und Schmitz Katze zwei Unternehmen gegründet, die von anderen abhängig waren. Also beschloss ich, mich selbst als Künstler und Marke aufzubauen. Denn das kann mir keiner nehmen.“ Es ist ihm gelungen, verbogen hat er sich dafür nicht. Im Gegenteil, sein Anspruch hat sich über all die Jahre nicht verändert. Er lautet: Wir machen die perfekte Party.

Jan Ehret

Vor allem zwei Menschen haben ihn geprägt, sagt Jan Ehret im Gespräch mit Netzwerk Südbaden: Das Gastgeber-Gen habe er von seiner Mutter – einer herzlichen Frau, deren Familie ein Gasthaus in der March führte. Und wie man einen Hype kreiert und die Leute zum Feiern bringt, hat ihm der langjährige Jazzhaus-Partymacher Raimund Flöck beigebracht, als Ehret Anfang der 2000er-Jahre als Flyer-Verteiler bei ihm anfing.

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