Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir stellen dieses Heft am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt fertig. Noch steht nicht fest, ob es die erste AfD-Landesregierung geben wird, aber schon der Stimmenanteil der rechtsextremen Partei von deutlich über 40 Prozent schockiert mich auch als Unternehmer. Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine deutschtümelnde, ausländerfeindliche Politik verheerend. Der Volkswirt und Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, bezeichnete das Wirtschaftsprogramm der AfD in mehreren Interviews vor der Wahl als kontraproduktiv für den Wohlstand. Ein fremdenfeindliches Klima schade der Wirtschaft massiv, weil es den Arbeitskräftemangel drastisch verschärfen könne und Firmen sich dann überlegen würden, ob sie dort investieren.
Der Wahlerfolg der AfD zeigt auch die Relevanz unseres aktuellen Schwerpunktthemas Grenzen. Darin berichten wir über die Erfolge grenzüberschreitender Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur ebenso wie über Schwierigkeiten, die damit einhergehen, etwa die Konkurrenz um Fachkräfte entlang des Hochrheins. Wir porträtieren fünf Grenzstädte, und die Autorin Daniela Engist schreibt in einem Gastbeitrag über ihre jahrelange Erfahrung als Grenzgängerin. Aber es geht nicht nur um geografische Grenzen, sondern auch um Barrieren im Kopf, um Limits im Extremsport und um Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene.
Einige Unternehmen, die wir in dieser Ausgabe vorstellen, arbeiten grenznah. Vintage Originals setzt in Breisach Designmöbelklassiker von Vitra instand. Und die kulinarisch ambitionierte Weinbar Café Gupi in Weil am Rhein hat der Guide Michelin jüngst mit einem Stern ausgezeichnet. Wir berichten über das Freiburger Start-up Bloom Green Systems, über das Piwi Kollektiv aus Eichstetten, das Crémant aus pilzresistenten Rebsorten erzeugt, und über den Ottenheimer Tempeh-Hersteller Abeentoo. Außerdem wir haben mit den Spitzen der vier regionalen Agenturen für Arbeit über die aktuelle Lage gesprochen.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.
Ihr Daniel Schnitzler – Herausgeber Netzwerk Südbaden