Fahrrad-Abo: Wie Netflix fürs Fahrrad

Bei Swapfiets kann man sich für eine monatliche Gebühr ein Fahrrad abonnieren. Um die Wartung kümmert sich das holländische Unternehmen, das seine Erfolgsgeschichte nun auch in Freiburg etabliert.

Von Daniel Ruda

Ein Blickfang, dieser blaue Vorderreifen. Dieses Hauptmerkmal bei einem eleganten schwarzen Fahrrad kann in Freiburg immer häufiger gesichtet werden. Mehr als 400 Modelle hat der Fahrrad-Aboservice Swapfiets inzwischen an Kunden gebracht – Stand Anfang Mai. „Das Angebot kommt super an“, sagt der Regional Manager Sebastian Schlockermann, der im zurückhaltend designten Ladengeschäft in der Moltkestraße von nicht viel mehr als zwei Service-Theken und ein paar eben jener schwarzen Räder mit den blauen Vorderreifen umgeben ist.

Im November vergangenen Jahres ist Swapfiets im Breisgau aus seinem Lager im Stadtteil Hochdorf gestartet und zog als Zwischenlösung in die Räume unweit der Universitätsbibliothek. Wer hier hereinkommt, kann als Abonnent wieder herausgehen und für den monatlichen Preis von 17,50 Euro ein hochwertiges Fahrrad nutzen. „Wir garantieren, dass die Kunden immer mit einem funktionierenden Rad unterwegs sind, sämtliche Reparaturen sind im Preis enthalten“, erläutert der 36-Jährige das eigene Hauptargument.

Ein bisschen ist es vergleichbar mit Streamingdiensten wie Netflix oder Spotify. Der Kunde zahlt monatlich seine Gebühr und kann streamen beziehungsweise radeln und braucht sich um sonst nichts zu kümmern. Das Abo ist monatlich kündbar. Einen platten Reifen flicken, Bremsen anziehen oder auswechseln oder das klappernde Schutzblech festzurren. Die üblichen anfallenden Dinge eben, die Zeit und Nerven kosten, nimmt Swapfiets seinen Kunden ab. Funktioniert irgendwas nicht richtig, macht man per App, Website, Whatsapp oder Email auf kurzem Weg einen Termin innerhalb der nächsten 24 Stunden aus und ein Mitarbeiter, im Firmensprech Swapper genannt, kommt vorbei.

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Sebastian Schlockermann, Regional Manager für Swapfiets in Freiburg. Foto: Alexander Dietrich

„Wenn wir das Problem nicht innerhalb von zehn Minuten vor Ort lösen können, tauschen wir direkt das Fahrrad aus und der Kunde bekommt ein neues“, erläutert Schlockermann den Service von Swapfiets. Der Name ist eine 20Wortkreation aus dem englischen „swap“, was Tauschen heißt, und „fiets“, dem niederländischen Wort für Fahrrad. Wird das stets versicherte Rad gestohlen, fallen 60 Euro Selbstbeteiligung an, und der Kunde bekommt ebenfalls ein neues.

Anfang April hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club wieder einmal sein Ranking veröffentlicht, mit dem alle zwei Jahre die Fahrradfreundlichkeit von Städten untersucht wird. Freiburg landet darin auf dem dritten Platz hinter Münster und Karlsruhe. Auch dort ist Swapfiets seit einigen Monaten am Markt, insgesamt hat das Unternehmen 20 Standorte in Deutschland, weitere sollen dazukommen. In Münster, seit Jahren die Fahrradstadt Nummer eins, wird das Angebot am besten angenommen. Gestartet im April 2018 als erster Standort in Deutschland sind inzwischen 3.500 Fahrräder mit blauem Vorderrad in der Stadt in Nordrhein-Westfalen unterwegs.

„In Freiburg wollen wir bis Ende dieses Jahres auf 1.500 Kunden kommen“, gibt Schlockermann das Ziel für die einzige Dependance in Südbaden vor. Die warmen Monate sollen Kunden bringen: „Wir spüren gerade schon, wie die Nachfrage steigt, da mit dem Frühjahr das Wetter besser wird.“ Mit seiner Expansion auf den deutschen Markt hat das niederländische Unternehmen seine Erfolgsgeschichte fortgeschrieben, die als klassische Startup-Idee begonnen hat, 2014 von vier Studenten in der Stadt Delft gegründet. Jener Stadt, die für ihr blaues Porzellan bekannt ist, daher der blaue Vorderreifen.

Die Firmenzentrale ist inzwischen in Amsterdam. Neben den Niederlanden ist Swapfiets in Belgien, Dänemark und auf dem deutschen Markt aktiv. Mitte März verkündete das Unternehmen, „den Meilenstein von 100.000 Kunden“ erreicht zu haben. Damit sei Swapfiets der weltweit größte Anbieter von Fahrrad-Abonnements. „Seit 2014 ist das Unternehmen jährlich um mindestens 500 Prozent gewachsen. Wirtschaftliche Kennzahlen kommuniziert das Unternehmen auf Nachfrage nicht. Dass Swapfiets in Südbaden Erfolg haben würde, ist keine Überraschung.

Hinzu kommt: Das Unternehmen hat hier keine direkte Konkurrenz. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir in dieser Form der einzige Anbieter auf dem Markt sind“, betont Schlockermann. Drei Festangestellte – darunter ein Mechaniker, der sich um die Reparatur und Wartung der Räder kümmert, welche die Firma selbst entworfen hat und produzieren lässt – und gut ein Dutzend Aushilfskräfte gehören zum Freiburger Team. In der Zukunft soll zunächst ein neuer Standort nahe der Stadtmitte gefunden werden und dann das Angebot weiter wachsen. Neue Fahrradmodelle sollen dazukommen, auch die Einführung von E-Bikes könne dabei einmal zum Thema werden. „Aktuell sind wir dabei, das B2B-Geschäft aufzubauen, indem wir Unternehmen Poolfahrräder anbieten“, sagt Sebastian Schlockermann.