Ob Straßen, Krankenhäuser oder gar ein kompletter Stadtteil – in der Region laufen derzeit viele große Bauprojekte der öffentlichen Hand oder von Energieversorgerunternehmen. Ein kleiner Überblick der Superlative, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Text: Susanne Maerz
57,5 Hektar: Neuer Freiburger Stadtteil Dietenbach

Platt und braun, in riesige Parzellen aufgeteilt – so sieht der erste Bauabschnitt des neuen Stadtteils Dietenbach im Freiburger Westen derzeit aus der Luft aus. Es ist das mit Abstand größte und teuerste laufende Bauprojekt in der Region. Bis im Jahr 2042 sollen auf 800 Baugrundstücken auf insgesamt rund 57,5 Hektar bebauter Fläche circa 6900 Wohnungen für etwa 16.000 Menschen entstehen. Der Erstbezug ist für 2030 geplant. Seit etwa zwei Jahren wird der erste Bauabschnitt erschlossen. Zurzeit werden die Verkehrsflächen aufgeschüttet und die Schmutz- und Regenwasserkanäle gebaut. Diesen Monat starten zudem die Arbeiten für die Strom-, Wasser- und Fernwärmeleitungen für die sogenannte Mittelachse des Stadtteils. Die Stadt Freiburg veranschlagt die Kosten auf 1,32 Milliarden Euro über die gesamte Laufzeit. Darunter fallen Ausgaben von der Verlegung der Hochspannungsleitungen über den Bau der zentralen Entwässerung bis hin zu Grün- und Parkflächen sowie dem Schulcampus. 1,14 Milliarden Euro sollen über den Verkauf der Grundstücke refinanziert werden. Etwa 100 Millionen Euro muss die Stadt Freiburg voraussichtlich selbst stemmen.
1300 Betten: Zwei Großkliniken in Lörrach und Offenburg


Ähnlich groß, ähnlich teuer, gleich wichtig für die Gesundheitsversorgung vor Ort: In Lörrach und Offenburg wird zurzeit jeweils ein großes Kreiskrankenhaus gebaut. Im neuen Dreiland-Klinikum sollen die vier Kliniken des Landkreises, die zwei in Lörrach dazu jeweils die von Schopfheim und Rheinfelden, vereint werden. Die Idee entstammt dem sogenannten Lörracher Weg: Bereits vor 20 Jahren begann man damit, in den zwei Kliniken der Stadt die Angebote zu bündeln, das war damals ein neuer Ansatz und sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Das neue Großklinikum soll mehr als 600 Betten, 11 OP- und 6 Kreißsäle sowie eine Nutzfläche von 43.000 Quadratmetern verfügen. Die Grundsteinlegung wurde im August 2021 gefeiert, vergangenen Herbst startete die finale Bauphase, im Frühjahr 2027 soll es in Betrieb gehen. Die Baukosten betragen voraussichtlich 513 Millionen Euro, 246 Millionen Euro kommen als Fördermittel von Bund und Land. In der Agenda „Ortenau 2023 – Zukunft Gesundheit“ ist als größtes Bauprojekt des Landkreises das neue Ortenau Klinikum in Offenburg festgeschrieben. Es soll die beiden derzeitigen Betriebsstellen, das Krankenhaus am Ebertplatz und die St. Josefsklinik, ersetzen sowie über 724 Betten, 21 OP-Säle und Eingriffsräume sowie 7 Entbindungsräume auf einer Nutzfläche von rund 37.600 Quadratmetern verfügen. 2017 begann der Agendaprozess, Mitte 2025 die Aushubarbeiten. Derzeit wird am Baugrund gearbeitet, der Rohbau startet noch im Frühjahr. Der Komplex soll Ende 2029 fertiggestellt sein und im ersten Halbjahr 2030 in Betrieb gehen. Rund 690 Millionen Euro inklusive Fördermittel sind vom Landkreis als Kosten für den gesamten Campus veranschlagt.
249,5 Meter: Sieben neue Windkraftanlagen in der Region

Hoch hinaus geht es bei der Windkraft schon länger. Aktuell nimmt die Höhe der Anlagen weiter zu. Die bislang größten in der Region werden derzeit bei Müllheim und Gutach errichtet, heißt es vom Regierungspräsidium Freiburg. Sie haben jeweils eine Gesamthöhe von 249,50 Meter. Die Freiburger Ökostromgruppe, die die zwei Anlagen des Windparks Bildstock in Gutach projektiert, hat die Zuwegungsarbeiten abgeschlossen. Im Laufe des Frühjahrs sollen die Fundamente gebaut werden und Ende des Jahres die beiden Windkraftanlagen stehen. Rund 23 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt, Auftraggeber ist die Windpark Bildstock GmbH & Co. KG, die unter anderem aus lokalen Unternehmen und Bürgerenergiegenossenschaften besteht. Auf dem Höhenrücken Sirnitz–Dreispitz errichtet die Badenova-Tochter „Erneuerbare“ derzeit fünf Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils sechs Megawatt. Rund 49.500 Menschen sollen so einmal mit Strom versorgt werden. Die Idee für das Projekt entstand im Jahr 2015, seit Oktober 2024 gibt es die Baugenehmigung. Herausfordernd ist beziehungsweise waren die komplexe Topografie sowie Eigentumsstruktur. Zudem wird kontrovers über das Projekt diskutiert. Voraussichtlich noch in diesem Monat soll der Bau der Fundamente starten, dann geht es Schritt für Schritt bis zur Inbetriebnahme der ersten Anlagen voraussichtlich bis Ende des Jahres.
172 GWh: Der größte Wärmeverbund in der Region

In vielen Kommunen entstehen seit einer Weile Fernwärmenetze, die mit industrieller Abwärme, Umgebungswärme, Holzresten oder Erdwärme gespeist werden. So soll die Wärmeversorgung nachhaltig umgebaut werden. Das größte Fernwärmenetz in der Region gibt es in Freiburg. Der Energieversorger Badenova baut es derzeit weiter aus. Noch besteht es aus zwei Teilen, dem Wärmeverbund Freiburg-Süd und dem Wärmeverbund Freiburg-West. Bis 2035 sollen sie zusammengeführt sowie stetig erweitert werden. Vergangenes Jahr haben die beiden Verbünde mit ihrer bis dato rund 80 Kilometer langen Fernwärmetrasse etwa 172 Gigawattstunden Wärme abgesetzt und so etwa 23.000 Menschen versorgt. Ziel ist es laut Badenova „Hand in Hand mit dem sogenannten Masterplan Wärme der Stadt Freiburg, einmal die halbe Stadt abzudecken“. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu sein – das Fernwärmenetz ist ein wichtiger Bestandteil, um dies zu erreichen. Die Badenova rechnet aktuell mit Kosten in Höhe von etwa 174 Millionen Euro. Rund 65 Millionen Euro kommen als Fördermittel vom Bund.
19 Mrd. Euro: Die erste Wasserstoffleitung im Süden Deutschlands

Es ist das erste seiner Art in der Region und zugleich ein Teil eines gesamtdeutschen Vorhabens: das Projekt „H2@Hochrhein“. Die Bundesrepublik plant ein rund 9000 Kilometer langes und knapp 19 Milliarden Euro teures (Stand Ende 2024) Wasserstoff-Kernnetz im ganzen Land. Die Freiburger Badenova-Tochter „Netze“ steuert rund 58 Kilometer dazu bei. Bis im Jahr 2030 errichtet sie eine Wasserstoff-Hochdruckleitung zwischen Grenzach-Wyhlen und Waldshut-Tiengen. Darüber soll künftig vor allem die energieintensive Industrie entlang des Hochrheins mit selbsterzeugtem oder von überregionalen Erzeugern eingespeistem grünen Wasserstoff versorgt werden. Die Bauarbeiten starteten im März 2025 mit einer rund neun Kilometer langen Trasse zwischen den Gemeinden Albbruck und Dogern. 1,6 Kilometer davon wurden bereits verlegt, in den kommenden Monaten folgen etwa 1,5 weitere Kilometer Leitungen. Bis etwa Mitte 2027 soll das Teilstück fertig sein. Dann folgen nach und nach die weiteren Abschnitte. Das Projekt ist laut Badenova einer „der bislang größten Investitionsschritte in der Unternehmensgeschichte“ und kostet rund 90 Millionen Euro.
25 Jahre: Langwieriger Aus- und Neubau der B33 zwischen Konstanz und Allensbach

10,8 Kilometer Länge, 409 Millionen Euro Kosten, Bauzeit von 2009 bis 2034: Der vierspurige Aus- und Neubau der B33 zwischen Konstanz und Allensbach ist die größte, teuerste und zeitlich längste Straßenbaustelle im Regierungsbezirk Freiburg. Ziel ist laut Regierungspräsidium, so „die Anbindung an die Stadt Konstanz und das regionale Straßennetz sowie die Stausituation zu verbessern“. Vier von sechs Abschnitten sind bereits fertiggestellt und werden befahren. Zurzeit wird der Röhrenbergtunnel bei Allensbach gebaut und der Tunnel Hegne geplant. Meilensteine des Großprojekts sind der rechtskräftige Planfeststellungsbeschluss Ende 2007, der Baubeginn des Abschnitts zwischen der Reichenau und Konstanz 2009 und die Baufreigabe zwei weiterer Abschnitte 2015, als die zwischenzeitlich nicht endgültig gesicherte Finanzierung zugesagt war. Seitdem geht es Stück für Stück weiter – neben der Bundesstraße werden und wurden rund 4 Kilometer Umleitungsstrecken, 3,5 Kilometer einer späteren Kreisstraße sowie 12,3 Kilometer Rad- und Wirtschaftswege gebaut, ebenso 24 Brücken, 26 Stützwände, Lärmschutzwände mit einer Fläche von 9.350 Quadratmetern und 3 Tunnel.
200 Kilometer: Das Herzstück zwischen Rotterdam und Genua

Das europaweit relevante Bauprojekt in der Region ist zweifelsohne der Neu- und Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel. Die Strecke ist 200 Kilometer lang, Kosten in Milliardenhöhe sind dafür veranschlagt. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) gilt die Rheintalbahn „als Herzstück des wichtigsten europäischen Eisenbahnkorridors zwischen Rotterdam und Genua“. Damit der Personen- wie Güterverkehr dort möglichst problemlos rollen kann, werden zwei zusätzliche Gleise gebaut, die beiden Verkehre getrennt und die Fahrzeit für die Personenzüge verkürzt. Allerdings zieht diese Erweiterung auch Eingriffe in die Natur, andere umfangreiche Bauarbeiten und daher ebenso Proteste aus der Bürgerschaft mit sich, die vorab informiert und eingebunden wurde. Etwa ein Drittel des Projekts ist bereits fertiggestellt und in Betrieb: die rund 42 Kilometer lange Teilstrecke zwischen Rastatt Süd und Offenburg sowie die 31 Kilometer zwischen Schliengen, Müllheim und Eimeldingen inklusive Katzenbergtunnel. Zurzeit finden Bauarbeiten für den Fern-, Nah- und Güterverkehr in Weil am Rhein statt. Dieses Jahr steht außerdem der Baustart für die neue Güterumfahrung Freiburgs zwischen Kenzingen und Müllheim an. Noch läuft das Genehmigungsverfahren in vier von fünf Teilabschnitten. Im zweiten Quartal soll laut DB der Bau des ersten Abschnitts zwischen Riegel und March beginnen.