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  • Kultur

Hörwerke: Film ohne Bilder

  • 7. Oktober 2026
Hörwerke auf der Bühne
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Fast wie Kino, nur ohne Leinwand – Hörspiele faszinieren seit Generationen Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die Mitglieder des Freiburger Vereins Hörwerke schreiben, produzieren, inszenieren ihre Werke und bringen sie auf die Bühne.

Text: Ralf Deckert

Benjamin Blümchen, Winnetou und „Die drei ???“: Hörspiele begeistern Kinder. Aber auch Erwachsene mögen Krimis, Klassiker und Komödien, die wie ein Film ohne Bilder inszeniert werden. Alle Mitglieder des Freiburger Vereins Hörwerke sind vom Hörspiel-Fieber erfasst. Vorstandsmitglied Max Tabori und seine 17 Mitstreiterinnen und Mitstreiter geben sich aber nicht nur mit selbstgemachten Hörspielproduktionen zufrieden, sie bringen ihre aufwendig inszenierten Stücke live auf die Bühne.

„Wir schreiben eigene Hörspiele, inszenieren sie und führen Regie. Wir arbeiten gemeinsam an den Drehbüchern und setzen auch die Aufnahmen technisch um“, berichtet Tabori. Die Musik werde ebenfalls von einem Teil der Vereinsmitglieder beigesteuert. Hörwerke gibt es seit Ende 2023, hervorgegangen ist der gemeinnützige Verein aus einem studentischen Radioprojekt der Pädagogischen Hochschule (PH) in Freiburg. „Da gab es schon seit 15 Jahren eine Hörspielredaktion, die Sendungen über und mit Hörspielen gemacht hat“, erklärt Tabori. Als dieses Projekt an der PH endete, habe man die Arbeit fortsetzen wollen. Radio-Profis, Lehrerinnen und Lehrer, Rentnerinnen und Rentner, ein Schauspieler sowie ein promovierter Biologe machen unter anderem mit.

„Ich habe Hörspiele verschlungen wie brave Kinder Bücher.“ — Max Tabori

Viele Menschen würden heute die Begriffe Hörbuch und Hörspiel quasi synonym verwenden, sagt Max Tabori und ergänzt: „Aber der große Unterschied ist eben, dass Hörspiele mit Geräuschen und Musik untermalt sind, während das Hörbuch lediglich vorgelesen wird.“ Er sei seit seiner Kindheit begeistert von diesem Unterhaltungsformat. Schon als Jugendlicher habe sich der heute 32-Jährige die Klassiker der Literaturgeschichte am liebsten als Hörspielinszenierungen angeeignet. „Ich habe Hörspiele verschlungen wie brave Kinder Bücher.“

Alle im Verein seien so gestrickt und häufig Fans von klassischen Tonträgern wie Schallplatten und Musikkassetten. „Die Diskussion, ob man unsere Hörspiele nicht am besten ausschließlich auf Kassetten veröffentlichen sollte, haben wir immer wieder.“ Dabei sei natürlich allen Beteiligten klar, dass man mit Streaming-Produktionen ein breiteres Publikum erreichen könne.

Akteurinnen und Akteure inszenieren ein Hörspiel auf der Bühne
Im Studio gibt es die Chance, das Geräusch noch einmal zu machen. Live muss alles sitzen, damit es nach einer echten Essensatmosphäre klingt: Wann welcher Finger zu welchem Zeitpunkt mit welchem Löffel klappert und die Gläser an den Teller schlagen.

Klirren, knacken, knallen

Für die Live-Umsetzung ihrer Produktionen müssen die Vereinsmitglieder eine Menge Konzentration aufbringen. Schließlich darf etwa der Luftballon, der den Schuss im Krimi darstellen muss, nicht im falschen Moment platzen. „Wir haben einige Kisten mit verschiedenen Gegenständen dabei“, berichtet Max Tabori. „Zum Beispiel ein großes Brett, an das diverse Schlösser, Riegel und Klinken angeschraubt sind, damit man verschiedene Türen öffnen und schließen kann.“ Leute, die sich damit nicht auskennen, würden das, was man bei Hörwerke auf der Bühne für die Geräusche braucht, vielleicht als Schrottplatz bezeichnen, so der Vereinsgründer.

„Wir schreiben eigene Hörspiele, inszenieren sie und führen Regie. Wir arbeiten gemeinsam an den Drehbüchern und setzen auch die Aufnahmen technisch um.“ – Max Tabori

In der Regel erzeugen die Darstellenden die Geräusche ihrer Rollen selbst. Das sei „ein superanstrengender Job“, bei dem auf der Bühne nichts anbrennen darf. „Im Studio hat man die Chance, das Geräusch noch einmal zu machen. Aber live muss man wirklich wissen, welcher Finger zu welchem Zeitpunkt mit welchem Löffel klappert und welcher zugleich die Gläser an den Teller schlägt, damit es nach einer echten Essensatmosphäre klingt.“ Dass bei der Umsetzung auf der Bühne trotz intensiver Vorbereitung auch mal etwas schiefgehe, sei Teil des Charmes der Sache, so Tabori. „Unsere Erfahrung ist die, dass kleinere Fehler genau die Momente sind, über die nach dem Auftritt angesprochen wird und die in einer positiven Weise im Gedächtnis bleiben“, sagt er.

Neben Hörspielproduktionen im Studio und auf der Bühne hat der Verein auch die Idee einer Radioshow mit und über Hörspiele nicht aufgegeben. Im Radio Dreyeckland (RDL) gehen die Hörspiel-Fans regelmäßig am ersten Montag (19 Uhr) im Monat mit ihrer „Hörspieltruhe“ auf Sendung. „Das ist ein großes Projekt von uns“, betont Max Tabori.

Neben frei verwertbaren Produktionen, zum Beispiel aus der Redaktion an der PH, gibt es Rezensionen neuer Hörspiele. „Und wir vermitteln Eindrücke aus der ‚Geräuscheküche‘, indem wir vorstellen, wie ein Geräusch im Hörspiel gemacht wird.“ Aktuell arbeitet der Verein an einer Reihe, die auf Sagen aus dem Schwarzwald basiert, die der Lyriker Max Rieple vor rund 60 Jahren veröffentlicht hat. Bis in einem Jahr sind vier Folgen geplant. In Schliengen, Bad Krozingen und Bötzingen sowie im Raum Freiburg kommen im Herbst die beiden ersten Folgen „Der Totenreiter“ und „Ein Bauer versteht zu hexen“ auf die Bühne.

Studio Hörwerk in Freiburg
Die Akteure schreiben die Hörspiele selbst, inszenieren sie und führen auch Regie.

Engagement aus Leidenschaft

Der Aufwand sei für jeden enorm gewesen, erzählt Tabori: Zwei Monate lang schrieben die Darsteller an ihren Szenen, zwei weitere arbeitete er an der stilistischen Zusammenführung der einzelnen Passagen. „Dann haben wir angefangen, gut ein halbes Jahr lang zu proben.“ Immerhin, die Studioproduktion von „Der Totenreiter“ schafften sie an einem Wochenende. Vom Skript bis zur finalen Abmischung der Aufnahmen dauerte alles rund eineinhalb Jahre. „Bei der zweiten Folge haben wir die Abläufe deutlich optimiert.“

„Vereine wie Hörwerke sind eine seltene Sache“, sagt Max Tabori. Die Szene sei klein, aber engagiert. Sie alle versuchten, neben dem Beruf noch Zeit für Probewochenenden, Workshops zur Studiotechnik und natürlich für die Auftritte freizuschaufeln. „Zusätzlich zur eigenen Vereinstätigkeit kooperieren wir immer wieder mit anderen kreativen Gruppen“, betont Tabori. So hätten die Mitglieder bereits Charaktere in Animationsclips, Computer- und Handyspielen synchronisiert. Auch Werbevideos habe man bereits vertont und an einigen Filmprojekten als Sprecher oder Schauspieler mitgewirkt.

Als Geräuschemacher unterstützen die Vereinsmitglieder im Herbst zudem ein Theaterprojekt der Hochschwarzwald Tourismus GmbH mit der Theatergruppe Neukirch und der Autorin Julia Heinecke. Im vergangenen Jahr hat der Verein erstmals eine Schülerpraktikantin beschäftigt, die ein Hörbuch für ein Schulprojekt einsprechen durfte und anschließend dem Verein gleich als Neumitglied erhalten geblieben ist. Um die Zukunft des Hörspiel-Genres muss man sich zumindest in Freiburg keine Sorgen machen.

Live-Hörspiele

  • 17. Oktober 2026: Weingut Büchin, Schliengen
  • 24. Oktober 2026: Litschgikeller, Bad Krozingen
  • 14. November 2026: Mittendrin, Bötzingen

Weitere Informationen: www.hoerwerke-verein.de

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