Einen eigenen Blickwinkel auf die neue Art zu arbeiten hat Till Hahndorf. Sein Freiburger Unternehmen „Sourceconomy“ versammelt IT-Kapazitäten aus ganz Europa – das geschieht seit jeher aus der Distanz und meist im „Homeoffice“-Modus.
VON RUDI RASCHKE
Für uns ändert sich aktuell echt wenig bis nichts. Wir sitzen im Homeoffice, das gibt es auch im regulären Alltag immer wieder. Für unsere Kunden ist das völlig egal“, sagt Till Hahndorf gleich zu Beginn unseres Videochats, als es um DAS Thema unserer Tage geht. Salopp gesagt könnte man sagen, dass der Tagesablauf mancher seiner Entwickler jetzt „Quarantäne“ heißt, aber unverändert weiter läuft wie zuvor.
„Das ist bei uns kein schickes ‚New Work‘, sondern einfach ‚Work‘“, sagt er. Seine Ausgangslage, also die seiner Kunden: Mittelständler, die der Digitalisierung mithalten wollen, haben schlicht nicht die Programmierkapazitäten im Haus. Die verfügbaren reichen meist nur für das laufende Geschäft aus, weder für strategische Projekte, noch für Umstellungsprozesse.

Und wenn Stellen zusätzlich bewilligt werden, finden sich nahezu keine Bewerber. Südbadische Rückkehrer aus Großstädten sind in der IT-Szene seltener zu finden als jene, die es umgekehrt in urbane Hotspots zieht. Freelancer könnten Unternehmen noch selbst finden, aber das würde nur einzelne „Manntage“ ermöglichen, also das Erledigen kleinerer Aufgaben. Hahndorfs in der Freiburger Wiehre beheimatetes Unternehmen „Sourceconomy“ übernimmt seit 2007 ganze Aufgabenblöcke und Prozesse oder stellt Kollegen in die Entwicklungsabteilung von Kunden ab.
Nicht „New“ sondern normale „Work“
Das, was viele Unternehmen hier jetzt erst noch kennenlernen, das Arbeiten mit Chats und Videokonferenzen, ist für Hahndorf seit bald eineinhalb Jahrzehnten der Alltag. Wichtig ist, dass sein Unternehmen als Vertragspartner auch die Haftung übernimmt, sie ist im Gegensatz zur Arbeit nicht delegiert. Organisatorisch sagt er, habe er in dieser Zeit gelernt, dass es auf die Qualität der Zusammenarbeit in den Prozessen ankommt: Also, wie die Kommunikation organisiert ist, welche Werkzeuge, wie z.B. die Chat-Plattform Slack, genutzt werden, aber auch wie das alles dokumentiert wird. Und wie man sich auch mal im realen Leben trifft.
Hahndorfs Pool besteht aus „Entwicklungspartnern“, wie er seine IT-Dienstleister nennt, die selbst 20 bis 150 Mitarbeiter stark sind. Alle sind in Europa angesiedelt, nicht mehr wie früher in Asien, und damit in zwei Flugstunden erreichbar. Mit ihnen arbeitet er an Kapazitätsplanungen und Reports, sie sind nach unterschiedlichen IT-Fähigkeiten eingruppiert. Gerade in der aktuellen Zeit treten Digitalisierungs-Rückstände besonders heftig zutage.
Der IT-Fachkräftemangel wird also nach überstandener Pandemie eher größer als kleiner geworden sein. Mit externen Kapazitäten arbeiten, die ein Vertragspartner organisiert, statt eigene Entwickler in der Ortenau, Waldshut-Tiengen oder Emmendingen einstellen zu müssen: für manchen südbadischen Mittelständler wird dies nach der Corona-Krise auch eine Arbeitsweise der „New Work“ werden. Mit Dienstleistern, die dieses „new“ schon vor einer längeren Weile kennen gelernt haben.