Die Geschäfte von IMS Gear sind in diesem Jahr stärker eingebrochen als noch im Frühjahr befürchtet. Daher plant der Automobilzulieferer aus Donaueschingen jetzt einen Stellenabbau. Bis zu 300 Arbeitsplätze sollen ab Anfang 2027 in der Region wegfallen.
Text: Susanne Maerz
„Unser Dilemma ist, dass sich das neue Geschäft nicht in der Geschwindigkeit entwickelt, in der das Geschäft mit der Automobilindustrie zurückgeht.“ Diesen Satz hatte Unternehmensvorstand Bernd Schilling auf der Bilanzpressekonferenz des Automobilzulieferers IMS Gear aus Donaueschingen in diesem Frühjahr gesagt. Er macht zum einen die Schwierigkeiten deutlich, in denen sich das Familienunternehmen seit mehreren Jahren befindet. Zum anderen zeigt er, dass IMS Gear Anstrengungen unternimmt, um auf die Strukturkrise der Automobilindustrie, den gestiegenen Kostendruck und die Billigkonkurrenz aus China zu reagieren – und zwar, indem es auf neue Geschäftsfelder setzt.
IMS Gear macht etwa 90 Prozent seines Umsatzes mit der Automobilindustrie – zum Beispiel mit Sitz- und Lenkverstellungen, die dem Komfort im Automobil dienen und daher antriebsunabhängig sind. Wenn aber der Automobilabsatz leidet – egal ob Verbrenner oder Elektro – und zudem vermehrt günstige Fahrzeuge ohne solche Extras gekauft werden, geht das Geschäft der Schwarzwälder zurück. Das ist schon seit ein paar Jahren so. Daher ist das Familienunternehmen schon länger dabei, an verschiedenen Stellen zu sparen, die Abhängigkeit von der Branche zu reduzieren und sich breiter aufzustellen. Ziel ist, so hatten es Schilling und sein Vorstandskollege Ales Starek im Frühjahr verkündet, den Umsatzanteil mit anderen Industriezweigen auf 20 bis 30 Prozent zu steigern. Allerdings rechnen sie damit, dass das erst bis 2030 gelingen könnte. Deshalb hatten sie vor etwa einem halben Jahr zusätzliche Sparmaßnahmen verkündet.
Das Umsatzziel für 2026 wird nicht erreicht
Diese schlossen bereits die Belegschaft mit ein. Der Deal: Keine Sonderzahlungen sowie nur die Hälfte des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes, dafür keine betriebsbedingten Kündigungen in diesem Jahr. Wie es 2027 weitergeht, ließen sie damals offen, in der Hoffnung, für dieses Jahr mindestens einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro erwirtschaften zu können. 2025 war dieser nach einem schwachen Vorjahr bereits um 7,8 Prozent auf 530 Millionen Euro zurückgegangen, der Gewinn vor Steuern von 18 auf 15 Millionen Euro, die Umsatzrendite von 3,1 auf 2,8 Prozent. Nun steht fest, dass sich dieser Abwärtstrend 2026 fortsetzt und das selbstgesteckte Ziel verfehlt wird: „Unser Umsatz wird dieses Jahr deutlich unter den ursprünglich kalkulierten 500 Millionen Euro liegen“, sagte Schilling im September auf Nachfrage zu einer Pressemitteilung.
In dieser kündigte das Unternehmen an, unter anderem bis zu 300 Arbeitsplätze an den deutschen Standorten abzubauen. „Rückläufige Produktionsmengen, gekürzte Kundenprogramme, wachsender Preisdruck und sinkende Auslastung belasten Umsatz und Ergebnis von IMS Gear erheblich“, hieß es als Begründung. Schilling sagte zudem, der Strukturwandel in der Automobilbranche bringe hohe Unsicherheit, starke Schwankungen bei den Kundenabrufen sowie anhaltenden Wettbewerbs- und Veränderungsdruck mit sich. Diese Entwicklung habe sich in den vergangenen Monaten mit deutlichen Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis verschärft. „Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Marktveränderungen zwingen uns, unsere Strukturen kurzfristig anzupassen. Dazu müssen wir unsere Kostenbasis nachhaltig senken und zugleich effizienter werden“, betonte er.

In Donaueschingen, Eisenbach, Trossingen und Villingen-Schwenningen arbeiten derzeit etwa 1500 der insgesamt 2900 Beschäftigten. Die übrigen verteilen sich auf die Niederlassungen in den USA, Mexiko und China. Auch diese könnten von den Kürzungen betroffen sein. Denn nach Angaben des Unternehmens sollen weltweit mindestens 35 Millionen Euro eingespart werden, rund 20 Millionen davon durch den Personalabbau in Deutschland. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sollen laut Pressemitteilung bis Jahresende „tragfähige und sozial verantwortungsvolle Lösungen“ erarbeitet und „die angepassten Strukturen“ ab Jahresbeginn 2027 umgesetzt werden. In diesem Zuge soll auch das Werk im Donaueschinger Stadtteil Aasen – in Donaueschingen gibt es neben dem Hauptsitz mehrere Standorte – geschlossen und die Produktion bis Mitte nächsten Jahres in die Werke in Villingen-Schwenningen und Trossingen verlagert werden. Bei IMS Gear in Aasen arbeiten derzeit 60 Beschäftigte. Wie viele der Arbeitsplätze mitwandern können, steht laut Bernd Schilling derzeit noch nicht fest.
Ursprünglich arbeitete IMS Gear für die Uhrenindustrie
Auch der Betriebsrat wird in der Pressemitteilung zum Stellenabbau zitiert: „Die wirtschaftliche Entwicklung bereitet uns als Arbeitnehmervertreter große Sorgen. Unser Auftrag ist jetzt klar: Arbeitsplätze so weit wie möglich sichern und die Zahl betriebsbedingter Kündigungen auf ein Minimum zu reduzieren“, heißt es vom Vorsitzenden Stefan Fehrenbach. „Gleichzeitig werden wir darauf drängen, dass alle Einsparmöglichkeiten geprüft und genutzt werden.“ Die Beschäftigten dürften nicht der alleinige Hebel sein, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen.

IMS Gear steht nicht zum ersten Mal vor großen Schwierigkeiten: Das 1863 in Eisenbach gegründete Familienunternehmen belieferte ursprünglich die Uhrenindustrie und musste sich nach deren Niedergang in der Region komplett neu aufstellen. Seit den 1990er-Jahren liegt der Fokus auf der Automobilindustrie. Die Zahnrad- und Getriebetechnik von IMS Gear kommt aber schon immer auch in anderen Branchen und Produkten zum Einsatz, inzwischen allerdings vermehrt. Dazu zählen Agrar- und Gebäudetechnik sowie Logistik, aber auch E-Bikes, Mähroboter oder Haushaltsgeräte.