Thomas Sattler leitet in dritter Generation den Mineralwasserhersteller Lieler Schlossbrunnen im Schlienger Ortsteil Liel. Hier berichtet der 60-Jährige, welche Weisheit ihm vor einigen Jahren in einer existenziellen Krise half.
„Ich notiere mir, old school mit Stift auf Papier, seit Jahren jeden Tag einen Motivationsspruch. Einer davon hat mir vor vier Jahren sehr geholfen. 2022 konnten wir drei Monate lang nicht abfüllen, nachdem sich das Mineralwasser unserer Hauptquelle mit dem einer verwilderten Nebenquelle gemischt hatte. Der Sulfat- und Natriumgehalt dieses Cuvée-Wassers lag über der erlaubten Toleranzschwelle für Mineralwasser. Dadurch sind uns etwa 750.000 Euro entgangen, zusammen mit dem Pfand, den wir auszahlen mussten, ohne liefern zu können, war es ein Verlust von mehr als 1,2 Million Euro. Da kann man schon Existenzängste bekommen, deshalb habe ich mich an diese Weisheit erinnert – ich weiß nicht mal, von wem sie stammt: Wenn es nicht mehr weitergeht, geh weiter, bis es weitergeht.
Genau das haben wir getan. Wir hatten damals eine neue Quelle, noch ohne Anerkennung und Wasserrecht. Es dauerte zweieinhalb Monate, beides zu bekommen, brauchte große Kraftanstrengung, und wir haben in der Zeit Marktanteile verloren. Aber dann konnten wir wirklich weitergehen. Der zurückliegende Sommer hat den letzten Teil der Kosten von damals wettgemacht. 2022 war auch ein gutes Jahr, und der Gau ist zum Glück erst Ende des Sommers passiert, sodass wir schon ein Polster hatten, weil wir gut wirtschaften. Umsatz und Marktanteile erreichten 2024 wieder das alte Niveau, seit 2025 liegen wir sogar darüber.
Die Krise damals war der Auslöser, dass wir heute besser aufgestellt sind. Denn nachdem uns die neue Waldquelle gerettet hatte, haben wir unsere verwilderte Nebenquelle saniert. Jetzt verfügen wir über drei Quellen in unterschiedlichen Tiefen. Das bringt uns gerade im Hinblick auf womöglich häufigere Hitzesommer eine bessere Wasserverfügbarkeit. Im Juli 2026 haben wir fast ein Drittel mehr Mineralwasserflaschen verkauft als im Juli 2024 – 6,3 Millionen gegenüber 4,9 Millionen. Ohne die Engpässe beim Leergut wären es wahrscheinlich 7 Millionen gewesen. Ich stand teilweise mit an der Abfüllanlage, damit die Mitarbeitenden mal Pause machen konnten. Das hat zwar mein Ziel, mehr am als im Unternehmen zu arbeiten, etwas zurückgeworfen. Aber so ein Miteinander finde ich essenziell in einem Familienunternehmen.“
Protokoll: Kathrin Ermert
Thomas Sattler ist studierter Getränketechnologe, hat in Brauereien, Winzerkeller, Saft- und Softdrinkhersteller geschnuppert, ehe er 1992 bei Lieler Schlossbrunnen einstieg. Das Familienunternehmen, zu dem auch die Markgräfler Mineralquelle in Neuenburg und der Getränkehandel Strohmayer in Kandern gehören, beschäftigt insgesamt 85 Mitarbeitende. Sattler ist Gemeinderatsmitglied und stellvertretender Bürgermeister in Schliengen. Er hat dieses Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert, kann sich aber nicht vorstellen, bald in Rente zu gehen und kein Unternehmer mehr zu sein.