IT-Systemhaus Advanced UniByte: Zum Wachstum verdammt

Seit 25 Jahren sorgt das Systemhaus Advanced UniByte (AU) für reibungslose Datenverarbeitung und -sicherheit in Unternehmen. Auch Lösungen für den Katastrophen-Fall bietet es an und ist mit seinem Konzept auf Wachstumskurs. Auch der Standort in Denzlingen.

Advabced UniByte-Geschäftsführer Sandro Walker im Stammsitz in Metzingen.
(Foto: Peter Jammernegg)

„Schon als kleiner Junge habe ich es geliebt zu programmieren“, sagt Sandro Walker beim Gespräch mit netzwerk südbaden. Der Nerd von damals ist heute erfolgreicher Geschäftsführer und hat sein Hobby nicht nur zum Beruf, sondern gleich zu seinem eigenen Unternehmen gemacht.

1994 gründete der damals 26-Jährige ITler seine Firma in Reutlingen, bot den Kunden Speicherlösungen für ihre Daten und lieferte die Hardware für deren Rechenzentren. 25 Jahre später macht sein Unternehmen Advanced UniByte (AU) einen Umsatz von 60,3 Millionen Euro, hat 191 Mitarbeiter und drei weitere Standorte in Gröbenzell bei München, Leverkusen und Denzlingen. Der Stammsitz ist inzwischen nach Metzingen umgezogen.

Am Standort in Südbaden bezogen 2017 vier Mitarbeiter das Büro an der B3. Im vergangenen Jahr machte man hier immerhin schon 6,6 Millionen Euro vom Gesamtumsatz. „Das Potenzial in der Region ist groß, da es keinen vergleichbaren Spezialisten gibt, der das ganze Data-Center abdeckt“, sagt Daniel Piunno, Teamleiter bei AU in Denzlingen, der mit am Tisch sitzt.

Das Büro in der Kronenstraße ist hell, durch die großen Glasfenster hat man nach Westen den Blick auf den Kaiserstuhl, nach Osten sieht man den Kandel und den Schwarzwald. Es gibt eine große Küche, die heute in keinem angesagten Unternehmen mehr fehlen darf, ein Obst-Abo für die Mitarbeiter und einen Tischkicker, der mitten im Flur steht und damit fast aufdringlich schreit: „Wir haben hier auch Spaß“.

Spielen tut an diesem Tag keiner, fast alle inzwischen neun Mitarbeiter des Standorts sind bei den Kunden vor Ort. Genau darin liegt ein Erfolgsfaktor des Unternehmens. Die Experten sind schnell da und kümmern sich nicht nur einmalig, sondern betreuen langfristig. Zu den Kunden zählen die Herrenknecht AG, Sensopart, die Testo Industrial Services GmbH oder das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Dem Landratsamt hatte man zuletzt durch sogenannte „Green-IT“ unter anderem dazu verholfen, 72 Prozent Strom einzusparen.

AU übernimmt als Systemhaus hauptsächlich die Verantwortung der hochsensiblen Daten und liefert sichere IT-Infrastrukturen für Unternehmensnetzwerke. Dabei arbeitet AU über die Rechenzentren der Kunden vor Ort oder über die Cloud. Die eigenen Server stehen in Metzingen und in einem angemieteten Rechenzentrum bei Darmstadt.

Alle vier Stunden werden die gesamten Daten aus Metzingen auf den Server in Darmstadt gespielt. „Recovery“ nennt das der Experte, goldwert ist dieses Konzept für Unternehmen, die nach einem passenden Notfallplan für ihre sensiblen Daten suchen. „Auch solche Infrastrukturen werden von uns angeboten“, sagt Vertriebsleiter Piunno. Zwar sind akute Notfall-Szenarien wie ein Brand oder ein Hackerangriff nicht das „daily business“ von AU, doch solche „Katastrophen“ haben sie schon miterlebt.

Zuletzt beim Hackerangriff auf den Tübinger Buchhändler Osiander im Mai dieses Jahres. Nichts ging mehr, alle Daten waren weg, die Website down und aufgrund der Spurensuche der Polizei durfte vorerst nichts an den Servern unternommen werden. Der totale Herzstillstand für ein Unternehmen. Mitarbeiter von Osiander haben sofort den Notruf gewählt und Hilfe bei AU gesucht. Nur kurze Zeit später waren Experten an Ort und Stelle und arbeiteten Tag und Nacht, um ein neues Netzwerk aufzubauen.

„Das macht mich als Unternehmer unheimlich stolz“, sagt Walker. „Hier wurde der kürzeste Weg gewählt und nicht erst über die Geschäftsleitung kommuniziert, Verträge erstellt und ein Kostenvoranschlag gemacht. Das zeugt von großem Vertrauen.“ Am Ende konnte eine Lösung gefunden und das Herzstück des Buchhändlers wieder zum Schlagen gebracht werden.

Für die Zukunft kann sich Sandro Walker durchaus vorstellen, dass sein Unternehmen weiter wächst und weitere Standorte hinzukommen. Doch er sagt auch kritisch: „Man ist zum Wachstum verdammt“. Mitarbeiter sollten für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden, sie erwarten in einem modernen Unternehmen Karriereperspektiven und den Kunden möchte man stets den besten Service garantieren.

Ein Wachstum um jeden Preis gäbe es bei AU dennoch nicht. Man müsse wissen, wovon man die Finger lässt, so Walker. „Mir war es immer wichtig, ein einzigartiges Unternehmen zu gründen, bei dem nicht der Umsatz, sondern Mitarbeiter, Kunden und die Gesellschaft im Fokus stehen.“ Möchte man ihm so glauben und lässt es so stehen.

Text: Anna-Lena Gröner