Mittagessen: süß, sauer, retro

Das China-Restaurant „Hongkong“ hebt sich ein wenig vom hiesigen Asia-Allerlei hab, unter anderem mit einer Original-Karte und guter Dim-Sum-Auswahl. Und dann ist da immer wieder der Gong: In kurzen Abständen kündigt er fertiges Essen aus der Küche an, es ist allerdings kein blecherner asiatischer, sondern ein viertönig-elektrischer, wie wir ihn aus den Schulpausen kennen.

Kurze Hofpause, pardon Mittagstisch, an einem Ort, der einem häufiger genannt wird, wenn es um chinesisches Essen in der Region Freiburg geht: Das Restaurant „Hongkong“ in der Nähe des Europaplatzes, früher Siegesdenkmal. Weil dort nicht nur eine recht lange Tradition chinesischer Küche in Freiburg gepflegt wird, sondern auch Chinesen selbst gern einkehren.

Und weil dort noch ein großer Teil der Karte Gerichten aus dem Reich der Mitte vorbehalten ist, die wir in ihrer Zusammensetzung nicht als „chinesisch“ kennen, „Huhn mit chinesischer Wurst“ oder „Fisch mit Sauerkohl“ zum Beispiel. Das „Hongkong“ ist tatsächlich eine dieser tempelähnlichen Anlagen unter den China-Restaurants, die man durch mächtige Goldsäulen unter Pagoden-Dächlein betritt, drinnen fällt es durch allerlei Schnitzkunst auf, es herrscht aber kein Plastikkitsch.

Den runden Nebentisch teilen sich im Verlauf eines Lunchs tatsächlich zweimal chinesische Gruppen mit je acht Menschen. Die Karte steigt mit einer stattlichen Vielfalt an Dim-Sums ein, generell kleine Köstlichkeiten, die hier als Dumplings, also Teigtaschen jeglicher Art, gedämpft oder fritiert aufgetischt werden. Wer einen Lunch zu viert nimmt, kann sich gut mit je vier mal vier Stück als Vorspeise eindecken, die dann unterschiedliche Probiererle bietet.

Nicht alle sind gleich schmackhaft, als Favorit unter Rind, Schwein, Huhn oder Shrimps ist das Schwein zu nennen. Aber grundsätzlich ist das Angebot beachtlich, an Orten wie Chinatown in New York, aber inzwischen auch in Berlin, sind teilweise ganze Restaurants auf Dumplings ausgerichtet, hierzulande sind sie bei chinesischen Restaurants eher vernachlässigt.

Bei den Hauptgerichten gibt es die klassische europäische „China“- Küche, viel Ente oder Huhn auf Reis und Nudeln, für asiatischen Touch sorgen heißes Obst, Kashewnüsse, auch Bambus. Die Gerichte sind wie die Vorspeisen auch erschwinglich, bei einigen wird mit einer Schärfe gearbeitet, die auch zartbesaitete europäische Hälse aushalten. Der Service ist sehr aufmerksam, atmosphärisch lässt sich auch in dieser etwas touristischen Ecke der City durchaus ein Business-Essen abhalten. Gerade auch wegen der einheimischen Spezialitäten, die im Anhang der Karte noch hinter den Getränken auftauchen.

Es steht einem deutschen Genuss-Esser nicht zu, sie auf ihre regionale Authentizität, ihre Originalität oder sonstige Rezeptur- Fragen mit Blick auf die Echtheit zu prüfen. Aber als ernstzunehmendes Angebot erscheint das allemal in einer Region, in der asiatische Restaurants eher unter „Ente, Sushi & more…“ ihre Kochkunst bündeln. „Hongkong“ ist etwas außergewöhnlicher als der Rest, es gibt zwar keine kulinarischen Erweckungserlebnisse von nie da gewesener Raffinesse, aber es ist ein solider Tipp für eine China-Mittagspause im bürgerlichen Segment, oberhalb der Studentenklasse. Small-Talk-taugliches Retro-Flair inklusive. Und den Gong.

Hongkong
Auf der Zinnen 10
79098 Freiburg im Breisgau
Tel: +49 (0)761 23458
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 12 bis 15 Uhr und 18 bis 22 Uhr
Sonntag Ruhetag