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  • Vorsätze 01/2020

Rückblick und gute Vorsätze

  • 20. Januar 2020
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Blick aus der Stadt Richtung Land – vom Freiburger Schlossberg Richtung Schönberg und Hexental. Foto: A. Dietrich
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In welcher Welt leben wir eigentlich? Ein Blick in den Rückspiegel und ein paar gute Vorsätze für uns alle.

VON RUDI RASCHKE

„Ich wünsche mir und euch allen für das neue Jahr: weniger Empörungs- und Verbotsgesellschaft, dafür mehr Rückbesinnung auf das wirklich Wesentliche. Weniger Konsum, dafür mehr Innehalten. Weniger Materialismus, dafür mehr Mitgefühl. Weniger Streit und Unfrieden, dafür mehr Rücksicht, Kompromiss und Versöhnung. Weniger mit dem Finger auf andere zeigen, dafür mehr bei sich selbst beginnen! Weniger große Reden, dafür mehr kleine Schritte!“ (Stephanie Maertin, Unternehmerin aus Freiburg)

Diesen Gedanken aus einer Facebook-Chronik können viele als guten Vorsatz teilen. Bevor wir uns mit diesen und anderen Wünschen beschäftigen, ein kleiner Blick in die Wirklichkeit. Seit ein paar Tagen haben wir sie hinter uns: Die Zehner-Jahre des 21. Jahrhunderts. In der Gesamt-Rückschau lassen sie sich am ehesten als „schräg“ bezeichnen: Es waren Jahre, die mit Ausnahme Syriens keine großen Kriege, Umstürze, Revolutionen oder Angriffe von der Wucht des 11. September mit sich brachten – sie lassen sich aber auch keineswegs „friedlich“ nennen.

Es waren zugleich die Jahre, in denen wir technologisch auf eine Weise beschleunigt wurden, dass wir zwar nahezu alle die Segnungen des Digitalen nutzen – aber zugleich auch oft genug daran verzweifeln. Die sozialen Medien haben uns jedenfalls keineswegs freier, empathischer oder neugieriger gemacht, sondern abgestumpfter und gleichförmiger. Trotzdem wird auch der einsamste Waldschrat nicht auf das Internet verzichten wollen. Und es waren jene Jahre, in denen wir ökonomisch die Krise des Vorjahrzehnts hinter uns gelassen und die Börsen-Anarchie wieder schnell durch Stabilität abgelöst hatten.

Ökologisch brachten sie dagegen die Erkenntnis, dass es mit einem „immer weiter“ nicht getan ist. Zugleich war es ein Jahrzehnt, das uns auf der Ebene seines Spitzenpersonals sowohl hoffen als auch resignieren ließ: Schien bis Mitte der Dekade noch eine sanfte wie kompetente Leadership en vogue, die sich von Papst Franziskus über Barack Obama, Winfried Kretschmann bis hin zu Jogi Löw vielerorts als Erfolgsmodell durchgesetzt hatte, dürfte dieses Führungsverständnis aus der Mode kommen.

Auch wenn drei der Genannten ihr Amt noch ausüben. Im Politischen gilt, was kürzlich in der Zürcher „Republik“ zu lesen war: „Der Troll ist der erfolgreichste Politikertyp der Gegenwart. In den Regierungsvierteln von Warschau bis Washington, von Budapest bis Brasília amtieren als Regierungschefs überall Herren mit so zweifelhaften Manieren, dass man sie täglich fragen könnte: ‚Was sagt eigentlich Ihre Mutter dazu, dass Sie so reden?‘“ Denn im Öffentlichen wie im Privaten wird der überall gepriesene Kollektivgeist gewisser Generationen und Schichten von einem derben Narzissmus gekontert, der den oben genannten Politikertyp auszeichnet.

Für das Fehlen von Empathie war Narzissmus jedenfalls eine der häufigst gewählten Erklärungen der vergangenen Jahre. Die New Yorker Therapeutin Elinor Greenberg leitete ihn in einem Interview im August 2019 aus einem Bedürfnis nach Brillanz, Perfektion oder Status ab. Wer die ersteren beiden nicht erreicht, dürfte sein Heil auch künftig in altmodischen XXL-Autos oder Edelkitsch suchen. Wer unter Menschen verkehrt, die das alles haben, findet im Blattgold-umwickelten Steak den allerletzten Schrei unter den Eitelkeits-Accessoires. Ein albern auftretender Koch bietet es in Dubai überwiegend für höheres Fußballpersonal an, darunter diesen Winter auch Profis des SC Freiburg.

Das nutzlose Hauptsache-teuer-Steak ist vielleicht das Narzissmus-Symbol des abgelaufenen Jahrzehnts (das streng genommen noch bis Ende dieses Jahres dauert). Es ist die Neuauflage des 90er-Jahre-Autoaufklebers „Eure Armut kotzt mich an“ fürs Prada-Proletariat. Das ist die Ausgangssituation, in der sich die Welt befindet, wobei nicht nur das Klima verrücktspielt. Es ließe sich jetzt weit ausholen, vom zerrissenen Westen, dem runtergerockt ausschauenden Europa und dem Glamour, den vermutlich China die nächsten zehn Jahre entfalten wird – als Diktatur, die die Technologie für Machterhalt und gnadenlosen Fortschritt nutzen wird. Blicken wir lieber auf uns: Deutschland war Weltmeister.

Das nutzlose Hauptsache-teuer-Steak ist vielleicht das Narzissmus-Symbol des abgelaufenen Jahrzehnts.

Dieser sportliche Fakt trifft gegen Ende der Merkel-Jahre auf vieles zu. Im schwankungsarmen, verwöhnten Südbaden dürfte der Abstieg des Landes zur Infrastruktur-Wüste keine so große Rolle spielen wie in der Drittwelt-Metropole Berlin. Dennoch sollten auch hier im Südwesten im kommenden Jahr die zurückliegenden Erfolge mit Innovationen und Investitionen abgesichert werden. Um die privaten guten Vorsätze, die jeder von uns im ersten Monat des Jahres für sich einrichtet und wieder aus den Augen verliert (gesündere Ernährung, kein Alkohol, mehr Sport) soll es hier nicht gehen. Eher um das, was uns allgemein gut tun könnte – wenn wir es eine Weile durchhalten.

Das richtige Maß finden

Das zweitwichtigste zuerst: Wir leben in einer Welt der Extreme, übrigens auch in Südbaden. Der eine findet, es muss jetzt ein richtiger Verbote-Hammer rausgeholt werden und erinnert so an die arg uncoolen Grünen der Veggie-Day-Ära. Der andere ergibt sich dagegen im vermeintlichen Freiheitsmodus hemmungslos dem SUV. Beides ist so ungesund wie unkreativ, um voranzukommen. Es wäre ideal, wenn sich jeder mit ein wenig Selbstironie, aber auch Selbstkritik daran macht, was er ändern will und was Sinn ergibt.

„Dabei ist das Zuviel-von-Allem nur eine Seite, das moderne Hochleistungsfasten wird ebenso opulent inszeniert wie das große Buffet. Wären wir eine Waage, müßte uns jemand ab und zu zum Kalibrieren bringen.“ Wolfgang Abel, Autor aus dem Markgräflerland, schreibt dies zum Thema Ausgewogenheit in seiner Kolumne zum neuen Jahr. Und meint damit nicht nur das Essen.

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Blick über die Grenze: Aus den Weinbergen im Markgräflerland Richtung Vogesen. Foto: A.Maier

Sich bewusster verhalten

2019 war das Jahr, in dem manche ihren Weltverbesserungsbeitrag damit erledigt haben, dass sie mit dem Finger auf andere zeigten. Jung auf alt, Zug- auf Flugreisende, westliche Länder auf östliche, Privatleute auf Firmen. Es gab aber auch sehr viele Menschen, die ihren Konsum bewusst hinterfragt haben. Wenngleich für manche irgendwann der Punkt erreicht war, an dem sie erschöpft aufgaben – wer sich als Familie um Alternativen zum Fliegen kümmert, kann nicht automatisch ein marodes, dysfunktionales Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn mit Hunderten von Euro Aufpreis sponsern.

„Unser Leben ist im Moment nicht kompatibel damit, als Individuen die Welt zu retten. Und es ist ja auch wahnsinnig bequem von der Politik, das auf den Bürger abzuschieben, anstatt große Entscheidungen zu treffen und etwas zu riskieren“, schrieb die Autorin Johanna Adorjan vergangenes Jahr, zu Recht. Nichtsdestotrotz: es gibt Gründe zur Annahme, dass wir mit ein paar Kniffen bewusster leben können, ohne humorlos vom Verzichtsbüffet mümmeln zu müssen.

Viele, die sich Achtsamkeit auf die Fahnen schreiben, könnten dies locker auf den eigenen Konsum übertragen, zum Beispiel mit einem Schwerpunkt auf lokale Produkte und Handel. Und gerade für Unternehmen muss ein bewussteres Image überhaupt kein Spaßverzicht oder ein Lippenbekenntnis sein, sondern kann zu einem Umsatzmotor werden. „Immer mehr Unternehmen, insbesondere im grün regierten Baden-Württemberg und im wirtschaftsstarken Bayern, haben das erkannt und Klima- und Umweltschutz zum Geschäftsmodell gemacht“, erkennt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Jahreswechsel-Beilage zum Thema „Zukunft Deutschland“. Wir haben hierfür beste Voraussetzungen in Südbaden. Allerdings:

Weg mit der Angst!

Dass Angst ein schlechter Ratgeber sei, wird jeder unterschreiben – warum verhalten sich dann viele so ängstlich? Es gibt jene, die Angst haben, dass sie ihren Arbeitsplatz wegen der Digitalisierung verlieren, obwohl diese bereits sehr lang andauert und wir immer noch Vollbeschäftigung haben. Oder jene, die allgemein Angst vor Veränderung haben, obwohl um sie herum jene Disruption tobt, die schon viele Geschäftsmodelle in die Versenkung geschickt und dort komplett neue hervorgeholt hat. Warum begegnen wir der Veränderung nicht mit Innovation?

Warum nutzen wir diese schnelllebige Zeit nicht, um Dinge zu erproben, alte Zöpfe abzuschneiden und ein paar überholte Regeln zu brechen, ohne gleich alle Traditionen abzuräumen? Die Mentalität von Start-ups und agilen Arbeitswelten kommt uns entgegen. Eine nur vorläufig finale Version auf den Markt zu bringen und live zu testen ist heute weit angesehener als das Vertrösten auf den St. Nimmerleinstag. Was übrigens gerade in unserer Branche gilt: Innovation ist unverzichtbar, auch wenn ein Produkt wie der traditionelle Journalismus in eine Krise geraten ist.

Selbst wenn etablierte Medien nicht mehr annähernd die Zahlen von früher erreichen werden – ein Portfolio von lückenhaften, amputierten oder anachronistischen Produkten kann darauf weder analog noch digital die Antwort sein. Die Qualitätssteigerung solltegerade in der Krise im Vordergrund stehen, nicht nur die Kostensenkung. Und ohne Originalität wird es nicht gehen. Der im abgelaufenen Jahr nun wirklich nicht unter Hyper-Fröhlichkeit leidende Trainer Lucien Favre (Borussia Dortmund) hat diesen Winter übrigens Winston Churchill zitiert, was Angst-Szenarien angeht: „Wenn Du durch die Hölle gehst, darfst Du nicht stehen bleiben.“

Findet das Warum

Es wird immer deutlicher: Mitarbeiter wie Kunden sind immer mehr auf Sinnsuche. Viele wollen nicht mehr nur das Billigste vom Billigen, sondern einen Mehrwert, besser noch: etwas Sinnstiftendes, etwas das mein Leben oder das von anderen in irgendeiner Form besser macht. Der britische Autor und Unternehmensberater Simon Sinek geht dieser Frage nach. Sein nunmehr zehn Jahre altes Video zum Thema „Why“ kursiert auf Youtube aktueller denn je. Sinek hat sich zu Beginn der abgelaufenen Dekade schlicht gefragt, was besondere Unternehmen auszeichnet.

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Blick aus dem Kaiserstuhl in Richtung Rheinebene. Foto: A. Dietrich

Und er ist – nicht nur am Beispiel der begehrten Apple-Produkte – darauf gekommen, dass jene Marken die gefragtesten sind, die im Kern ein klares „Warum“ haben. Das Produkt als „Was“ oder die Entstehung als „Wie“ sind als Drumherum nicht so entscheidend wie das im Zentrum stehende „Warum“. Sinek nennt nicht nur die Kommunikation von Apple („Alles, was wir tun, tun wir, weil wir daran glauben, den Status Quo herausfordern zu wollen. Wir glauben an das andere Denken“), sondern als Beispiele auch die Erfolge der Luftfahrt-Pionierbrüder Wright oder des Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Aber auch weniger Prominentes, wie ein Unternehmen, das mit teurem Stahl überlebt, weil es von seiner Qualität überzeugt ist. Und er legt glaubwürdig nahe, dass jene Unternehmen am Ende bei Bilanz wie Mitarbeitern vorne liegen, die ihren Zweck und ihr Ziel (den sog. „Purpose“) kennen. Zu diesen Purpose-getriebenen Unternehmen gehört in der Region besonders die Freiburger Haufe Group.

Mit Unterschiedlichkeit arbeiten

Es mag einfach sein, Mitarbeiter um sich zu scharen, die wie das Ebenbild des Chefs wirken – gleiche Herkunft, Hautfarbe, Alter, Geschlecht und Meinungen. Aber abgesehen davon, dass die Personalsuche damit nicht eben einfach wird: Wer will das heute noch? Diversity ist kein Rätselwort mehr. In einer Arbeitswelt, die allein aufgrund der Demografie auf Zuwanderung angewiesen ist, haben viele kleine und mittelständische Unternehmen Diversität längst umgesetzt.

Denn die Kunden sind ja auch nicht nur aus dem Holz des Chefs geschnitzt. Unterschiedlichkeit bereichert – keiner wird beispielsweise mehr bestreiten, dass ein Unternehmen, das auch von Frauen geführt wird, von einem ganz anderen Auftritt lebt als eine Männerwirtschaft. Wir dürfen gespannt sein, wie speziell der Frauen-Aspekt der Diversity in der Region im kommenden Jahr umgesetzt wird. Mancher Wirtschaftsverband wird sich diesbezüglich erneuern müssen. Vor allem, wenn er nicht als Senioren-Männerbund wie die zwei alten Herren vom Balkon der „Muppet-Show“ auftreten will.

Rücksicht, Manieren und Umgangsformen am Leben halten

In der Aufgeregtheit unserer Zeit gilt nicht nur „Work aloud“ oder „Tue Gutes und rede darüber“. PR schlägt oft Glaubwürdigkeit. Es ist oft auch derjenige der am meisten Beachtete, der am lautesten „Skandal“ brüllt. Zu erleben jüngst beim Oma-Hühnerstall-Reinfall des WDR, bei dem sich ein Ministerpräsident und ein Intendant vor einem Rechtsaußen-Mob (für einen misslungenen Spaß) auf die Knie begaben. Eine Zurückhaltung in öffentlichen Debatten kann heutzutage der bessere Weg sein, als über jedes hingehaltene Hölzchen zu springen.

Denn dieser öffentliche Diskurs ist keine Dressurnummer für Leute, die überhaupt keinen Austausch mehr wollen. Und übrigens, das gilt für rechte wie für linke Krawallschachteln und ihr Auftreten: „Schlechte Manieren sollten nicht mit Freiheit verwechselt werden.“ Dies hat uns der vergangenes Jahr verstorbene große Autor und Freigeist Wiglaf Droste hinterlassen. Und: „Wer sich auf so etwas Dummes wie Authentizität herausreden will, belästigt nur seine Mitmenschen.“ In Südbadens Zentrum Freiburg, wo ein falsch verstandenes Laissez-faire Slum-Ecken zum Dransprayen, Hinpinkeln und Rumlärmen mit Toleranzsäulen dekoriert, sollte dies besonders berücksichtigt werden.

Es stimmt: Wir müssen reden

Das fordert so ziemlich jeder Chefredakteur dieser Tage. Und auch zu Recht. Damit gemeint ist nicht das Reden als Selbstzweck, wie es in der Region auf hunderten von Podien, Versammlungen oder Beteiligungsspektakeln geschieht. Es geht vielmehr ums Zuhören in einer Gesellschaft, die zerklüfteter scheint als noch zur Jahrtausendwende. In der sich viele ins Kämmerlein unter ihresgleichen zurückgezogen haben – und mehr Menschen denn je behaupten, sie dürften überhaupt nicht mehr sagen, was sie denken. Trotzdem ist die Meinungsvielfalt größer denn je, sie wird nur verzerrt wahrgenommen.

In dieser Situation hilft nicht nur zuhören, sondern auch erklären. Das wird jedoch schwierig mit denen, die die Meinungsfreiheit nutzen, um sie zu verhöhnen oder gleich abschaffen wollen. Und es wird auch schwierig, dieses Miteinander-Reden noch ernsthaft im Internet betreiben zu wollen. Viele Konflikte außerhalb wie innerhalb der eigenen Facebook-Clique sind reiner Zeitdiebstahl und ändern nichts. Es ergibt mehr Sinn, offline auf Menschen zuzugehen, die einem nicht nach dem Mund reden, das gilt besonders für Politiker, die in der Regel die Erwartbarkeit sorgsam gecasteter Gäste schätzen.

„Schlechte Manieren sollten nicht mit Freiheit verwechselt werden“, Wiglaf Droste, Satiriker, Dichter, Polemiker

Und zur Debattenkultur gehört immer auch eine gewisse Selbstkritik. Vor allem wer sich als Medium gegen Hass und Häme positioniert, sollte nicht unbedingt selbst eine Plattform bieten. Zum Beispiel, damit sich zwei Handvoll Badische-Zeitungs- Nutzer rund um Neujahr in etlichen Online-Kommentaren über den Baby-Namen zweier nigerianischer Neubürger auslassen dürfen. Wer solche Diskurs-Abgründe offeriert, darf dann halt nicht als Leitartikler das Gegenteil predigen.

Uneitel sein. Es verschafft Effizienz und hilft Veränderungen anzunehmen.

Städtische Empfänge beginnen nach einem universellen Prinzip: Mit Grußworten, in denen penibel darauf geachtet wird, dass die Reihenfolge von Macht und Wichtigkeit eingehalten ist, vom Landesminister abwärts zum Gemeinderat und Ehrenbürger. Das ist in erster Linie eine respektvolle Anerkennung für jene, die ein solches Zeremoniell von Amts wegen häufiger auf sich nehmen müssen. Dass man das abkürzen kann, macht Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn von Zeit zu Zeit vor, ohne dass ihm jemand böse ist.

Dass sich Städte hin und wieder wenig effizient zeigen, wenn es um die klassischen Events wie Spatenstich oder Scheckübergabe geht, macht ebenfalls die Stadt Freiburg vor: Sie hat in ihren Unternehmen zahlreiche Doppelspitzen und es ist bisweilen befremdlich, dass keiner der ohnehin nicht günstigen Duo-Vorstände von Stadtbau oder VAG auf einen der genannten Termine verzichten mag. Dass es mit einer klaren Aufteilung durchaus geht, zeigt die Messe-, Wirtschafts- und Toursimus-Organisation der Stadt, die FWTM.

Ein Drama ist es ohnehin nicht, wenn auf den immer gleichen Einweihungs- und Übergabe-Fotos jemand fehlt. Dass der Verzicht auf Eitelkeiten durchaus zu Bürokratie-Abbau und Bürger-Mehrwert führen kann, zeigt eine Meldung von kurz vor Heiligabend 2019: Im Taunus nordwestlich von Frankfurt haben sich Sparkasse und Volksbank zusammen getan, um gemeinsame Filialen zu betreiben.

An 26 Standorten teilen sich beide Institute Räumlichkeiten – an zwei Tagen rückt der Banker der Voba an, an zweien der Sparkässler, der fünfte Tag ist Ruhetag. Für die Kunden wechselt die Beleuchtung zwischen rot und blau, Kaffeemaschine und Kühlschrank werden geteilt. Ein Modell, das in Gegenden wie dem Kaiserstuhl oder der Ortenau perfekt funktionieren würde. Und ein klassisches Beispiel dafür, dass es Veränderungen gibt, vor denen keiner Angst haben muss.

Und vor allem: Klarheit

Jetzt noch der wichtigste Vorsatz, der durch die oben genannten vereinzelt durchschimmert. Ohne den Mut zu Klarheit ist eigentlich alles nichts: Wir erleben viel zu oft, dass Fehler nicht eingestanden werden, dass Dinge im Stil von Verwaltungssprech verklausuliert werden (zum Beispiel gern, wenn es um „Entzerrungen“ geht, die nichts Weiteres als Ausdehnungen sind). Oder schlicht im gleichen Trott weiter gearbeitet wird, selbst wenn es um existenzielle Dinge geht von Wohnungsnot bis Klimawandel.

Wohin dies führt, zeigen auch die oben erwähnten Regierenden in den USA und England, in Polen, Ungarn oder Brasilien, die keineswegs Verfechter von Ehrlichkeit sind. Aber die mit einer eigenwilligen Klarheit für etwas stehen, weshalb sie sogar von ihren Gegnern gewählt werden, siehe England. Boris Johnson-Wähler vertraten teilweise andere Positionen in Brexit- Fragen. Aber die unklare Haltung der britischen Opposition, das Wischiwaschi über Jahre hinweg, das komplette Fehlen eines Gegenkonzepts, ließ manchem keine andere Wahl. In derselben Position findet sich die deutsche SPD.

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Blick Richtung Schweiz: Aus Weil Richtung Basel (with love). Foto: A.Dietrich

Eine Partei, die sich über Monate selbst bespiegelt, von zwei Unbekannten geführt wird, ständig falsche Angaben macht, was mit ihr in der Regierung alles nicht möglich sei, als ob sie nicht dazugehören würde. Die in puncto Mentalität und Charisma einfach seit Jahren „keinen Bock“ mehr hat. Und die deshalb ständig öffentlich überlegt, sich in noch ideologischere Gefilde nach links zu flüchten. Im Zeitalter am Ende der Ideologien ist das grob fahrlässig. Und die Disruption in der Politik fegt diesen alten Politiktyp leider gerade zuverlässig hinweg.

Weil wir in Zeiten großer Umbrüche leben, sind die Regelbrecher, Spielverderber oder „Gamechanger“ auch hier gefragt. Und dazu zählen dann eben auch Erneuerer wie Donald Trump oder Boris Johnson, die selbst das asozialste Auftreten nicht daran gehindert hat, gewählt zu werden. Im Unterschied zu einer zersplitterten Linken sammeln sie sämtliche Zyniker, Verzweifelte, Ultrareligiöse und andere Leute hinter sich, die mit Veränderung nicht mehr mitkommen. Oft mit knappen Mehrheiten, aber auch dem Willen, sich trotzdem wie Alleinherrscher zu verhalten, die die Demokratie hinter sich lassen.

Es ist beachtlich, dass es zwei Medien aus der Schweiz waren, die um den Jahreswechsel einen recht ähnlichen Befund gestellt haben, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Für die „Neue Zürcher Zeitung“ stellt deren Chefredakteur Eric Gujer fest, dass Bürokratie, Kompromisslerei und Status quo nach deutscher Art kein Zukunftsmodell sind, um dieses Problem zu lösen. Die jungen Klimaaktivisten würden wie die alten Brexit-Freaks mit der gleichen Enttäuschung reagieren, wenn sie spüren, dass im gleichen alten Trott auf sehr vielschichtigere Probleme reagiert werden soll.

Sein Kollege Constantin Seibt von der politisch gegenüberliegenden „Republik“ sieht das vergleichbar, wenn er von den „Horrorclowns“ in Regierungen spricht. Und beschreibt einen Lösungsweg, wie weiteres Chaos verhindert werden kann: „Klarheit, Fleiß, Hartnäckigkeit und eine klare Strategie“, um solchen Herrschern auf deren eigenen Feld das Leben hart zu machen. „Und entschlossene Freundlichkeit“. In diesem Sinne.

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