Software: Smart spenden

Zwei Freiburger Unternehmer haben ein online-Programm weiterentwickelt und mitgestaltet, um Spenden in Zukunft noch einfacher zu machen. Nicht nur zur Weihnachtszeit: Keine seitenlange Formulare, keine lästigen Registrierungen, sondern einfache Bedienung für eine schnelle Hilfe.

Von Anna-Lena Gröner

Eigentlich unterstützen Dirk Agelek und Oliver Habboub mit ihrer Firma „Corporate Karma“ andere bei der digitalen Entwicklung eines Produktes. Vor 15 Jahren haben sie sich mit ihrem Unternehmen in Freiburg selbstständig gemacht und seither B2B-Lösungen für Firmen wie Haufe, Oxid eSales oder Swoodoo in München umgesetzt. Arbeit gibt es genug, das Geschäft läuft und trotzdem haben sich Agelek und Habboub vor zwei Jahren für die doppelte Geschäftsführerschaft entschieden. „Ich hatte mal wieder Lust auf ein Projekt im non-profit Bereich“, erklärt Oliver Habboub diesen Schritt.

Zwei Freunde hatten bereits 2014 „twingle“ in Berlin gegründet und wollten mit diesem Programm Fundraising so einfach wie möglich gestalten. Der Fokus lag damals auf dem mobilen Spenden via Smartphone dank QR-Code oder einem so genannten NFC (Near Field Communication)-Tag. Damit waren die Berliner Gründer ihrer Zeit voraus, mobiles Spenden war noch nicht so sehr gefragt und mit der Hilfe der beiden Freiburger sollte twingle neu überdacht und dargestellt werden. Für seinen Geschäftspartner und ihn war klar: twingle muss auch in der Web-Kommunikation anwendbar sein. Zusammen mit den Entwicklern in Berlin setzte man die Spenden-Software vor zwei Jahren neu um. Seither sind Konzept-Entwickler Agelek und Diplom Designer Habboub auch Geschäftsführer bei twingle und bringen das Programm stetig weiter voran.

So einfach wie möglich

Wichtig ist ihnen vor allem die Einfachheit ihres Produktes, die intuitive Bedienung. Twingle kann inzwischen ganz leicht auf jeder Website und direkt in den jeweiligen Inhalt eingebettet werden, ist übersichtlich und nach wie vor auch via Smartphone und direkt vor Ort einsetzbar. Der Gedanke dahinter: Spenden darf nicht kompliziert sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.

Sobald jemand von einer guten Sache überzeugt ist, muss er mit nur wenigen Klicks seinen Beitrag leisten können. Keine endlosen Formulare, kein lästiges Erstellen eines Accounts. Das schätzen Kunden wie Nutzer. Die GLS-Bank war einer der ersten Testkunden des verbesserten twingle-Widgets vor zwei Jahren und setzt das Programm seither erfolgreich für seine eSpenden ein. Viele, vorrangig gemeinnützige Organisationen und Vereine, folgten. Darunter die Seenotretter, Amnesty International, der BUND und die Konrad Adenauer Stiftung.

Besonders das mobile Spenden nimmt inzwischen Fahrt auf und wird immerhäufiger genutzt. „Mit twingle können wir überall dort sein, wo der Spender ist“, sagt Geschäftsführer Habboub. QR-Code und NFC-Tag können auf Plakaten, Flyern, Aufklebern und Messewänden angebracht werden, der Rest ist ein Kinderspiel: Unter dem Motto „Berühr, was dich berührt“ reicht dabei der Kontakt zwischen Handy und Code oder Tag, um twingle aufzurufen und sofort eine Spende zu betätigen. Die einfachste Zahlungsvariante ist dabei via Handyrechnung.

Der Spender wird durch seinen Mobilfunkvertrag automatisch und sicher erkannt. Bedenken beim Thema Datenschutz gibt es dabei natürlich, doch Habboub und sein Team sind sich sicher: „Die Bedenken können wir durch unsere hohen Sicherheitsanforderungen im Bereich digitaler Transaktionen ausräumen und die Akzeptanz beim mobilen Spenden wird mehr, dieser Trend ist sehr deutlich.“ Der Monat Dezember ist der spendenfreundlichste. Hier werden rund 70 Prozent aller Spendenumsätze gemacht. Pünktlich zur vorweihnachtlichen Geldgeberfreude bringt twingle sein neuestes kostenfreies Feature auf den Markt, die „Spendenaktion“ oder auch „Anlassspende“.

Damit können Organisationen und Vereine, die twingle nutzen, ihre User als Multiplikatoren nutzen, indem jeder über die Organisations-Website seine eigene Aktion ganz einfach erstellen kann. Ob zum Geburtstag, zur Hochzeit oder einfach so: statt Sachgeschenken, unterstützt man mit seiner persönlichen Spendenaktion das Projekt, das einem am Herzen liegt. Auch hier war es den Machern wichtig, dass das Feature ganz einfach eingerichtet und bedient werden kann. Mit nur wenigen Klicks ist der eigene Anlass zum Spenden erstellt und der zugehörige Link kann anschließend auf allen Kanälen geteilt werden. Der Vorteil von twingle gegenüber anderen Spendenprogrammen wie RaiseNow, Altruja oder Fundraising Box liegt für Habboub auf der Hand: „Wir erheben keine Grundgebühr, unser Programm ist rein transaktionsbasiert.“

Vom eingehenden Spendenvolumen erhält twingle einen prozentualen Anteil und schreibt zwei Mal im Jahr eine Rechnung. Damit wolle man auch den kleinen Organisationen das Widget attraktiv machen. Zudem liegt der Schwerpunkt auf der einfachen Spendenabwicklung, das sei die Kernkompetenz, so Habboub. „Der Ansatz von twingle wurde User-zentriert entwickelt, also bedarfsorientiert. Unsere Konkurrenz ist hingegen organisch gewachsen, sie sind eher produktorientiert und bieten oft noch weitere Zusatzleistungen, wie beispielsweise Buchhaltung an.“ Bei twingle konzentriere man sich ganz klar auf das Fundraising.

Und auch Dirk Agelek und Oliver Habboub möchten sich in Zukunft noch mehr auf twingle konzentrieren. Davon könne letztlich das Unternehmen „Corporate Karma“ profitieren. „Jetzt haben wir unser eigenes Produkt, das hat unseren Horizont als Dienstleister erweitert“, sagt Habboub.