Südbadische Metallarbeitgeber bedauern den Brexit

Der per Referendum entschiedene Austritt Großbritanniens aus der EU hat heute die Gemüter bewegt. Der Londoner „Guardian“ spricht nach dem sogenannten „Brexit“ davon, dass die Briten in einem „anderen Land aufgewacht“ seien. Auch in Südbaden beschäftigt das Thema die Menschen, zu sehen nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in ersten Erklärungen, beispielsweise der Metallarbeitgeber in der Region Breisgau

Sie bedauern die Entscheidung des britischen Volkes für einen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union. „Die Entscheidung ist sicher sehr stark durch Emotionen und weniger durch rationale Beweggründe geprägt“ sagt Stephan Wilcken, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Freiburg des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Allerdings sei es nun an der EU, jetzt echte Reformfähigkeit zu beweisen.

Wilcken äußerte sich auch zu den ökonomischen Fakten: „2015 haben baden-württembergische Firmen Waren im Wert von insgesamt 12,34 Milliarden Euro auf die Insel exportiert; dies wird jedenfalls kurzfristig zurückgehen. Großbritannien ist für die baden-württembergischen Unternehmen damit der drittgrößte Exportmarkt innerhalb der EU.“ Die langfristigen Konsequenzen werden erst dann absehbar sein, wenn die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über die Ausgestaltung der Beziehungen abgeschlossen sind. Er geht dennoch nicht davon aus, dass die Entscheidung der britischen Bürger Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze haben werde.

Mit Blick auf den von Befürwortern eines Austritts angestrebten Bürokratieabbau verwies Wilcken darauf, dass die Einreise und der Aufenthalt britischer Bürger in Deutschland und die Entsendung deutscher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in das Vereinigte Königreich in Zukunft wahrscheinlich mit mehr bürokratischem Aufwand verbunden sein werden.

Dr. Christoph Münzer, wvib-Hauptgeschäftsführer, ergänzt: „Dieses Votum führt in eine Sackgasse. Es macht Großbritannien noch mehr zur Insel und Europa insgesamt ärmer – nicht nur wirtschaftlich. Die einmaligen Vorteile, die das geeinte Europa und der Binnenmarkt bieten, sind in der emotional und populistisch geführten Diskussion unter die Räder geraten. Für den Mittelstand in der Schwarzwald AG werden Ausfuhren und Investitionen in Zukunft umständlicher. Obwohl wir noch nicht alle Konsequenzen exakt beziffern können: Für den europäischen Gedanken und für den Binnenmarkt war das ein großer Rückschritt.“

 

Stephan Wilcken, Geschäftsführer Südwestmetall Bezirksgruppe Freiburg

Stephan Wilcken, Geschäftsführer Südwestmetall Bezirksgruppe Freiburg

Dr. Münzer, Geschäftsführer wvib

Dr. Münzer, Geschäftsführer wvib

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