VdU: Zusammen stark. Ein Interview

Der VdU ist der einzige deutsche Wirtschaftsverband, der branchenübergreifend die Interessen insbesondere mittelständischer Unternehmerinnen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung vertritt. Die Mitglieder des VdU erwirtschaften zusammen einen Jahresumsatz von 85 Milliarden Euro und beschäftigen 500.000 Mitarbeiter. Seit seiner Gründung 1954 entwickelte sich der VdU zu einer wichtigen Kraft der deutschen Wirtschaft. Auch in Baden und Freiburg ist der VDU vertreten. netzwerk südbaden-Herausgeber Markus Hemmerich hat sich mit Martina Feierling-Rombach, der Landesverbandsvorsitzenden in Baden, Christa Porten-Wollersheim und Doris Desbarats vom Regionalkreis Freiburg Müllheim über den Verband unterhalten.

netzwerk südbaden: Frau Desbarats, wie sind Sie selbst zum VDU gekommen?

Doris Desbarats: Vor ein paar Jahren habe ich mich mit dem Thema Personalentwicklung und Marktpositionierung beschäftigt und bin da einfach nicht weitergekommen. Auch meine Kollegen aus der Versicherungsbranche waren damals nicht die richtigen Impulsgeber. Ich habe mich dann im Internet umgeschaut und bin so beim VDU gelandet und dort seit 2012 aktiv und fühle mich gut aufgehoben.

netzwerk südbaden: Was unterscheidet denn eine Unternehmerin von einem Unternehmer?

Martina Feierling-Rombach: Ganz einfach das Geschlecht. Zum Glück sind Frauen und Männer ja unterschiedlich. Nicht nur im Leben, sondern auch im Unternehmen. Für uns im VDU ist es ein Anliegen, dass sich mehr Frauen fürs Unternehmertum entscheiden. In Deutschland gibt es ca. drei Millionen männliche Unternehmer, aber nur 1,4 Millionen weibliche Unternehmerinnen. Das zeigt ein großes Ungleichgewicht. Das hat viele Gründe. Wir Frauen kriegen eben die Kinder, gründen die Familien, das sind große Herausforderungen, die auch zu Brüchen in der Karriere führen. Da ist aber in den vergangnen Jahren viel getan worden. Ich glaube wir im VDU machen Frauen Mut, sich selbstständig zu machen und haben in den letzten Jahren auch tolle Erfolge erzielt. Aber die Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die bleiben. Früher sagte man: Frauen führen mit dem Bauch, Männer mit dem Kopf. Ein guter Unternehmer braucht beides. Im übrigen sind wir alle der Auffassung, das gemischte Teams am erfolgreichsten sind.

netzwerk südbaden: Was bieten Sie Ihren Mitgliedern?

Christa Porten-Wollersheim: Der VDU ist ein bundesweiter, branchenübergreifender Verband mit Hauptsitz in Berlin. Wir haben einmal im Jahr eine Hauptversammlung, bei der sich alle Mitglieder treffen. In diesem Jahr fand die in Stuttgart, unter anderem auch im Porschemuseum, statt. Wir bieten Einblicke und Betriebsbesichtigungen in interessante Unternehmen, z.B. waren wir dieses Jahr beim Sportclub Freiburg zur Kick-off-Veranstaltung. Wir werden dieses Jahr noch in die neue Universitätsbibliothek gehen, solche Veranstaltungen organisieren wir viele. Es findet ein Stammtisch einmal im Monat statt, an dem wir Unternehmerinnen uns austauschen. Außerdem feiern wir auch, dieses Jahr z.B. ein Sommerfest bei Krämer Einrichtungen mit dem Thema „Nachfolge“. Wir verbinden also immer Veranstaltungen mit Wirtschaftsthemen. Wir machen Workshops, die den Unternehmerinnen helfen und es gibt auch Wirtschaftsreisen – dieses Jahr Brasilien, nächstes Jahr Norwegen, wo wir dann auch zu Wirtschaftsverbänden und Unternehmen im Ausland Kontakt haben. Wir haben eine Kooperation mit der Käte- Ahlmann-Stiftung, das ist ein Mentoring- Projekt. Wir haben immer Wirtschaftsveranstaltungen, dieses Jahr z.B. zu TTIP in der Sparkasse mit Professor Lars Feld, wir haben vergangenes Jahr 60-jähriges Jubiläum gefeiert im SWR-Studio und wir habenviele weitere tolle Veranstaltungen in die Region geholt.

netzwerk südbaden: Was ist denn – außer weiblich zu sein – das Aufnahmekriterium, um Ihrem Verband beitreten zu können?

Doris Desbarats: Es gibt natürlich formelle Regularien. Viel wichtiger ist uns aber, dass die Interessentin das unternehmerische Herz in sich trägt, also fühlt, denkt und handelt wie eine Unternehmerin. Dass sie aufgeschlossen ist, innovativ ist, den Wunsch in sich trägt, sich zu vernetzen. Und sie muss den Platz im Verband auch einnehmen, also sich einbringen. Jede Unternehmerin ist willkommen, egal aus welcher Branche, unabhängig in welcher Liga sie spielt: Es kann also eine Kleinunternehmerin sein, oder auch eine Unternehmerin aus der Industrie.

netzwerk südbaden: Was sind derzeit Ihre wichtigsten Anliegen und Projekte?

Christa Porten-Wollersheim: Dieses Jahr widmen wir uns zum Beispiel dem Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“. Außerdem dem Thema Frauen in die MINT-Berufe Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das treibt der VDU sehr stark an, junge Frauen zu motivieren, sich in diesen Bereichen auszubilden. Dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken ist ein ganz wichtiger Punkt, dafür gibt es Kommissionen im VDU. Der Ausbau von Kinderbetreuung ist ein Thema und zwar für Frauen und Männer. Bei der Frauenquote hat der VDU maßgeblich mitgearbeitet, auch an der Berliner Erklärung. Es ist gut, dass diese Quote durchgegangen ist, die Frauen in Aufsichtsgremien bringen wird. Die nächsten Schritte müssen dann die Unternehmen aber selbst machen, damit sie erkennen, wie wichtig es ist, Frauen in Führungspositionen zu bringen und die Rahmenbedingungen zu schaffen. Und dann haben wir immer einmal im Jahr eine Unternehmerinnen-Umfrage mit der Deutschen Bank zusammen. Da sieht man einfach, wie Unternehmerinnen ticken, was ihnen wichtig ist.

netzwerk südbaden: Ist der VDU heute noch zeitgemäß, eigentlich herrscht doch Gleichberechtigung?

Martina Feierling-Rombach: Ich finde, durch die Fülle der Antworten hat sich das eigentlich von alleine geklärt. Wir sind wirklich fest davon überzeugt, dass wir einfach Verbündete brauchen. Also diese Empathie unter uns Unternehmerinnen, die auch zu Freundschaften wachsen, das ist ganz wichtig. Die Männer machen uns das ja schon seit Jahrzehnten vor und das tun wir jetzt auch mit großem Erfolg. Und gleichzeitig sehen wir eben auch den Auftrag, als Vorbilder jungen Frauen Mut zu machen, dass sie sich eben selbstständig machen. Bei den Start-ups sind wir Frauen wirklich noch sehr unterrepräsentiert. Und das geht wirklich am besten mit praktischen Beispielen. Ich finde auch, dass es eine unternehmerische Aufgabe ist, auch an die Zukunft zu denken, nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern für die Wirtschaft insgesamt. Dass man hinausgeht und sagt: „Schaut mal, man kriegt es hin“, mit Kindern, mit Familie, mit einem möglichst modernen Partner, der einen unterstützt. Im Umgang mit den Mitarbeitern hat man dann ja die selben Themen, diversity management heißt das schöne Wort. Man versucht einfach aus dem Potential was man hat, was zu machen, dazu gehört, das man sich laufend weiterentwickelt. Das ist eine spannende Aufgabe und jede Unternehmerin, die sich überlegt, wo sie sich engagieren könnte, der sei der VDU ans Herz gelegt. Es lohnt sich, Mitglied zu werden. Man kommt wirklich voran und hat viel tolle Impulse und auch Spaß dabei.

Hintergrund:

Der VDU und netzwerk südbaden werden in Zukunft kooperieren. Jeden Monat werden auf einer Seite der Printausgabe von netzwerk südbaden Nachrichten des Verbadnes veroffentlicht, auserdem wird Monat fur Monat eine VDU-Unternehmerin vorgestellt. Diese Unternehmerinnen-Portraits werden auch auf der Onlineseite www.netzwerk-suedbaden.de publiziert. Weitere Informationen zum VDU finden Sie unter www.vdu.de .