Vermögensrisiken: Gut gegen Betrug: Unternehmensethik

Der Wirtschaftsprüfer Thomas Adam über die Gründe, warum in Firmen kriminelle Handlungen von Mitarbeitern stattfinden – und was dagegen der richtige Weg ist, sich zu schützen.

Von Rudi Raschke

„In vielen Unternehmen werden erhebliche Vermögenswerte vernichtet. Dies erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise: Unachtsamkeit, Bösartigkeit, Schlamperei, Gier, Unvermögen, Korruption, Diebstahl etc. Neben den Angriffen von außen lauern erhebliche Gefahren für die Unternehmen durch Mitarbeiter, Management und auch Gesellschafter. Die Beispiele aus der Presse, wie der Abgasskandal bei VW, die Siemens-Schmiergeldaffäre oder der Libor Skandal bei der Deutschen Bank, sind nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges.

Der überwiegende Teil dieser Delikte kommt erst gar nicht an die Öffentlichkeit, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der amerikanische Kriminologe Donald Cressey entwickelte mit dem „Betrugsdreieck“ das am breitesten akzeptierte Erklärungsmodell dafür, warum Menschen im Wirtschaftsleben betrügen. Nach Cressey sind die meisten Menschen, die sich in Zusammenhang mit ihrer Berufstätigkeit zu einer betrügerischen Handlung verleiten lassen, keine professionellen Täter. Sondern Personen ohne kriminelle Vergangenheit, die sich selbst nicht als kriminell bezeichnen würden.

netzwerk südbaden

Thomas Adam Thomas Adam, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater Badische Treuhand Gesellschaft mbH Foto: ZVG

Damit solche Menschen dann auch tatsächlich betrügen, müssen drei Faktoren gleichzeitig vorliegen. Dies sind Gelegenheit, Druck und Rechtfertigung. Die Gelegenheit zu einer illegalen Handlung muss gegeben sein, die Betrugshandlung muss auch noch heimlich durchführbar sein. Beim Druck handelt es sich meist um finanzielle Probleme. Es kann auch die Angst des Mitarbeiters sein, die Produktivitätsziele des Arbeitgebers nicht erreichen zu können. Diebstahl, Betrug oder Bilanzfälschungen sind naheliegende Problemlöser, um das eigene Ansehen und den eigenen Status nicht zu gefährden.

Die Rechtfertigung ist die rationale Begründung der Tat. Die Täter sehen sich selbst nicht als Kriminelle, sondern als rechtschaffene Bürger, die in einer Folge ungünstiger Umstände in eine schwierige und scheinbar ausweglose Situation gerutscht sind (zum Beispiel: „ich wollte das Geld nur ausleihen“ oder „das Unternehmen verdient so viel Geld“). Inwieweit lassen sich diese Informationen aus dem Modell des Betrugsdreiecks dafür verwenden, um diese Risiken abzuwenden oder zu minimieren? Mit einem internen Kontrollsystem (Funktionstrennung, Zugriffsbeschränkung und Kontrollen) können Unternehmen deliktische Handlungen verhindern.

Sie minimieren damit Gelegenheiten zum Betrug und beugen gleichzeitig Unachtsamkeiten und Fehler vor, die im täglichen Geschäftsablauf passieren können. Ein Unternehmen hat nur begrenzt Einfluss, um den persönlich empfundenen Druck von den Schultern einzelner Mitarbeiter zu nehmen. Vorstellbar wären hier eine ressourcenorientierte anstelle einer fehlerorientierten Führung. Und der Versuch, eine menschliche Unternehmenskultur zu entwickeln. Das Ausschalten der Rechtfertigung ist eng mit ethischen Grundsätzen verknüpft. Durch das Vorleben von Werten, wie Verantwortung, Integrität, Respekt, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Transparenz, entsteht eine Unternehmenskultur, in der Betrug schwer zu rechtfertigen ist.

Durch eine ethische Betriebsführung stellen sich weitere Vorteile ein: Die Mitarbeiter sind zufriedener, somit steigt die Produktivität. Die Reputation der Unternehmung verbessert sich, Mitarbeiterrecruiting wird einfacher. Die Kommunikation wird effektiver und Ressourcen werden effektiver eingesetzt. Ein respektvoller Umgang mit Kunden und Lieferanten sichert dem Unternehmen verlässliche Partnerschaften.“