Startup: Grünfunk

Ein Startup will mobiles Telefonieren fair machen und sucht nun die ersten 1000 Kunden.

Von Philipp Peters

Bei fairen Handytarifen denken die meisten Menschen sicher an niedrige Kosten. Doch für Andreas Schmucker ist fair was anderes. Der Freiburger hat mit zwei Kollegen das Startup Wetell gegründet. Sie versprechen grünen Mobilfunk und wollen über eine Schwarmfinanzierung nun die ersten 1000 Kunden für sich begeistern.

Nachhaltiger Mobilfunk – was ist das überhaupt?
Schmucker: Mobilfunk ist eine digitale Dienstleistung. Jede Dienstleistung kann mehr oder weniger nachhaltig sein. Beim Telefonieren gehen 40 Prozent der verbrauchten Energie aufs Konto des Telefons – also Herstellung, Vertrieb, Aufladen. Aber 60 Prozent der Energie werden für den eigentlichen Mobilfunk verbraucht. Da können wir einiges machen, zum Beispiel, indem wir neue Solaranlagen bauen. Als weitere Bausteine eines nachhaltigen Angebots sehen wir Datenschutz, Transparenz und einen fairen Umgang miteinander.

Wetell baut neue Kraftwerke?
Zum Start haben wir mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) einen sehr ernst zu nehmenden Partner, der uns voll unterstützt. Gemeinsam werden wir Solaranlagen projektieren, bauen und betreiben, ja. Wenn wir in dem Maße grünen Strom ins Netz fließen lassen, wie unsere Kunden ihn verbrauchen, kompensieren wir die Emissionen, die unsere Kunden mit ihrer Mobilfunknutzung verursachen – und das langfristig.

Das heißt, in den Tarifen ist eine Querfinanzierung für neue Solar-Kraftwerke eingepreist?
Genau. In den Preisen ist ein Beitrag für die Kompensation und damit für den Bau neuer Solaranlagen enthalten. In welchem Netz wird telefoniert? Wir nutzen über einen Partner den Zugang zum D1-Netz. Zum Start ist es für uns leider nicht möglich, selbst als Service Provider aufzutreten. Wir freuen uns daher sehr, dass es eine Möglichkeit gibt, auch mit geringeren Einstiegshürden Mobilfunkanbieter zu werden.

Am 15. Februar ist Ihr Crowdfunding gestartet. Was ist das Ziel?
1000 Kunden innerhalb von sechs Wochen. Das Funding läuft noch bis Ende März.

Man erwirbt aber keine Firmenbeteiligung?
Nein, wir machen Crowdfunding, kein Crowdinvesting. Wir verkaufen unser Produkt an interessierte Kunden, noch bevor es dieses überhaupt gibt. Das ermöglicht uns dann, das Unternehmen aufzubauen und im Anschluss das Produkt zu liefern. Konkret erwirbt man bei uns Mobilfunkgutscheine. Wir haben drei Tarife, die wir in jeweils drei Paketen anbieten – mit drei, sechs oder zwölf Monaten Laufzeit. Da kann man sich ungefähr ausrechnen, um welche Beträge es geht.

Also wenn ich Euren Tarif „Superfunk“ für zwölf Monate wähle, müsste ich mit 480 Euro einsteigen. Im günstigsten Fall bin ich schon mit 45 Euro dabei.
Richtig. Und diese Gutscheine gelten für 24 Monate – ab dem Tag unseres Markteintritts. Das heißt: Wer am Tag zuvor noch seinen Handy-Vertrag verlängert hat, kann den Gutschein einlösen, wenn dieser Vertrag ausläuft. Wer vorher wechseln will, bekommt von uns eine Zwischenlösung.

Und wenn Wetell sein Ziel nicht erreicht?
Sollten wir aus irgendeinem Grund nicht auf den Markt gehen, bekommen die Unterstützer ihr Geld natürlich zurück.

Falls doch – wie geht es dann weiter?
Die Crowdfunding-Kampagne ist Kundenakquise. Wir brauchen Kunden, um Investoren oder Banken von unserer Idee zu überzeugen. Denn tatsächlich werden wir für den Unternehmensaufbau mehr Geld brauchen als die 200.000 Euro, die wir über die Kampagne einsammeln wollen.

Wetell verspricht Datenschutz, Transparenz, Fairness. Wie muss ich mir das vorstellen?
Zum Beispiel indem wir als Virtual-Service-Provider Daten nicht länger speichern als unbedingt notwendig. Wir geben auch keine Daten weiter.

Datenschutz muss aber auch vom Nutzer kommen. Sie können ja niemandem verbieten, WhatsApp oder Facebook zu installieren?
Natürlich nicht. Und ich nutze selber WhatsApp. Was der einzelne User macht, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber wir können dafür sorgen, dass wir unseren Job vernünftig machen und nicht das Leck sind, aus dem unkontrolliert Daten nach außen fließen. Ich finde es unverantwortlich für unsere Gesellschaft, wie mit Nutzerdaten umgegangen wird. Hier wollen wir Akzente setzen.

Wetell ist ein Postpaid-Anbieter mit monatlicher Kündigungsfrist. Das ist ungewöhnlich. Ja, das gibt es nicht so oft. Wie machen Sie zum Crowdfunding auf sich aufmerksam?
Wir sind ein Community-Produkt. Wir sind total begeistert, wie viele Menschen uns unterstützen wollen. Wir haben nicht nur die Unterstützung der EWS, sondern auch grünes Licht, mit anderen Ökostrom-Anbietern zusammenzuarbeiten. Da sind wir in guten Gesprächen. Auch Alnatura unterstützt uns. So erreichen wir Bekanntheit.

Und wie geht es dann weiter?
Im Moment sind wir nur eine GbR. Wenn das Crowdfunding erfolgreich ist, werden wir eine GmbH gründen. Wir haben das Projekt seit einem Jahr vorbereitet. Und unser Ziel ist es, noch im Herbst dieses Jahres ans Netz zu gehen.

Das heißt: Wetell ist startklar. Sobald die Kunden da sind, geht es los?
So kann man das sagen.

Andreas Schmucker ist einer von drei Gründern des Startups Wetell aus Freiburg. Er hat das Unternehmen gemeinsam mit Alma Spribille und Nico Tucher gegründet. Die Drei kennen sich aus ihrer Arbeit am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Heute zählen sie mit Wetell zu den ambitioniertesten Startups der Freiburger Gründerszene. Mehr Infos zum Crowdfunding gibt es auf www. wetell-change.de.