Comeback: Wieder zurück auf der Rolle

Dieter Salomon kehrt überraschend als Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in die Öffentlichkeit zurück.

Von Rudi Raschke

Es war ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Presseevent, mit dem die IHK Südlicher Oberrhein Mitte April ihren neuen Hauptgeschäftsführer präsentierte: Steffen Auer, Präsident der Kammer, würdigte den für gut befundenen Kandidaten mit viel Lob: „Er bringt sämtliche Punkte, die wir gesucht haben, mit (…) er kann sich in Dinge einarbeiten (…) er wird die Region schnell kennenlernen“.

Eingeladen hatte die IHK zuvor mit dem Satz, man würde den neuen Angestellten und seinen Stellvertreter „vorstellen“. Nur dass es sich eben um den Mann handelt, der 16 Jahre Oberbürgermeister am Standort Freiburg war und einen gewissen Bekanntheitsgrad mitbringt: Dieter Salomon. Jenseits der etwas Azubi-haft geratenen Vorstellung von Salomon und seinem Stellvertreter Alwin Wagner hob Auer vor allem das überparteiliche Arbeiten des ersten grünen IHK-Chefs im Lande hervor.

Salomon habe die IHK mit einer Stimme zu vertreten, auch gegenüber Stuttgart und Berlin und bei intern strittigen Entscheidungen. Der Proporz zwischen Freiburg und der ungleich umsatzstärkeren Ortenau sei ebenso zu wahren wie „die Regeln des ehrbaren Kaufmanns“, denen sich die IHK verpflichtet fühle. Salomon selbst wollte sein neues Engagement nach knapp einem Jahr Pause nicht als „Comeback in der Politik“ verstanden wissen.

Weder handle es sich um ein „allgemeinpolitisches Mandat“, noch um „Politik durch die Hintertür“, die er betreiben werde. Die Unternehmen, die die IHK vertritt, seien „das Rückgrat der Gesellschaft“, deshalb habe er noch einmal richtig Lust bekommen, in den nächsten fünf Jahren bis zu seinem Ruhestand etwas zu bewegen. Er müsse keine Karriere mehr machen und sich nicht mehr profilieren, sagt der 58-Jährige, sondern wolle dem ehrenamtlich tätigen Präsidenten Auer zuarbeiten.

Für den 31 Jahre alten Alwin Wagner wurde eigens das Amt eines „stellvertretenden Hauptgeschäftsführers“ geschaffen, was angesichts der Erfahrung des Volkswirts und Ex-OBs Salomon eigenwillig anmutet und am ehesten im Sinne einer Heranführung zur Nachfolge interpretierbar ist. Wagner kam als Trainee zur Freiburger IHK und leitet seit dem Weggang des bisherigen Amtsinhabers Andreas Kempff die Geschäfte, bis Salomon voraussichtlich Mitte Juni seinen Dienst antritt.

Selbstbewusst gab er an, „die Konstante im Gespann“ zu sein. Wie die Stimmenverteilung der 38 anwesenden von 50 Köpfen der Vollversammlung ausgesehen hat, wollte Auer nicht verraten. Später kam über die „Badische Zeitung“ heraus, dass sich 30 von ihnen, also rund 79 Prozent, für den Alt-OB ausgesprochen hatten. Hierfür war eine zweistündige Diskussion mit Salomon und eine eineinhalbstündige ohne ihn vonnöten.

Einzelne Mitglieder aus Gastronomie und Hotellerie hatten sich unversöhnlich gezeigt, da Salomon in seiner Zeit als OB die sogenannte Bettensteuer vertreten hatte. Angesprochen auf diese und auch die Erhöhung der Gewerbesteuer, die er als OB umzusetzen hatte, zeigte sich Salomon gegenüber Journalisten wieder schwer „on fire“: Dass er sich den altlinken Standard-Vorwurf „Wendehals“ einhandeln könne, wies er ausführlich zurück. Es fiel in diesem Moment etwas schwer, sich den emotional heiß drehenden Grünen als reinen Kammer-Diener vorzustellen.

Die andere „Rolle“, die er nun bei bestimmten Themen antrete, war dennoch der am häufigsten gewählte Begriff dieser Vorstellung. Zur Rolle gehört auch, dass Salomon nun seine Ruhegehalt- Versorgung für Dienste als OB und im Landtag unterbricht und ein reguläres Gehalt bezieht. Zu seinen Hauptaufgaben gehört neben Erweiterung oder Umzug des IHK-Baus an der Freiburger Schnewlinstraße die Entwicklung der Bildungsmöglichkeiten und eine Regionalstrategie. Vor allem für Ersteres wird er öfter seinem Nachfolger Martin Horn begegnen, der in der regionalen Wirtschaft bisher nicht unbedingt ein Steckenpferd gefunden hat. Auch hierbei dürfte es ums Rollenverständnis gehen, Salomon sagt jedenfalls: „Wir sind beide Profis genug, damit umzugehen.“