Sie sind in Freiburg und Furtwangen angesiedelt, in Offenburg und Weil – und ihre Abnehmer in der ganzen Republik oder dem Rest der Welt. Unternehmen, die hier mit unterschiedlichen Ausprägungen Künstlicher Intelligenz arbeiten. Sie digitalisieren Maschinen, Steuerbelege, Medizinbefunde oder regionale Ansiedelungen. Mit Software, die aus sich selbst immer mehr Daten generiert. Wir stellen acht spannende KI-Firmen vor. „Geospin“ aus Freiburg ist eines davon.
VON DANIEL RUDA
Wir wollen wir einen Standort greifbar machen und erklären, was dort warum passiert“, umschreibt Christoph Gebele den Ansatz von Geospin, bei dem Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Der 35-Jährige ist einer von fünf Gründern der Firma, deren Software Algorithmen erstellt, die in einem riesigen Satz aus geografischen Daten ein Muster erkennen. Das Ergebnis soll dann bei unternehmerischen Entscheidungen helfen. Baue ich hier eine Filiale auf? Wo stelle ich eine Ladesäule hin? Investiere ich in Immobilien in jenem Gebiet? Wo sitzen meine Kunden? Gebele zählt ein paar Fragen auf, für deren Beantwortung die programmierte Software der Freiburger Firma Analysen und Potenziale für Kunden erstellt. „So können Investitionsentscheidungen besser getroffen werden.“
Das neuartige Geschäftsmodell funktioniert. Gestartet vor vier Jahren als Ausgründung aus der Uni, wo sich die Informatiker in einer Smart-City-Forschungsgruppe mit geografischen Big-Data-Analysen beschäftigten, wurde aus ihrem Startup schnell eine erfolgreiche Adresse. Mit einem Exist-Gründerstipendium im Rücken legten sie noch in Räumen der Uni los und gewannen schnell die ersten großen Kunden. Siemens, Bosch oder die Deutsche Bahn etwa gehören dazu. Nach einer ersten Finanzierungsrunde vor zwei Jahren wurde Geospin Anfang dieses Jahres dann komplett von einer Tochterfirma der Thüga AG übernommen. Die Thüga ist ein Bündnis kommunaler Stadtwerke und hält auch 44,6 Prozent der Anteile an der Badenova. Die Geospin-Gründer verkauften ihre eigenen Anteile, führen die Geschäfte aber weiter. 20 Angestellte hat das gewachsene Unternehmen inzwischen, für den IT-Bereich werden gerade weitere Mitarbeiter gesucht. Die Sache wächst, die Umsatzzahlen liegen im mittleren sechsstelligen Bereich.

Und wie funktioniert die KI von Geospin? Indem die Software mit rund 800 unterschiedlichen Umgebungsfaktoren gefüllt wird. Das sind einerseits schlichte Infos aus digitalen Landkarten und Open-Map-Diensten, Zensusdaten zur Bevölkerungsdichte in jener Gegend, Erhebungen aus Social-Media-Diensten oder etwa Angaben zu Wirtschaftskraft und Kriminalitätsrate. „Wir schaffen quasi eine digitale Stadt auf der Basis dieser Daten und die von uns programmierte KI findet darin Muster und erstellt Prognosen“, erklärt Christoph Gebele.
Abgebildet wird das Ergebnis zum Beispiel in einer Heatmap, wie man sie von der Fußballberichterstattung kennt. Wird dort schlicht gezeigt, wo sich zum Beispiel SC-Stürmer Lucas Höler während eines Spiels am meisten aufgehalten hat, geht es hier wesentlich komplexer zu. Die Geospin-Heatmap kann aufgefächert werden und für jedes kleine Gebiet Informationen liefern. „Eine Location zu durchdringen und zu verstehen, das ist unser Anspruch.“ Der Input dafür sei eine Kombination aus frei verfügbaren Informationen sowie hinzugekauften Daten, erklärt Gebele.

„Es werden immer mehr Daten generiert, und die müssen ja einen Mehrwert haben“, sagt Christoph Gebele. Bislang arbeitet die Firma vor allem mit größeren Kunden zusammen, als nächsten Schritt will die Firma auch Mittelständler davon überzeugen, wie wertvoll nicht nur das Einbeziehen geografischer Daten, sondern deren Zusammenhänge bei Entscheidungen sind. „Ich denke, diese Möglichkeit werden zukünftig immer mehr Unternehmen für sich nutzen“, so Gebele.