Die 32-Jährige stammt wie ihr Ehemann Matthias Ginter aus der March. Seit acht Jahren leitet sie die nach ihm benannte Stiftung und unterstützt benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Region. Beim Espresso spricht sie über ihre Arbeit und über eigene Erfahrungen auf der Frühchenstation der Uniklinik.
Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego
Christina Ginter kommt auf die Minute pünktlich. Wir treffen uns im Degusto in der Freiburger Innenstadt, ein Tisch weit hinten, dennoch wird die 32-Jährige von anderen Gästen erkannt. Sie ist ein populäres Gesicht in der Region, nicht nur wegen ihrer Ehe mit SC-Freiburg-Star Matthias Ginter, sondern auch wegen ihrer vielfältigen Auftritte in und um die Stadt Freiburg. Seit 2018 leitet Christina Ginter, die von allen nur Chrissy genannt wird, die Matthias-Ginter-Stiftung, die benachteiligten Kindern und Jugendlichen in der Region hilft. Allein im Jahr 2025 finanzierte die Stiftung 40 verschiedene Projekte mit einer Spendensumme von insgesamt 130.000 Euro. Die Vielfalt ist groß: Therapieangebote für depressiv erkrankte Jugendliche, Tanzworkshops für Mädchen mit Gewalterfahrung, Ferienfreizeiten für chronisch nierenkranke Kinder. Dazu kommen Spenden an Einrichtungen, wie zum Beispiel für den Neubau der Freiburger Kinderklinik.




Zur Uniklinik hat Christina Ginter ein besonders enges Verhältnis, seit ihr erstes Kind zwei Monate zu früh zur Welt kam. „Wenn wir jetzt mit der Stiftung auf der Frühchenstation sind, kann ich mich ganz anders reinfühlen“, sagt sie. „Früher habe ich vor allem das Kind gesehen, mittlerweile weiß ich, dass man die ganze Familie einbinden muss.“ Ihr Sohn wurde 2020 geboren, damals waren die Ginters noch in Nordrhein-Westfalen, Matthias Ginter spielte nach drei Jahren beim BVB für Mönchengladbach. Der Besuch in der Heimat war ein Zufall. „Matzes Geburtstag fiel auf an einen Sonntag“, erinnert sich Christina Ginter. „Gladbach hatte am Freitag gespielt und das Wochenende war daher frei. Das kommt ja nicht so oft vor.“ Also plante das Paar einen letzten Freiburgtrip vor der Geburt. Christina Ginter war im siebten Monat schwanger, die Gladbacher Wohnung fürs Baby ausgestattet, die Klinik ausgesucht. Doch dann kam alles anders. Matteo wurde am Geburtstag des Papas geboren – im Januar statt im März und in Freiburg statt in Gladbach. Einen Monat lang musste er auf der Station bleiben. „Eine schwere Zeit, aber wir haben so viel Unterstützung erfahren. Das Team der Uniklinik war ganz, ganz toll“, sagt Ginter. Noch im selben Jahr spendete die Familie eine Frühchenpuppe an die Uniklinik. An der lebensechten Attrappe, die computergesteuert typische Krankheitszeichen Frühgeborener simulieren kann, können Ärztinnen und Ärzte sowie Intensivpflegekräfte schwierige Situationen in der Behandlung üben. 60.000 Euro hat die Puppe gekostet, die Hälfte hat die Stiftung finanziert, die andere Hälfte stammt aus dem Privatvermögen der Ginters.
Gladbach ist Geschichte, seit 2022 kickt Matthias Ginter wieder für den SC Freiburg. Ein Fest auch für seine Frau: „Es ist herrlich, wieder hier zu sein. Im Profifußball ist es der absolute Luxus, wenn man dort spielen kann, wo man aufgewachsen ist.“ Ein Heimspiel: Beide stammen aus der March, er aus Hugstetten, sie aus Neuershausen, sie kannten sich schon zu Schulzeiten. 2015 hat es gefunkt, 2018 folgte die Hochzeit, inzwischen haben sie zwei Söhne. Außer dem Familienleben und der Stiftungsarbeit verbindet sie die Leidenschaft für den Sport. Denn auch Christina Ginter war Leistungssportlerin: Sie ist ausgebildete Balletttänzerin und Tanzpädagogin, war an der Staatlichen Akademie in Mannheim, hat an mehreren Theatern in Deutschland getanzt, bis eine Verletzung sie ausbremste. „Ballett ist Hochleistungssport wie Profifußball: Entweder machst du es ganz oder gar nicht“, sagt Ginter, die immer noch an einer Ballettschule in Merzhausen unterrichtet. Auch ihr Mann habe sich schon den einen oder anderen Trick bei ihr abgeschaut: „Beim Tanzen geht es um Haltung, Körpersprache und Präsenz – das bringt dir auch auf dem Fußballplatz was.“

Besonders beliebt ist das jährliche Inklusionsfußballcamp für körperlich, geistig oder sozial benachteiligte Kinder, das in der March stattfindet. Die Matthias-Ginter-Stiftung veranstaltelt es in Zusammenarbeit mit der Fußballfabrik, die von Ex-Schalke-Spieler Ingo Anderbrügge gegründet wurde. Eine Herzensangelegenheit von Christina Ginter: „Es wäre so wichtig, wenn es mehr echte Inklusionsmannschaften gäbe.“