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  • Umdenken 12/2020

Interview mit Friedemann Karig

  • 19. Dezember 2020
Friedemann Karig
Beobachtet die Mikro- und Makroebene der Gesellschaft: Friedemann Karig. Foto: MArie Staggat
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Friedemann Karig ist Autor, Podcaster und Soziologe. Er stammt aus Waldkirch und lebt in Berlin. Ein Gespräch mit ihm übers Gesellschaftliche und die zwischenmenschlichen Beziehungen im Jahr 2020 – und ob wir den Narzissmus überwunden haben. 

VON RUDI RASCHKE

Wie ordnen Sie dieses Jahr 2020 ein?

Für jeden von uns war dieses Jahr auf seine Art seltsam bewegt. Im Internet gibt es deshalb längst diesen Running Gag, 2020 sei an allem schuld, es sei wie der schlimmste Ex-Partner aller Zeiten, ein nie enden wollender Freitag der 13. Immer wenn Du dachtest, es geht nicht schlimmer, kam wieder ein Hammer. Am Ende ist sogar noch Diego Maradona gestorben!

Aber so bequem ein kalendarischer Sündenbock auch wäre, ein Jahr hat keine Persönlichkeit und keine Macht, kann uns nichts versauen. Das tun wir schon selbst. Corona war eine Folge von Ausbeutung der Natur. Ich bin persönlich jedenfalls glimpflich davongekommen. Vieles, was ich beruflich mache, konnte ich einfach weiterführen. Ich habe aber große Empathie für Menschen, die existenziell gefährdet waren, in ihrer Gesundheit oder im Beruf.

Und wie haben Sie es privat empfunden?

Man merkt, was man davor hatte – und was man wirklich braucht. Ich zum Beispiel brauche es, mit Menschen, die ich mag, bei Essen und Trinken an einem Tisch zu sitzen. Einmal, besser zweimal die Woche. Das klingt vielleicht banal oder nach Luxusproblem. Aber es sind urmenschliche Bedürfnisse, die sich bei jedem anders herausstellen. Wir sind soziale Wesen, wir brauchen einander. Unsere Identität, unsere Ich-Konstruktion entsteht erst über Bande. Wir sind genau die Menschen, die wir für andere Menschen sind. Ohne sie sind wir nichts.

War es für Sie ein Jahr des Mit- oder des Gegeneinanders?

Ganz leichte Schlagseite zum Miteinander. Es gibt zwar immer noch zu viele Konflikte, in denen wir nicht solidarisch sind. Das hat sich systemisch gezeigt, im Gesundheitssystem, oder bei großen Fragen des Klimaschutzes zum Beispiel während der Krise, wo viele Staatshilfen letztlich wieder gegen die Umwelt und damit unsere Lebensgrundlage eingesetzt wurden. Aber auf der Mikroebene der zwischenmenschlichen Beziehungen hat vieles sehr gut funktioniert – die Hilfsbereitschaft im Kleinen, in der Nachbarschaft etwa. Oder das kollektive Abstandhalten als Maßnahme der vorauseilenden Sorge füreinander.

Was wurde aus der von Ihnen in „Wie wir lieben“ beobachteten „Überindividualisierung“?

Ich beobachte gerade in meiner Generation, vor allem im Großstädtischen ein „Völlegefühl“ im Sinne unseres liberalen Lebensstils. Man hat sich ein wenig überfressen an der großen ökonomischen, sozialen und sonstigen Freiheit. Also an Konsum, Individualisierung, Selbstoptimierung. Es ist wie im Supermarkt, wo dich 99 Sorten Joghurt eher unglücklich machen. Corona hat uns diese grundsätzliche Freiheit einmal unter den Füßen weggezogen, so dass wir lernen können, was wirklich genug ist. Leider kann es danach eine Trotzreaktion geben, bei der einige alles nachholen wollen.

Beim Reisen zum Beispiel…

…ja, wo die Leute vermutlich nicht ab sofort behaupten werden, dass das Allgäu auch schön sei, sondern wieder nach Dubai oder Kapstadt müssen. Ich bin da übrigens nicht besser, natürlich steigt auch in mir das Fernweh höher, je weniger ich reisen kann. Waren Sie schon mal in Buenos Aires? Soll super sein.

Das denke ich auch. Sie sprachen über Corona nicht vom Brennglas, sondern vom Kontrastmittel, das wie in der Medizin unbestechlich zeigt: Was ist gesund, was läuft schief. Was haben Sie gesehen?

Tatsächlich haben auch bei mir Freundschaften oder lose Beziehungen dieses Kontrastmittel abgekriegt. Ich hatte das Glück, dass sie sich als recht belastbar herausgestellt haben. Ich kenne aber auch Freundschaften, die zerbrochen sind am Umgang mit Corona. Wenn bei einer Gesellschaft von 82 Millionen Menschen am Ende 20.000 als Mischung aus Rechtsextremen, Spinnern, unbehandelten Psychotikern und verlorenen Seelen vor dem Bundestag Tamtam machen – dann müssen wir da genau hinschauen, klar. Insgesamt denke ich aber, dass es eine ganz erträgliche Quote ist. Mit einem gewissen Prozentsatz an Realitätsdiätikern muss man vielleicht einfach leben.

Hat denn die Pandemie ein flächendeckendes Umdenken im Sinne einer „Wende zum Guten“ gebracht?

Eine dringend notwendige Transformation hat nicht stattgefunden. Vielleicht in der freien Wirtschaft, was Digitalisierung angeht. Wir werden hoffentlich nicht wieder Flugreisen für einstündige Meetings buchen. Politisch hätten wir aber zeigen müssen, dass wir mit schnellen Geldern und Umstellungen einiges verändern könnten. Das ist nicht passiert. Und ich habe das Gefühl, dass gegenüber sozial schwächer Gestellten, armen Familien oder Alleinerziehenden nach wie vor das Recht des Stärkeren regiert. Hier ist eine große Chance vergeben worden. Es herrscht eher ein typisch deutsches „weiter so“. Dieses Land hat eben einen sehr breiten Hintern, auf dem es sich ausruht.

Wie haben Sie beobachtet, was die Einschränkung öffentlicher Freiheiten fürs Private bedeutet? Also in Sachen konkreter Lebensentwürfe?

Man sollte erstmal nicht vergessen, dass es in sehr vielen Haushalten zu Beginn des Lockdowns hochproblematisch war, las man die herzzerreißenden Berichte von Jugendämtern. Das sollte man immer einbeziehen, ehe wir quasi mit dem Blick wieder zu unserer Bücherwand schwenken, vor der wir uns mit einem Glas Rotwein endlich mal wieder gepflegt mit dem Partner oder der Partnerin unterhalten.

In meinem Umfeld habe ich beobachtet, dass die Beziehungen sehr belastbar waren und sich eher gestärkt haben. Corona war eine ernstere Prüfung für unsere Generation als nur der regelmäßige Wochenmarkt, wo es nicht mehr unseren Lieblingskäse gibt. Deshalb würde ich mir wünschen, dass unsere Bande und langfristigen Verbindungen halten und viele in diesem komischen Jahr gemerkt haben, was genau bei ihnen passt.

Und was wird danach aus unseren Beziehungen?

Natürlich gibt es jetzt erst einmal weniger Anlass, über nichtexklusive Beziehungsmodelle nachzudenken. Aber dafür mehr Raum, sich damit auseinanderzusetzen. Ich könnte mir vorstellen, dass im nächsten Sommer, wenn wir uns dank Impfstoff wieder frei bewegen können, so etwas wie eine zweite sexuelle Revolution starten kann. Das Gefühl der Befreiung vom Virus könnte den Anstoß für die Befreiung von patriarchalischen Tabus geben.

Im Buch schreiben Sie auch vom Zeitalter des Narzissmus, entlang zahlreicher Beispiele. Ist dies dank oder trotz Corona vorbei? Oder begünstigt die Lage weiter Regelbrecher wie den scheidenden US-Präsidenten? Menschen, die das Spiel ändern wollen, gerade während sich der Rest zusammenrauft?

Ja. Das Spiel geht eher so: nimm einen Raum mit zehn Personen, die genug zu essen und zu trinken haben. Je gemeinschaftlicher sich neun von ihnen verhalten, umso schlimmer kann sich der zehnte benehmen. Übrigens auch eine alte Tragik der Allmende- Idee: Je mehr Personen sich mit Blick aufs Gemeinwohl an Gütern bedienen, umso mehr eröffnet sich die Möglichkeit des Missbrauchs. Selbst wenn unsere Gesellschaft durch Corona einen Sprung machen würde, gäbe es weiter den Gegenentwurf von Menschen, die das ausnutzen, indem sie sich über Regeln hinwegsetzen. Es liegt eine große Schönheit darin, sie als Kollektiv immer wieder einzufangen und zur Not auszuhalten.

Karig, 38, ist Autor des Sachbuchs „Wie wir lieben“ und des Romans „Dschungel“ und für zahlreiche Medien aktiv. In der Pandemie bot er auf Spotify den viel beachteten Themen- Podcast „Friedemann &“ an, unter anderem mit Bernhard Pörksen, Anne Will, Clueso und Kevin Kühnert.  

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