Der Kältemaschinenbauer Peter Huber aus Offenburg hat eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch hingelegt: vom kleinen Bastler-Betrieb zum Weltmarktführer für hochgenaue Temperiertechnik.
VON ANNA-LENA GRÖNER
Daniel Huber, Chef der Peter Huber Kältemaschinenbau AG, sitzt an seinem Schreibtisch, von hier aus hat er einen wunderbaren Blick auf den Offenburger Hausberg, das „Hohe Horn“. Es könnte alles idyllisch sein an diesem Vormittag, doch der Ukrainekrieg liegt schwer über allem. „Persönlich tangiert es mich sehr, geschäftlich schon auch, da wir mit Russland langsam, aber sicher ein paar nette Umsätze gemacht haben und das Geschäft anstieg“, sagt Huber und fügt hinzu: „Die Sanktionen sind wichtiger. Wenn wir das machen, dann auch richtig.“
Und richtig macht der Weltmarktführer aus der Ortenau scheinbar vieles. Mit seinen Geräten hat das Unternehmen den Markt revolutioniert. In der eigenen Produktionshalle entstehen immer wieder neue, noch bessere Temperiersysteme für Forschung und Industrie, mit einem Leistungsspektrum von -125 bis +425 Grad: Es geht nicht nur um Kälte. Am Standort in Offenburg wird die gesamte hauseigene Produktpalette entwickelt und gebaut. Weitere Standorte hat der Kältemaschinenbauer in England, den USA, Irland, China, Indien, Schweiz, Italien und Frankreich.

Weltweit arbeiten 460 Mitarbeiter für den Mittelständler, 385 am Standort in der Ortenau. Der wichtigste Markt sei der europäische, dicht gefolgt von Amerika. Hier konnte der Umsatz in den letzten sieben Jahren mehr als verzehnfacht werden, von zwei auf 33 Millionen Euro. „Frecherweise im Cannabismarkt“, sagt Daniel Huber. „Hier machen wir inzwischen 50 Prozent von unserem Umsatz in den USA, seit der Markt dort legalisiert dazugekommen ist.“ In 18 Bundesstaaten ist dies komplett der Fall.
„Für meinen Vater gab es im Bereich Kältetechnik noch keine Ausbildung, lediglich ein Sechs-Wochen-Kursander Uni in Karlsruhe.“
Daniel Huber, Vorstandsvorsitzender der Peter Huber Kältemaschinenbau AG
Im vergangenen Geschäftsjahr machte die Peter Huber Kältemaschinenbau AG insgesamt einen Umsatz von rund 105 Millionen Euro. Damit sei man „mehr als gut“ durch die Krise gekommen. „Wir hatten lediglich 2020 eine kleine Delle im Umsatz, die lag bei etwa sieben bis acht Prozent.“ In diesem Jahr rechnet der Unternehmer erneut mit einem Umsatzwachstum. Gewachsen ist der Familienbetrieb auch am Standort Offenburg.
Im Frühjahr 2019 wurde das neue Verwaltungsgebäude bezogen. Es folgten eine 2000 Quadratmeter Logistikhalle und zuletzt, Ende 2021, wurde das 4500 Quadratmeter große Produktionsgebäude in Betrieb genommen, „Tangohalle“ genannt, auch wenn hier nicht getanzt wird.
Von vier und two und noch viel mehr
Für seine Angestellten möchte Daniel Huber vor allem nahbar sein. Seine Bürotür stünde immer offen, geduzt wird durch alle Abteilungen. Schließlich habe er selbst als Lehrling angefangen, die Ausbildung zum Kälteanlagenbauer gemacht. Später kam noch ein Studium an der Hochschule in Offenburg dazu. 1997 ist er in die Geschäftsleitung des väterlichen Unternehmens eingestiegen.
Heute teilt sich Daniel Huber mit seinen drei Geschwistern den Vorstand des Familienbetriebes, ist selbst Vorstandsvorsitzender und für den weltweiten Vertrieb sowie das Marketing zuständig. Sein Bruder Joachim leitet als stellvertretender Vorsitzender die Technikabteilung, Schwester Beatrice Geiler ist für den Bereich Finanzen verantwortlich und Bärbel Huber hat Export, Versand und Zoll unter sich.
2016, zwei Jahre bevor Vater und Firmengründer Peter Huber verstarb, wurde das Unternehmen von einer GmbH in eine AG umfirmiert, um die Nachfolgereglung unter den Geschwistern besser umzusetzen zu können. Peter Huber hatte die Firma 1968 in Offenburg gegründet. Er war ein Tüftler, hat Kompressoren auseinandergeschraubt, Teile modifiziert und schließlich die ersten Geräte Marke Eigenbau an Firmen ausgeliefert. Das war der Start.

„Damals gab es im Bereich Kältetechnik noch keine Ausbildung, lediglich ein Sechs-Wochen-Kurs an der Uni in Karlsruhe. Den Rest hat er sich aus Büchern selbst beigebracht“, sagt Daniel Huber. Heute liest sich die Firmengeschichte als Erfolgschronik: von der Entwicklung des kleinsten Kältethermostats der Welt über zahlreiche Innovationspreise und Eigenentwicklungen sowie Auszeichnung zum Weltmarktführer für hochgenaue Temperiertechnik, hin zum Ausbilder, Arbeitgeber und Handwerkbetrieb des Jahres und zum mehrmaligen Hauptpreisträger des großen Preises des Mittelstandes.
Tüftler Peter Huber
Das findige Tüftlertum und Innovations-Knowhow ist Erfolgsgarant des Unternehmens am südlichen Oberrhein. Erst vor wenigen Wochen war Landesvater Winfried Kretschmann zu Besuch, um sich eines der Vorzeigeunternehmen im „Länd“ genauer anzuschauen. Vor allem die grünen Themen dürften ihn dabei interessiert haben. Diese hat sich der Kältemaschinenbauer von Anfang an auf die Fahnen geschrieben. „Lange bevor es richtige grüne Politik überhaupt gab“, sagt Daniel Huber.
Schon der Vater habe in den Anfängen Produkte mit natürlichen Kältemitteln, oder auch wasser- und stromsparende Geräte entwickelt und auf den Markt gebracht. Den Kunden habe man dieses „Grünsein“ aufgedrückt, da keine Low-Cost-Produkte als Alternative in der Tangohalle hergestellt werden. Und warum der Tango? Tatsächlich war Firmengründer Peter Huber begeisterter Tango-Argentino-Fan und gab einem Thermostat – das kleinste Modell seiner Zeit – den Namen „Tango“.
Der Vergleich passe perfekt, findet Daniel Huber, die Kunden wollen mit ihren Geräten eine ganz bestimmte Temperatur schnell anfahren, halten und schnell wieder die nächste Temperatur ansteuern. Eben zackig und auf den Punkt wie beim Tangotanzen.
Und was geht noch auf dem Geschäfts-Parkett? „Für mich gibt es keine Grenzen. Wir reden intern gerade darüber: können wir noch mehr und was dürfen wir uns noch zumuten?“ Platz gäbe es im direkten Umfeld noch. Man bräuchte mindestens noch einmal die Größenordnung der Tangohalle.