Das Wissen, das hier zusammenläuft, ist europaweit einzigartig. Das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik EMI erforscht Prozesse, die in Sekundenbruchteilen ablaufen, wie Autocrashs, Explosionen oder Zusammenstöße im Weltraum. Das ist nicht nur für die Verteidigungsbranche interessant, sondern zunehmend auch für die schwächelnde Automobilindustrie.
Text: Julia Donáth-Kneer
Es ist tatsächlich eine Space Gun. Im Keller des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik Ernst-Mach-Institut (EMI) in Freiburg steht eine echte Weltraumkanone. Ein etwa sechs Meter langer, stahlblauer Koloss, mehrere Millionen Euro teuer. Mit dieser Anlage können kleine Teilchen im Labor auf eine Geschwindigkeit von 8 Kilometern pro Sekunde (rund 28.000 Stundenkilometer), beschleunigt und gezielt abgefeuert werden. Damit untersuchen die Forschenden zum Beispiel, welche Schäden Einschläge von Weltraumschrott oder Mikrometeoriten an der Internationalen Raumstation oder an Satelliten verursachen können. Klingt wie Science-Fiction, ist es gewissermaßen auch. Denn diese Grundlagenforschung des planetaren Einschlags hat noch mehr Anwendungsmöglichkeiten: etwa die Ablenkung eines Kometen, der auf Kollisionskurs mit der Erde ist. „Das kam zum Glück noch nie zur realen Anwendung, aber es gibt eine bestehende Technik, die man im Notfall einsetzen könnte, um seine Flugbahn relevant zu verändern“, sagt Institutsleiter Stefan Hiermaier. Und jene Technik entsteht im Freiburger Keller. Die Missionen selbst würden dann von den Weltraumorganisationen NASA oder ESA durchgeführt werden, mit denen das EMI im engen Austausch steht.