Der aus dem Schwarzwald stammende Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa macht fehlende Spielräume in unserer geregelten Welt für gesellschaftliche Probleme verantwortlich. Der Freiburger Regierungspräsident Carsten Gabbert widerspricht dieser Einschätzung.
Text: Ralf Deckert
Haben wir zu wenige Spielräume im Leben und auch in der Politik? Macht uns zunehmende Überregulierung handlungsunfähig? Wählen die Menschen gar aus diesem Grund Extremisten in die Parlamente? Stimmt die These, die Hartmut Rosa in seinem aktuellen, viel diskutierten Buch „Situation und Konstellation“ aufstellt, wonach wir unsere Leben immer weniger wirklich „leben“ und immer mehr wie eine To-do-Liste abarbeiten? Brauchen wir wieder mehr Handlungsspielräume? Oder sind diese in Wahrheit gar nicht verschwunden? Zusammen mit Carsten Gabbert, dem grünen Freiburger Regierungspräsidenten, haben wir uns auf die Suche nach differenzierten Antworten aus Sicht eines Verwaltungschefs gemacht.
In einem Fernsehinterview hat Rosa unlängst argumentiert, dass der Erfolg von Parteien wie der AfD auch damit zu tun habe, dass diese den Menschen in einer zunehmend regulierten Welt das Gefühl zurückgäben, wieder handlungsfähig in ihrem Leben zu werden. Gabbert folgt dieser Argumentation des Soziologen nicht ganz: „Ich glaube, es ist so ein Gesamtbild. Ein Gesamtnarrativ. Und da spielt Regulierung eine Rolle.“ Er sehe da – neben häufig immer schräger werdenden Fake-News-Kampagnen, zum Beispiel beim Thema Windkraft – eher Ängste vor Benachteiligung und sozialem Abstieg am Werk als den Frust über Regeln, Vorschriften und Gesetze. WEITERLESEN …