Emilia Neuwirt hat das Start-up Emuno Therapeutics direkt nach Abschluss ihrer Doktorarbeit gegründet. In unserer Rubrik „Gut beraten“ verrät die Pharmazeutin, welcher Rat ihr beim Weg von der Wissenschaft ins Unternehmerinnentum geholfen hat.
„Chemie, Biologie, Medizin: Pharmazie ist eine Mischung aus vielen Disziplinen. Das hat mich schon immer fasziniert. Heute ist meine Rolle sogar noch vielfältiger. Denn ich habe mich gemeinsam mit meinem ehemaligen Doktorvater selbstständig gemacht und das Start-up Emuno Therapeutics gegründet. Kurz gesagt forschen wir an einem neuen Weg für die Krebsimmuntherapie. Das Patent haben wir 2021 angemeldet, während ich meine Doktorarbeit zum Thema geschrieben habe. Unser Ziel ist es, die gefundenen Wirkstoffe bis zu einem möglichen Medikament weiterzuentwickeln und an ein Pharmaunternehmen zu verkaufen, das es zur Marktreife bringt. Die Timelines in der Pharmabranche sind jedoch sehr lang. Bis man von der ersten Entdeckung der Wirkstoffe die Phase der klinischen Studien erreicht, können bis zu zehn Jahre vergehen. Und je fortgeschrittener die Entwicklung ist, desto teurer wird es. Damit sind wir als Start-up in einer sehr speziellen Situation, denn wir machen bislang keinen Umsatz und haben keine Kunden. Daher sind wir auf Investoren angewiesen. Derzeit finanzieren wir uns über eine öffentliche Förderung der Europäischen Kommission über 2,5 Millionen Euro und starten eine neue Finanzierungsrunde.
Einen Rat, den ich früh in der Start-up-Szene aufgeschnappt habe, ist: Geh früh raus und sprich über deine Idee. Also nicht lange vor sich hin tüfteln, sondern sich austauschen, Ratschläge einholen, Tipps geben. Das, was ein Start-up ohnehin ständig macht, ist sich selbst neu zu erfinden. Ich zum Beispiel halte selten denselben Pitch zweimal und arbeite kontinuierlich daran, wie ich andere von unserer Vision überzeuge. Inzwischen ist es ein Running-Gag zwischen mir und meinem Mann geworden. Immer, wenn er fragt, was ich mache, sage ich, ich arbeite an unserem Pitch-Deck. Denn damit ist man nie fertig. Es ist wichtig, sich immer wieder Gedanken zu machen, die eigenen Ideen zu hinterfragen, zu schauen, ob man noch in die richtige Richtung läuft oder ob Steuerung nötig ist. Und obwohl bei uns das Risiko noch mal ein anderes ist, weil wir eben Geld nicht verdienen, sondern nur ausgeben, sehe ich viel Sinn in dem, was wir tun. Wenn alles gut geht, entwickeln wir eine wirksame Therapie gegen Krebs. Und wenn nicht, können wir der Welt zumindest mitteilen: Dieser Weg ist es nicht. Wir haben es probiert.“
Protokoll: Julia Donáth-Kneer