Im Freiburger Bahnhofsturm setzt Dentesthetics auf digitale Dentaltechnik. Intraoralscanner, 4D-Bewegungsanalysen und computergestützte Fertigungen sollen Zahnersatz präziser und langlebiger machen.
Text: Christine Weis
Der Rundumblick vom Freiburger Bahnhofsturm aus reicht weit über das Häusermeer der Stadt bis zu den Bergrücken von Schwarzwald, Kaiserstuhl und Vogesen. Die Zahntechnikmeisterin schaut kurz aus dem Fenster in die Ferne und dann wieder konzentriert auf eine fingernagelgroße Keramikkrone. Behutsam setzt sie diese auf einen Zahn im Gebissmodell und prüft Passung, Kontaktpunkte und Farbwirkung. Dann trägt sie mit einem feinen Pinsel Farbpigmente auf. Es ist eine Mischung aus Handwerk und Kunst. Passenderweise heißt dieser Arbeitsschritt Veredelung. Er gehört zu den wenigen Tätigkeiten, die hier noch vollständig von Hand ausgeführt werden. Die meisten Vorgänge laufen digital: Das maßgetreue Gebissmodell kommt aus dem 3D-Drucker. Auf dem Bildschirm kann sie die virtuelle Ausgabe davon beliebig drehen und vergrößern. Die Keramikkrone hat eine CAD-Software konstruiert, anschließend eine CNC-Fräsmaschine gefräst, bevor sie im Kristallisationsbrand gehärtet wurde. „Das Ergebnis ist im Grunde schon fast perfekt“, sagt die Expertin. „Mit der Veredelung kriegt sie ihren letzten schönen Schliff.“
Bis vor einigen Jahren lief es in einem Dentallabor noch viel analoger ab, erzählt sie. Der Silikonabdruck wurde mit Gips ausgegossen, die Krone erst aus Wachs modelliert, in eine Muffe eingebettet, ausgeschmolzen, gefüllt und im Ofen verfestigt. Nach dem Aushärten musste die Form wieder aufgebrochen, der Zahnersatz ausgearbeitet, angepasst und mehrfach nachgebessert werden. „Dieser gesamte Prozess dauerte früher viel länger als heute, er verbrauchte mehr Material und war auch fehleranfälliger“, erläutert Sebastjan Varljen. Der Zahnarzt hat zusammen mit seinem Fachkollegen Stefan Scholz das Dentallabor Dentesthetics vor sieben Jahren gegründet. WEITERLESEN …