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Kinzigtalsteig: Wege mit Mehrwert

  • 6. Oktober 2026
Blick aufs Kinzigtal
Wandern boomt im Schwarzwald und seit Corona wachsen auch die Gästezahlen.
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Wandern boomt und ist längst auch ein Wirtschaftsfaktor. Neue Thementouren sollen mehr Gäste in die Region locken, Übernachtungen und Gastronomie stärken und die Saison verlängern. Der neue Kinzigtalsteig zeigt, wie viel Planung und Zusammenarbeit hinter einem touristischen Wanderangebot stecken.

Text: Pascal Cames

Wandern geht steil im Schwarzwald, nicht nur aus geographischen Gründen. Während Corona wurde der Schwarzwald von Wanderern und E-Bikern (wieder-)entdeckt. Seit der Pandemie wachsen auch die Gästezahlen: 2025 wurden 9,3 Millionen gezählt, rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Mit diesem Anstieg nimmt auch die Bedeutung des Wandertourismus zu. Schon seit Jahren entstehen zwischen Pforzheim und dem Isteiner Klotz neue Wanderangebote mit Themen wie Burgen, Mineralien oder Bäumen. Zu den neuesten Routen gehören unter anderem der Rebbergweg in Oberkirch-Bottenau (7 Kilometer), der Enzquellenpfad in Enzklösterle (20 Kilometer) oder die Tour Bernbacher Grenzerfahrung bei Bad Herrenalb (12 Kilometer). Da der Schwarzwald nicht größer wird, könnte man meinen, dass es auf den Wanderwegen so langsam eng wird. Doch Platz ist noch genug.

Der Kinzigtalsteig eröffnet am 11. Oktober und verbindet auf bestehenden Wegen des Schwarzwaldvereins 13 Gemeinden zu einem neuen Rundwanderweg, dessen Symbol der Bollenhut ist. Das passt insofern, als die Etappen durch jene Orte führen, in denen die Kopfbedeckung zur historischen Tracht gehört. Für die 150 Kilometer lange Strecke mit insgesamt 5800 Höhenmetern, die idealerweise in zehn Abschnitten erwandert wird, arbeiteten der Verein Schwarzwald Tourismus Kinzigtal in Wolfach mit seinen Mitgliedsgemeinden sowie zahlreiche weitere Akteure zusammen. Touristiker, Naturschützer, Forstleute und Jäger, Landwirte und Anwohner sowie Wandervereine wurden in die Planung einbezogen.

„Hinter dem Claim ‚Steig ein in Schwarzwälder Natur und Kultur‘ steht der Wunsch, die Geschichte der Region zu erzählen.“ — Isabella Schmider

Es heißt zwar, viele Köche verderben den Brei. Bei einem solchen Projekt war die Vielzahl der Beteiligten jedoch notwendig, um alle relevanten Fragen zu klären. Was passiert, wenn ein Teilabschnitt über ein Gehöft führen soll? Wie lässt sich eine Route planen, wenn in einem Gebiet Auerhühner leben? Und kann sich ein Waldbesitzer gegen einen Wanderweg auf seinem Gelände sperren? Im Prinzip nicht, denn das Landeswaldgesetz sieht vor, dass diese zu dulden sind.

Wandern schafft Wertschöpfung

Für Isabella Schmider, Geschäftsführerin von Schwarzwald Tourismus Kinzigtal, war das Ziel von Anfang an klar: Alle Mitgliedsgemeinden sollten durch den Fernwanderweg miteinander verbunden werden. Das soll Wertschöpfung bringen, nicht nur in der Hauptsaison, sondern möglichst auch darüber hinaus durch Übernachtungen, Kurtaxe, Essen und Trinken sowie mögliche Einkäufe. Der Claim des Steigs lautet: Steig ein in Schwarzwälder Natur und Kultur. Dahinter steht der Wunsch, die Geschichte der Region zu erzählen, sagt Schmider. Davon gibt es viel: Haslach und Hofstetten sind mit dem Heimatschriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob verbunden, Hornberg mit der Legende Hornberger Schießen, Schiltach mit seiner Tradition der Flößerei.

Für den Fernwanderweg wollte man deshalb auf möglichst viele bestehende Wanderwege zurückgreifen. Keine Etappe sollte länger als 20 Kilometer sein. Beide Ziele wurden von dem dafür beauftragten Dienstleister, der Schonacher Agentur und Genossenschaft Tour Konzept, umgesetzt. Zum festen Stamm der Agentur gehören zwölf Mitarbeitende. Der Schwerpunkt liegt auf Wanderwegen. „Die Leidenschaft fürs Wandern muss man mitbringen“, sagt Simone Nierholz, Projektleiterin der Wegeschmiede. Zur Agentur gehören Betriebswirte, Umweltplaner, Ausstellungsgestalter, Designer und Grafiker. Bekannt geworden ist Tour Konzept unter anderem durch die Augenblicksrunden im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. An der Entwicklung des Kinzigtalsteigs war sie über mehrere Jahre beteiligt.

Vorbilder für Projekte wie den Kinzigtalsteig gibt es einige, auch wenn sie sich nicht unmittelbar vergleichen lassen. Der 2011 eingeweihte Renchtalsteig umrundet auf 98 Kilometern das gesamte Renchtal. Die Gemeinden im Renchtal sind, von Oberkirch abgesehen, deutlich kleiner als die im Kinzigtal.

Ein weiteres Beispiel für einen gelungenen Fernwanderweg mit Synergieeffekten ist der italienische Rundwanderweg Percorsi Occitani im nordwestlichen Piemont. Er entstand Anfang der 1990er-Jahre in einer Region, die unter starker Abwanderung litt und als „schwarzes Loch Europas“ bekannt wurde. Heute können Wanderer dort auf 177 Kilometern und in 14 Etappen in Mittelklassehotels und Berghöfen, aber auch gehoben übernachten und essen. Der Wandertourismus hat das Tal belebt.

Kinzigtalsteig Wegewart bringt Wanderschilder an
Kinzigtalsteig Wegewart bringt Wanderschilder an
Alle Wegezeichen – 450 Hauptwegweiser und 3000 Kinzigtalsteig-Rauten – sind montiert.

Einkehr ist Bedingung

Ob es auch im Kinzigtal genügend Gästezimmer für die Wanderer geben würde, war ebenfalls eine Frage bei der Planung. Das Gasthaussterben betrifft aus vielerlei Gründen auch den Schwarzwald. Wer wandert, kennt das: Nicht jede auf einem Wanderschild ausgewiesene Wirtschaft ist tatsächlich noch geöffnet. Dennoch ging der Plan auf, für jede der zehn Etappen eine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten.

„Es gab die Vorgabe, dass wir, wo es möglich war, auf dem Wegenetz des Schwarzwaldvereins bleiben“, sagt Simone Nierholz. „Das haben wir auch geschafft.“ Der Kinzigtalsteig besteht zu 94 Prozent aus bereits beschilderten Wegen des Schwarzwaldvereins. Dort, wo es Lücken gab, mussten neue Verbindungen geschaffen werden.

Auf einer Etappe mit einem hohen Anteil an Forstwegen kam ein Eigentümer auf die Idee, in seinem Wald einen neuen Pfad anzulegen. Zwischen Sankt Roman und Wolfach musste wegen des Auerhuhn-Schutzgebiets umgeplant werden. Im Oktober 2022 wurden alle beteiligten Akteure zu einem runden Tisch eingeladen. Auf einer Karte wurden anschließend wichtige Ziele wie Orte, Gasthäuser und Bahnhöfe sowie Points of Interest (POI) markiert, etwa die Burg in Hornberg. Eine Herausforderung bestand darin, die Wanderung auf möglichst wenig Asphalt verlaufen zu lassen. Das dient nicht nur der Qualität, sondern spielt auch bei der Zertifizierung durch den Deutschen Wanderverband eine Rolle.

Wegebearbeitung für Kinzigtalsteig
Der Kinzigtalsteig ist bereit für Wanderfans. Die 150 Kilometer lange Strecke überwindet 5800 Höhenmeter.

Die konkrete Planungsarbeit verzögerte sich zunächst durch die Bewilligung der Fördergelder. Das dauerte ein halbes Jahr. Um den genauen Verlauf festzulegen, wurden Strecken begangen und geprüft. Dabei ging es auch darum, die ideale Laufrichtung festzulegen – von Gutach zum Fohrenbühl und von dort weiter nach Schramberg und von dort nach Schenkenzell. Da es fast überall einen Bahnhalt gibt, lassen sich auch kleinere Touren wandern.

Die Strecken sollten abwechslungsreich sein. „Wir haben im Prinzip alles an Wegen drin“, sagt Simone Nierholz, die selbst ebenfalls Abschnitte gelaufen ist. „Wir haben steile Pfade, aber auch einfache Abschnitte, wo man mal ganz lang nur auf einem breiten Forstweg läuft. Das ist halt so. Wenn man von A nach B will, hat man nicht immer die Wahl.“

Die Eröffnung ist für den 11. Oktober angesetzt. Mittlerweile sind alle Wegezeichen – 450 Hauptwegweiser und 3000 Kinzigtalsteig-Rauten – montiert. Die Premiere ist genau richtig terminiert. So geht für die Macher des Fernwegs die Rechnung auf, die ihr schönes Tal auch gerne in der Nebensaison besucht haben wollen. Die Welt weiß auch Bescheid. Auf Komoot und Outdooractive ist der Kinzigtalsteig zu finden, ebenso auf Instagram, wo der Wandersteig schon mehr als 900 Follower (Stand Ende August) hat.

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