Autovermietung: Billiger, aber mit kostbarem Service

Das Vergleichsportal billiger-mietwagen.de wurde vor 15 Jahren in Freiburg gegründet, hat sich seither zu einer der führenden Mietwagenplattformen entwickelt und wächst weiter.

Von Anna-Lena Gröner

Es ist der Traum aller Startup Gründer: mit der eigenen Idee erfolgreich sein. Christian Mahnke ist so ein Startup Held. 2003 gründete der damalige Volkswirtschaftsstudent in Freiburg sein Tech-Startup, das Vergleichsportal billiger-mietwagen.de. Nur zehn Jahre später verkauft der junge Geschäftsmann 74,9 Prozent seiner Firma mit dem Namen Silvertours GmbH an die Prosiebensat1 Group, genauer an das Konzernunternehmen Sevenventures GmbH (heute NuCom Group) – für 46,7 Millionen Euro. 2015 zieht sich Mahnke als Geschäftsführer aus dem operativen Geschäft zurück und verkauft im Februar dieses Jahres die restlichen Minderheitsanteile von 25,1 Prozent für 59 Millionen Euro an die NuCom Group. Alles richtig gemacht, möchte man dem Herren zurufen, der inzwischen nach London gezogen und laut sozialem Netzwerk Linkedin dort als Investor tätig ist.

Das Vergleichsportal billiger-mietwagen.de hat sein Büro immer noch in Freiburg. Seit 2005 zudem ein weiteres Büro in Köln. Der Standort in Südbaden ist das Herzstück des Unternehmens. Hier passiert das, was billiger-mietwagen.de von der Konkurrenz wie Check24-Reisen, Kayak oder Rentalcars unterscheidet: „Wir sind kein Callcenter, sondern ein Reisebüro und beschäftigen hauptsächlich ausgebildete Reiseverkehrskaufmänner und -frauen“, sagt Peter Dittrich. Man möchte durch Service und persönlichem Kontakt punkten. Dittrich ist seit sechs Jahren im Unternehmen tätig, seit drei Jahren ist er Standortleiter in Freiburg. Der persönliche Kontakt sei gerade den anspruchsvollen „Best Agern“ über 40 wichtig, weiß er. „Sie wählen nicht das günstigste Angebot, sondern setzen auf Beratung.“ Diese Zielgruppe würde immerhin ein Drittel der Gesamtkunden darstellen.

Auf Nummer sicher

Über eine Million Buchungen verzeichnet die Plattform im Jahr. 40.000 Stationen auf der ganzen Welt werden im Portfolio von billiger-mietwagen.de geführt und gepflegt. Die Nummer eins der Auslandsdestinationen ist Spanien und hier, wer hätte es geahnt, die Hauptstadt Palma auf der Deutschen Lieblings-Baleareninsel. Das Prinzip von billiger-mietwagen.de ist einfach: man macht Verträge mit Direktvermietern wie Hertz, Europcar oder Avis und mit Veranstaltern wie Sunnycar oder Autoeurope. Die Veranstalter kaufen Kontingente bei den Direktvermietern, können dadurch günstige Angebote sichern und verdienen ihr Geld, indem sie den Kunden weitere Pakete, zum Beispiel durch Versicherungen, schnüren.

netzwerk südbaden

Das Herzstück des Vergleichsportals sitzt in den Freiburger Büroräumen in der Konrad-Goldmann-Straße. Foto: Alexander Dietrich

„Wir vergleichen alles im Markt und sind letztlich die Vermittler, also ein Reisebüro“, sagt Dittrich. „Geld verdienen wir über die Provision, die wir von unseren Anbietern dafür erhalten.“ Das Interesse der Anbieter, einen Vertrag mit dem Vergleichsportal abzuschließen, sei dabei vor allem die kostenlose Werbung, die für sie damit betrieben werde. „Wir sind auf E-Commerce ausgelegt und sie sparen sich teure Marketingkosten“, sagt der Standortleiter. Billiger-mietwagen.de versucht auf seiner Website alles so transparent wie möglich abzubilden. Wer das billigste Angebot wählt, erhält dazu gleich Kundenbewertungen, erfährt, ob vor Ort weitere Kosten, durch beispielsweise eine erste Tankfüllung, auf ihn zukommen und erhält nützliche Tipps. Die Buchungen sind bis zu 24 Stunden vor Mietbeginn kostenlos stornierbar – auch ein Argument, mit dem der Mietwagenvergleicher punktet.

Ein weiteres Gewinner-Kriterium des Vergleichsportals ist die benutzerfreundliche Website mit der man sich seinen Kunden präsentiert. Die Softwareentwickler in Köln sind im Dauereinsatz, denn so wie die Mietwagen der Kunden muss auch die Plattform rundlaufen. Das Ergebnis: einfache Bedienung und alle Informationen auf einen Blick. Während in Köln die Website im Fokus steht, übernehmen die 54 Mitarbeiter in Freiburg die Kundenbetreuung, kümmern sich um die Buchungen, aber auch um Schadensfälle oder Reklamationen. Sie erfahren es zuerst, wenn den Kunden etwas nichtgefällt, diese auf der Website nicht weiterkommen oder ein Vertragspartner nicht verlässlich ist. „Unsere Servicemitarbeiter tragen somit einen maßgeblichen Anteil für die Weiterentwicklung unseres Buchungssystems bei“, sagt Dittrich. Ein enger Austausch zwischen dem Kundenservice in Freiburg und den Softwareentwicklern in Köln ist immer gegeben. Dafür wurde extra ein Mitarbeiter berufen und in Software-Sprech geschult. Mindestens ein Mal in der Woche hält er eine Konferenz mit den Entwicklern. Eine von vielen Maßnahmen, mit denen man sich bei billiger-mietwagen.de stets verbessern möchte.

Das Mietwagenbusiness ist vor allem ein Saisongeschäft. Im Frühjahr und Sommer sind die buchbaren Autos hart umkämpft, in den Wintermonaten herrscht ein Überangebot und regelrechtes Preisdumping unter den Anbietern. Auf diesen Schnäppchenkampf hat man bei billiger-mietwagen. de keinen Einfluss. Somit konzentriert man sich ganz klar auf die Hochsaison. Von Mitte Mai bis Ende August würden die Mitarbeiter vertraglich mehr arbeiten. Die Zeiterfassung per Fingerprint speichert alle Überstunden und es kommt in den ruhigeren Monaten zum verdienten Ausgleich. Auch Sommerferien werden hauptsächlich den Mitarbeitern mit schulpflichtigen Kindern überlassen, der Rest der Belegschaft nehme sich dann gerne über die kalten Wintermonate den Jahresurlaub. Diese Arbeitsmethoden kommen für die billiger Mietwagen-Mitarbeiter nicht überraschend. Auch hier sei man transparent, würde alles zu Beginn der Anstellung kommunizieren und festlegen.

Peter Dittrich gibt zwar zu, dass es schwierig sei, Mitarbeiter zu finden, versichert aber auch, dass man am Standort Freiburg eine sehr niedrige Fluktuation habe. Flache Hierarchien, wöchentliche sogenannte Standups, bei denen sich die Teams im Kreis gegenüberstehend austauschen, eine transparente Jahresvorschau, Weiterbildungsmaßnahmen, ein Ruheraum zum Ablegen und eine große Gemeinschaftsküche mit kostenlosem Getränkeangebot ist nur ein kleiner Auszug aus den Benefits, die die Mitarbeiter genießen. Für die Zukunft möchte man billiger-mietwagen.de vor allem für die mobile Nutzung stetig verbessern. „Kaum jemand fährt noch abends den Rechner hoch. Die Leute wollen alles schnell und nutzerfreundlich über das Mobiltelefon erledigen“, sagt Dittrich. Die Herausforderung läge dabei für ihre Plattform vor allem darin, die vielen Informationen der Website gut auf den kleinen Displays darzustellen.

Dittrich ist sich sicher, dass in Zukunft noch viel mehr über die Smartphones laufen wird. Ähnlich wie man das von den Carsharing- Konzepten kennt, würde das Handy dann zum Beispiel auch als Autoschlüssel fungieren. Die Schalter vor Ort würden somit hinfällig. Billiger-mietwagen.de verzeichnet seit der Gründung vor 15 Jahren ein stetiges Wachstum bei den Vermietungen: 2017 wurden 8,75 Millionen Mietwagen vermittelt. 17 Prozent mehr als im Vorjahr. 2018 rechnet man erneut mit einem zweistelligen prozentualen Wachstum. Der Service zahlt sich aus. Schließlich hängt die Urlaubsfreude auch vom Mietwagen ab.