Pumptrack: Bewegung für eine
städtische Brache

Durch den Online-Beteiligungshaushalt der Stadt Freiburg hat sich ein Thema ganz neu auf die Agenda gebracht, das bisher keiner kannte: Ein sogenannter Pumptrack könnte nahe der Bahnhofsbrücke entstehen. Das Gelände gehört der Firma Unmüssig.

Von Anna-Lena Gröner

Ein unschöner Flecken mitten in der Stadt: Papiertücher in den Büschen, Plastiktüten in Ästen, ein verwildertes Heckengelände mit wenig ansehnlichem Anblick. Die kleine Grünfläche neben der Wiwilibrücke ist sogenannte Ausgleichsfläche der 2009 fertiggestellten Bürogebäude in der Wentzingerstraße 17–19. Laut Bebauungsplan soll die 3.125m² große Freifläche „Mit einem der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Fußweg […] erschlossen werden, die der Erholung dient und als Spielfläche für Kinder genutzt werden kann.“

Davon ist bis heute wenig zu sehen. Vor sich hin gammelnder Müll statt spielender Kinder. Bisher scheint dieser Zustand niemanden interessiert zu haben – auch nicht die Stadt. Mit seinem Projekt „Pumptrack“ hat der „Mountainbike Freiburg e.V.“ aktuell auf dieses kleine Stückchen Grün aufmerksam gemacht. Er sieht darin die geeignete Fläche für einen asphaltierten, geschlossenen Rundkurs aus Wellen und Kurven, der von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen genutzt werden kann.

Im Pumptrack: Fahrgefühl bekommen und Bewegungsabläufe trainieren.

Bei einem Pumptrack können Koordination, Geschwindigkeit und Ausdauer mit dem rollenden Sportgerät (Fahrrad, Skateboard, Laufrad, Inlineskater etc.) auf einer Runde spielerisch erlernt oder ausgefeilt werden. In den örtlichen Medien war der Pumptrack gegenwärtig, nachdem es das Projekt vor wenigen Wochen mit 403 Stimmen auf den ersten Platz des Online-Beteiligungshaushaltes geschafft hatte. Nun musste sich auch die Stadt damit befassen. Das schmeckte nicht allen Fraktionen und Politikern im Gemeinderat.

„Allgemein hatten wir das Gefühl, dass der Beteiligungshaushalt nicht ganz ernst genommen wird und unsere Art der Bewerbung später als Kampagne bezeichnet wurde“, sagt Hannah Röther, Mitglied des „Mountainbike Freiburg e.V.“ und Initiatorin des Pumptrack-Projektes. Lediglich über die Facebookseite des Vereins hatte man Werbung bei den knapp 800 Vereinsmitgliedern und 3.200 Facebook-Followern gemacht, womit  viele Stimmen gesammelt wurden. „Daraufhin gab es im Gemeinderat Diskussionen und es wurde aus manchen Richtungen etwas herabwürdigend über den Beteiligungshaushalt gesprochen“, bestätigt auch Irene Vogel, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Liste Freiburg.

Als einzige Fraktion hatten sie den Pumptrack in ihre Haushaltsanträge aufgenommen. „Wir finden es eine sehr gute Sache. Das Thema wollen wir außerdem im Bebauungsausschuss und im Kinder- und Jugendausschuss diskutieren“, so Vogel. Insgesamt 40.000 Euro wollte die Unabhängige Liste Freiburg für den Pumptrack einstellen, der Antrag wurde nicht angenommen. Zwischen 60.000 und 80.000 Euro soll er insgesamt kosten – je nach Größe. Für den „Mountainbike Freiburg e.V.“ war der Sieg beim Beteiligungshaushalt Fluch und Segen zugleich.

„Eigentlich hatten wir ihn gar nicht auf dem Schirm“, so Röther. „Anfangs hatten wir den Plan verfolgt, der Stadt erst ein Grundstück zu präsentieren, auf dem wir den Pumptrack bauen dürfen und sie dann zu fragen, ob sie sich daran beteiligen möchte.“ Nach der Ablehnung durch die Gemeinderats-Mehrheit sieht der Verein in der Finanzierung das kleinere Problem. Über Crowdfunding möchte er 10 Prozent des Projektes sogar selbst finanzieren. „Wir haben auch schon erste Anfragen von Leuten aus der Wirtschaft, die sich gerne mit ihrer Firma am Bau beteiligen wollen. Sobald wir wissen, wo der Pumptrack einmal stehen wird, hoffen wir darauf, die Finanzierung über Sponsoring voranzutreiben“, sagt Röther.
Doch genau beim Thema Standort liegt der Haken. Jedes Grundstück ist in Freiburg bekanntermaßen hart umkämpft. Schnell hatte der Mountainbike Verein das genannte Stückchen Land neben der blauen Wiwilibrücke ins Auge gefasst. Es ist gut zugänglich, würde in jedem Fall aufgewertet werden und den Stühlingerpark, der jüngst wieder durch kriminelle Ereignisse für Negativschlagzeilen sorgte, beleben. „Ein Pumptrack ist ein Symbol für nachhaltige Mobilität, für Fahrradfahren und Gesundheit. Es ist kein Nischensport, wie manche vermuten, sondern ein besonders bewegungsfreundlicher Spielplatz für Jung und Alt. Das passt so gut neben die Blaue Brücke und die Fahrradstation“, finden Röther und ihr Verein.

Auch Grundstücksbesitzer und Bauunternehmer Peter Unmüßig ist dem Pumptrack-Projekt positiv zugetan und hatte versichert, das Gespräch mit der Stadt zu suchen. Für ihn wäre es wohl die ideale Verwendung, zumal die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen dort bisher nicht umgesetzt wurden. Auch der Bürgerverein Stühlinger ist von der Idee begeistert. Nach ersten Anfragen ist das Freiburger Baurechtsamt allerdings der Auffassung, dass ein Pumptrack neu genehmigt werden muss. Das würde eine aufwändige und zeitfressende Änderung des Bebauungsplanes bedeuten.
Ein wirkliches Alternativgrundstück für den Pumptrack gibt es bisher nicht. Der Architekt und Mitglied des „Mountainbike Vereins Freiburg“, Stefan Abé, sieht den aktuellen Bebauungsplan mit dem Bau eines Fahrrad-Rundkurses jedoch vereinbar. „Mit dem Pumptrack wäre die Fläche öffentlich zugänglich und würde der Erholung und als Spielstätte dienen. Die geforderten grünordnerischen Maßnahmen aus dem Bebauungsplan stehen dazu nicht im Widerspruch.“ Zudem würde man sich in Freiburg aktuell zu wenig um Bewegungsräume kümmern. Thema Nummer eins bleibt nunmal der Wohnungsbau.

Den Sieg beim Beteiligungshaushalt sieht Abé trotzdem mehr als Segen, denn als Fluch. „So können wir nicht einfach übergangen werden und die Stadtverwaltung steht unter einem gewissen öffentlichen Druck, nach einem geeigneten Platz für das Thema zu suchen.“ Auch wenn es bei den aktuellen Haushaltsverhandlungen für den Pumptrack nicht geklappt hat, will der „Mountainbike Verein Freiburg“ am Projekt und dessen

Realisierung dran bleiben. Ob die Ausgleichsfläche an der Wiwilibrücke am Ende zum passenden Grundstück werden wird, bleibt fraglich. Dem momentanen Erscheinungsbild würde es jedenfalls gut tun.

Zur Homepage des Mountainbike Verein Freiburg e.V.

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