Bildung: Schloss macht Schule

Gemeinsam mit zwei chinesischen Investoren möchte Christian Hodeige eine internationale Privatschule eröffnen. Dafür wollen sie das historische Malteserschloss in Heitersheim im Markgräflerland kaufen. Dagegen hat sich im Ort eine Bürgerinitiative gegründet. Im September fällt die Entscheidung.

Von Daniel Ruda

In der Barockzeit diente es geistlichen Großprioren und später vornehmen Fürsten als Residenz, die Geschichte des Heitersheimer Malteserschlosses reicht bis an den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. In diesen Tagen wird im 6000-Einwohner- Städtchen im Markgräflerland viel über seine Zukunft gesprochen. Die Lage ist folgende: Der Freiburger Orden der Vinzentinerinnen, seit 1893 Eigentümer, möchte das Schlossensemble schon seit mehreren Jahren verkaufen.

Die Glaubensschwestern, in Heitersheim leben derzeit 52 im Alter um die 80, werden immer weniger. Seit ein paar Wochen gibt es nun konkrete Pläne für eine neue Nutzung der prunkvollen Immobilie. Eine internationale Privatschule mit Internat für 300 Schüler soll rein, zwischen 18 und 25 Millionen Euro wollen drei Investoren in diese Idee stecken. Einer von ihnen ist Christian Hodeige, Verleger der Badischen Zeitung. Seine beiden Partner kommen aus China.

„Die Idee, eine solche Schule zu gründen, hegen wir seit drei Jahren“, sagt Hodeige. In der Region um Freiburg – in der Stadt selbst fand sich bei der Suche kein passender Ort für das Projekt – herrsche wegen der Nachfrage nach Bildung etwa aus Fernost und auch wegen der Internationalität von Mitarbeitern vieler Einrichtungen, Projekte und Unternehmen Bedarf für eine (weitere) englischsprachige Schule. An der sollen Jugendliche in einer dreijährigen Oberstufenzeit das internationale dem Abitur entsprechende Baccalaureate erlangen können.

Vorbildcharakter dafür habe das 2014 in Freiburg gegründete Robert Bosch College, das zum Bildungsverband United World Colleges mit 18 Schulen weltweit zählt. Hodeige, einst selbst UWC-Absolvent in Kanada, sitzt Bis zu 25 Millionen Euro wollen die Investoren in das internationale Schulprojekt stecken. Foto: Hans Joachim Fünfgeld/ZVG im internationalen Aufsichtsrat und lernte dadurch Mark Wang kennen.

Er ist einer der beiden Partner für die neue Schule, die unabhängig von jener in Freiburg agieren soll. Wang ist in China ein bekannter Mann mit außergewöhnlicher Vita. Ein paar Eckpunkte: Als Zwölfjähriger überlebte er schwerverletzt einen Flugzeugabsturz, verbrachte mehrere Jahre in einer Rehabilitationseinrichtung und kam über ein Stipendium der norwegischen Königin an ein UWC in Norwegen. Der 37-jährige ist erfolgreicher Unternehmer, setzt sich in China für die Rechte behinderter Menschen ein und gründete selbst ein UWC.

Seine Autobiografie wurde zum Bestseller und seine Geschichte zum Stoff für eine TV-Serie. Auch der dritte Unternehmer betreibe bereits Privatschulen. Christian Hodeige und Mark Wang stellten Mitte Mai das Konzept in einer Gemeinderatssitzung vor, zu der rund 150 Bürger gekommen waren. Die Investoren betonen den ideellen Ansatz ihres Vorhabens, das mit einer Betreibergesellschaft – voraussichtlich mit Sitz in Heitersheim und Hodeige als Mehrheitseigner – realisiert werden soll.

„Es ist letztlich auch eine Art Friedensarbeit in diesen schwierigen Zeiten“, sagte Hodeige im Gespräch mit netzwerk südbaden. Man könne sich nur besser verständigen, wenn man miteinander lebe und voneinander lerne. Daraus könne eine andere Beziehung erwachsen. Kurz nach Bekanntwerden der Pläne hatte sich im Ort eine Bürgerinitiative gegründet, die für den Erwerb des Schlosses durch die öffentliche Hand und eine vielfältige Nutzung plädiert. Das Anwesen solle Einrichtungen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales, Gesundheitspflege und auch kleinen Unternehmen Raum bieten.

Rund 200 Heitersheimer sind der BI bis Anfang Juni beigetreten, darunter auch fünf Mitglieder des neu gewählten Gemeinderates. „Jeder sollte etwas vom Schloss haben“, verlangt der BI-Vorsitzende Szolt Pekker. „Das würde auch zur Entlastung gegenüber dem enormen Siedlungsdruck in der Region“ beitragen. Es ist einer der Hauptkritikpunkte, viele weitere schließen sich an: Eine solche Schule könne zum Fremdkörper mit kaum Kontakt zu den Heitersheimern werden, der Wohnraum sei nicht ausreichend für 300 Schüler sowie Lehrer und aufgrund der Gesellschaftsform könne die Stadt auf ewig ihr Vorkaufsrecht verlieren.

Dass mehr die wirtschaftliche als die ideelle Idee hinter dem Projekt der Investoren stecke, darüber glaubt Szolt Pekker gerade aufgrund der involvierten chinesischen Unternehmer Bwescheid zu wissen. „Die Diktatur in China strahlt auf die Kultur von Investoren wie Mark Wang ab, der dem Staat verbunden ist und bereits eine Auszeichnung des Staatspräsidenten verliehen bekommen hat“, ereifert sich der 61-Jährige. Aktuell handelt die Stadt, die ein Vorkaufsrecht hat, mit den Investoren aus, „zu welchen Bedingungen wir mit dem Verkauf und der Gründung einer solchen Schule im Malteserschloss einverstanden wären“, sagt Heitersheims Bürgermeister Martin Löffler.

Im September werde der Gemeinderat dann eine Entscheidung treffen. Bis dahin will Christian Hodeige weiter öffentlich mit der Stadt im Dialog bleiben, etwa bei einer geplanten Bürgeranhörung. Seine Geschäftspartner nimmt er vor Kritik ob der behaupteten Fragwürdigkeit ihrer Intentionen in Schutz. Unterstützung für die Schulidee kommt aus den Reihen der Vinzentinerinnen, weil sie dem Geist des Ordens entspreche. „Wenn eine Mehrheit der Heitersheimer die Schule nicht will, dann schauen wir uns anderswo um“, sagt Christian Hodeige. Ein Zuhause in Südbaden solle sie in jedem Fall finden. „Meine chinesischen Geschäftspartner haben sich in die Region verliebt.“