Carla Cargo: Ein E-Anhänger kommt ins Rollen

Carla Cargo aus Bombach kann mit seiner nachhaltigen Idee die Mobilitätsprobleme in den verkehrsgeplagten Innenstädten lösen.

Von Anna-Lena Gröner

Heute werden die elektrobetriebenen Fahrrad-Anhänger von Carla Cargo in einer großen Lagerhalle in Bombach bei Kenzingen weiterentwickelt, fertiggestellt und verpackt, um in ganz Deutschland und nach ganz Europa verschickt zu werden. Auf insgesamt 800 Quadratmetern läuft das Geschäft des jungen Start-up Unternehmens ziemlich schnell, ziemlich gut.

2014 tüftelte Initiator und Ingenieur Markus Bergmann nach Feierabend noch in seiner Garage in Gundelfingen an ersten Prototypen des E-Fahrradanhängers. Damals alles finanziert durch Crowdfunding. Seit Sommer 2014 fahren die ersten Carla-Anhänger für die Gartencoop Freiburg frisches Gemüse aus. Hier entstand damals auch die Idee, ein intelligentes Anhängerkonzept für die solidarische Landwirtschaft zu entwickeln, um den Transport zu vereinfachen.

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Der Carla Cargo PowerTrailer ist als Fahrrad-Anhänger und Handwagen einsetzbar.
Foto: Carla Cargo

Nur ein Jahr später wurden acht Anhänger verkauft, das junge Start-up Team belegte mit seinem innovativen Anhänger den 1. Platz beim Econauten Förderprogramm des Freiburger Start-up Gurus Grünhof und seither kommt das Geschäft ins Rollen. Seit 2016 unterstützt der Energieversorger Badenova das junge Unternehmen mit einem Innovationsfond. „Diese Förderung macht es möglich, dass ich bei Carla Cargo als Ingenieur arbeiten kann“, sagt Simon Bornmann. Er entwickelt vor allem die Auflaufbremse des Lastenanhängers immer weiter.

Denn Sicherheit, Effizienz und Fahrkomfort machen Carla Cargo zu einem echten alleskönnenden Kraftpaket. Der Elefant im Logo ist daher Programm. 150 Kilogramm Ware kann auf dem leistungsfähigen Anhänger auf einer Fläche von 165 x 65 Zentimetern verstaut werden. Abgehängt vom Fahrrad fungiert Carla auch als Handwagen, der einfach zu rangieren ist und perfekt in Fußgängerzonen genutzt werden kann. Hier löst Carla Cargo ein Problem, das sich vor allem die Lieferlogistik immer häufiger gestellt sieht:
Durch den wachsenden e-commerce muss besonders auf der „letzte Meile“, also den letzten Metern zwischen Empfänger und Auslieferer, in den Städten umgedacht werden. Über 10 Millionen Pakete werden täglich innerhalb Deutschlands versendet. Das Ergebnis: verstopfte Straßen, Lärm und schlechte Luft in den Städten. Die großen Zulieferer wie DHL, UPS, DPD und Hermes sind längst damit beschäftigt, bei der Auslieferung im urbanen Raum auf nachhaltige Konzepte umzusteigen.
Für sie ist neben Umwelt und Image auch der ökonomische Vorteil der E-Lastenräder und –Scooter gegenüber den Kleintransportern interessant. In der Stuttgarter Innenstadt stellt DHL Pakete bereits seit Oktober 2016 mit dem sogenannten StreetScooter Work zu, einem Elektroauto speziell für die Paket- und Briefzustellung. Auch in Freiburg kommen die DHL-Elektrofahrzeuge zum Einsatz, allerdings momentan nur im Umland. Bundesweit sind insgesamt 5.000 StreetScooter unterwegs. Hermes testete jüngst den E-Scooter TRIPL in der Göttinger Innenstadt, mit durchaus positivem Fazit. Bis 2025 möchte das Logistikunternehmen seine Pakete in den Innenstadtgebieten aller deutschen Großstädte emissionsfrei zustellen. DHL plant bis 2050 seine gesamte Zustellflotte auf CO²-freie Fahrzeuge umzustellen. Die Herren von Carla Cargo liefern mit ihrem Lastenanhänger daher ein perfektes timing und in jedem Fall eine nachhaltige Lösung für die Zukunft.

Im Lörracher Stadtzentrum werden seit 2016 mit ihrem Handwagen UPS-Pakete erfolgreich ausgeliefert. Bald sollen die Fahrräder davor gespannt und weitere Städte einbezogen werden. Ihre Carla kommt an und überall dorthin, wo Barrierefreiheit gewährleistet ist. Doch die drei Ingenieure Markus Bergmann, Simon Bornmann und Aike Gerdes, die Köpfe hinter Carla Cargo, haben nicht das Ziel, Logistikunternehmen anzuzapfen. Vielmehr freuen sie sich über den Einsatz ihres Anhängers, bei dem er nicht nur rein funktionell gesehen wird. „Wir finden den Gedanken schön, Menschen Lösungen anzubieten, die nach einer nachhaltigen Alternative suchen, und dass Carla auch als Plattform dient, um neue Projekte zu verwirklichen“, sagt der 32-jährige Simon Bornmann.

So setzt ein französischer Kunde seine eigenen Küchenaufbauten auf die Carla-Anhänger und serviert daraus Streetfood in Fußgängerzonen und Parks. In Freiburg veranstaltet Nathan Thurlow im Sommer mit einem ganzen Carla-Fahrrad- Zug und unter dem Motto „Nächstenliebe“ regelmäßig kosten- und lärmfreie Silent- Partys unter freiem Himmel. Wenn es für das Start-up so weitergeht, können auch die drei fleißigen Ingenieure in Zukunft feiern. Schon Anfang 2017 waren die ersten 50 Carla-Modelle ausverkauft. Seither wurden etwa 30 weitere Anhänger und Handwagen europaweit verschickt. „Am weitesten ging es für unsere Carla bisher nach Bratislava und Manchester“, weiß Markus Bergmann. Die 100-Marke möchte das junge Unternehmen Anfang 2018 knacken. Carla könnte sich zu einer echten rollenden Alternative in der Zulieferer- und Nachhaltigkeitsszene entwickeln. Die Zeit spricht dafür, ihr Vorsprung vor der nachrückenden Konkurrenz ebenso.

 

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