Datenschutz: Kleiner Kanton mit großem Zugpferd

Die jüngsten Hackerangriffe beim Flugzeugbauer Airbus sowie auf zahlreiche deutsche Politiker und Prominente haben die Diskussion um die Sicherheit unserer Daten erneut angefacht. In Schaffhausen in der Schweiz sitzt das Unternehmen Acronis, das sich weltweit auf Datensicherheit spezialisiert hat und Lösungen anbietet, mit denen selbst die Tech-Riesen arbeiten.

Von Anna-Lena Gröner

Vom Schuhputzer zum Millionär. Das ist die Geschichte von Serguei Beloussov, gebürtiger Russe, heute Staatsbürger von Singapur und sie spielt im beschaulichen Schaffhausen in der Schweiz. In der 35.000-Einwohner-Hauptstadt des gleichnamigen Kantons liegt der Hauptsitz des global agierenden Datenschutzunternehmens Acronis. Hier setzt man Maßstäbe im Bereich Cyber Protection und Hybride Cloud Storage-Schutz.

Das Unternehmen macht einen Jahresumsatz von 150 Millionen US Dollar. 2008 wurde der Acronis-Hauptsitz von Singapur in die Schweiz verlegt. Die Frage nach dem Warum beantwortet Albert Messmer, Regional Sales Manager von Acronis Schweiz: „Zum einen ist das Land politisch, strategisch und wirtschaftlich neutral und stabil. Zum anderen ist die Lage für uns ein Vorteil. Gerade Schaffhausen ist mit der Nähe zu Zürich, zum Flughafen und zu Deutschland optimal gelegen.“

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Albert Messmer, Regional Sales Manager bei Acronis

Außerdem sei der Standort sehr unternehmerfreundlich und man erfahre von der Wirtschaftsförderung des Kantons optimale Unterstützung. Selbstverständlich ist das Unternehmen schließlich auch wichtig für den Kanton. „Acronis verfügt im Bereich zukunftsgerichtete Technologien über viel Know-how. Für den Standort Schaffhausen ist es wichtig, dieses Wissen vor Ort zu haben. Deshalb spielen die Aktivitäten von Acronis sowie die Zukunftspläne eine bedeutende Rolle für den Kanton Schaffhausen“, sagt Christoph Schärrer, Delegierter für Wirtschaftsförderung Schaffhausen. Und Acronis hat Großes vor im kleinen Kanton.

Gründer und CEO Serguei Beloussov möchte den Standort weiter ausbauen. Davon versteht der 47-jährige etwas. Er studierte in Moskau Physik und Technologie, promovierte in Physik und hat einen Doktor in Informatik. Als Student verdiente Beloussov sein Geld unter anderem als Schuhputzer und Anzeigenverkäufer, noch während seiner Studienzeit gründete er sein erstes Unternehmen Rolsen, heute einer der größten Elektronikhersteller in Russland. Inzwischen ist Serguei Beloussov Mehrfachunternehmer, Investor und Speaker auf der ganzen Welt.

Seit 1996 lebt er in Singapur, hat aber auch in Schaffhausen eine Wohnung angemietet, denn wer sein Unternehmen voranbringen will, muss vor Ort sein. Bei den Feierlichkeiten zum 15. Geburtstag, am 13. September vergangenen Jahres, kündigte Beloussov an, die Schweizer- Belegschaft von 25 Mitarbeitern in den nächsten Jahren verdreifachen zu wollen. Zuvor wurde bereits in neue Schulungsräume und Repräsentationsflächen investiert. Außerdem möchte man den Fokus in Schaffhausen noch mehr auf die Weiterentwicklung von Zukunftstechnologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz richten. „Für eine optimale Cyber Protection müssen diese Dinge vorangetrieben werden“, sagt Messmer.

Aber damit nicht genug: Beloussov, der gerne in großen Dimensionen denkt, möchte in Schaffhausen einen Innovationsparkt mit Namen Singularity City für rund 10 Millionen Euro bauen. Das Vorhaben laufe mit Hochdruck, das Projekt sei schon fertig entwickelt, man fange jedoch klein an und wolle dafür auch lokale Partner und Unternehmen gewinnen. „Wir planen ein technologisches Hochschulinstitut für ausgewählte Forschungsgebiete, wie Software-Engineering, Künstliche Intelligenz, Krypto-Architekturen, Quantentechnologie, digitales Business und Digital Health“, sagt Messmer.

Mit der Singularity City könnte Schaffhausen für Forscher und Wissenschaftler eine große Anziehungskraft bekommen, Acronis wäre das Zugpferd. Immerhin vertrauen weltweit fünf Millionen Verbraucher und 500.000 Unternehmen den Lösungen des IT Experten. Weltweit arbeitet man mit 15.000 Partnern zusammen, darunter Namen wie Google und Microsoft. Seit Februar 2018 greift auch das Team Williams Martini Racing auf die Acronis Datenschutzlösungen zurück.

Immerhin ist der Formel 1 Rennsport einer der technologisch fortschrittlichsten Sportarten der Welt. Acronis schützt die sensiblen Test-, Entwicklungs- und Forschungsdaten der Rennteams und sichert sich im Gegenzug mehr Markenbekanntheit und weiteres Wachstum. Auch im Fußball hat Acronis wichtige Partner gefunden. Hier unterstützt der Datensicherheitsexperte den englischen Premier-League-Club Arsenal FC und den Manchester City Football Club dabei, ihre Data Backup- und Storage-Möglichkeiten voranzutreiben. In insgesamt 150 Ländern werden die Acronis Lösungen vertrieben.

Die DACH Region sei eine der umsatzstärksten des Unternehmens, so Albert Messmer. „Wir verzeichnen hier eine Vielzahl von Kunden aus der Automobil-, Finanz-Logistik und Gesundheitsbranche.“ Gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes sagte Beloussov im November 2017, dass er das Wachstum seines Unternehmens innerhalb von sieben Jahren um mehr als das 10-fache steigern möchte. Acronis meldete 2018 bereits ein Wachstum von 200 Prozent der gesicherten Geräte im Vergleich zum Vorjahr und von 151 Prozent bei den Firmenkunden. Wenn es so weitergeht, wird Beloussov auch dieses Vorhaben gelingen.