Einzelhandel: Freiburg verhält sich atypisch zum Markt

Geschäfte müssen nicht zwangsläufig mit Online-Riesen konkurrieren: Die adco adventure company aus Freiburg verzeichnet seit Jahren gute Umsätze, bietet Veranstaltungen und verkauft Produkte – auch online.

Von Katharina Müller

Dass Freiburg in so mancher Hinsicht anders tickt, ist inzwischen bekannt und hat sich möglicherweise auch als identitätsstiftendes Element entwickelt. Dass sich das beim Einkauf von Outdoor-Artikeln zeigt, ist wohl eine neue und überraschende Erkenntnis.

Sascha Bläsen, Leiter des Onlineshops von adventure company, sagt: „Outdoor liegt seit Jahren im Trend, das macht sich natürlich auch bei uns in den Umsatzzahlen bemerkbar“. Allerdings sei Freiburg ein absoluter Sonderfall, eine Ausnahme- Stadt im Vergleich zum deutschlandweiten Kauf-Trend. Nicht wegen der guten Umsätze, sondern wegen der gekauften Produktkombinationen, stets atypisch für die Saison. Bläsen erklärt: „Im Winter gehen Jacken besonders gut, das ist überall so.

Bei uns wird aber zu fast jeder Jacke auch ein Schlafsack gekauft und manchmal sogar Zelte“, bis hin zur vollen Ausstattung mit Produkten, die eigentlich im Frühjahr und Sommer Konjunktur haben. Über die genauen Gründe lässt sich rätseln, Bläsen sieht aber einen Grund in der Kundenstruktur. Es seien meist Stammkunden, die auf Qualität und gute Beratung vor Ort setzten.

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Wird in Freiburg fast zu jeder Outdoor-Jacke dazu gekauft: Das Zelt. Foto: Sebastian Kautz

Gut geschulte Mitarbeiter, die selbst über ein umfassendes Wissen verfügen, aber auch der gute Riecher für Präsentation und Kundenbedürfnisse. Für die Kunden gibt es auf der Website deshalb auch Pflegehinweise und Informationen zu Festivals sowie Events, beispielsweise werden Multimedia-Vorträge von Experten wie Bergsteigern im Laden angeboten und es gibt Rabatt-Aktionen für ehrenamtlich engagierte Rettungshelfer.

Bläsen: „Die Veranstaltungen sind sehr beliebt, wir haben interessante Leute auf dem Podium und die Kunden schätzen Erfahrungsberichte aus erster Hand. Beispielsweise welche Ausrüstung für welche Tour wichtig ist, wie man sich vorbereitet und was man beachten muss, wenn man sich bei Temperaturen von minus 20 Grad draußen aufhält.“ Inzwischen hat die adventure company zwei Filialen und ein extra Geschäft nur für Schuhwerk.

Den Online-Shop gibt es seit über 10 Jahren, allerdings als Schaufenster im Internet. Für mehr bräuchte man zu viel Manpower und Lagerräume. Es war von Anfang an klar, dass man nicht mithalten wollte mit den Großen. Stattdessen gibt es einen Verleih-Service, beispielsweise für Schneeschuhe oder Steigeisen, wichtig auch für jene Phasen, in denen der Markt etwas stagniert, wie derzeit. „Allerdings“, so Sascha Bläsen, sei das ein „Jammern auf ziemlich hohem Niveau“.

Natürlich sei auch die Parksituation in der Stadt, gerade an Samstagen, sehr schlecht. Seine Kunden, wenn sie nicht gerade aus den umliegenden Gemeinden, wie zum Beispiel Denzlingen kommen, seien aber meist mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs und das sei auch ein Grund für den Online-Shop, „klein, fein, aber regional und ein Zusatz für die Kunden von außerhalb.“ Die Aussicht für das Jahr 2018, hinsichtlich der Umsatzerwartungen, seien daher trotzdem nach wie vor sehr positiv.