Feuerwehr: Mehr Asche für mehr Sicherheit

Gemeindefeuerwehren in Baden-Württemberg werden seit vergangenem Jahr mit mehr Geld vom Land unterstützt. Mehrgeld, das auch die Freiburger Feuerwehr – die einzige Kommune in Südbaden, die eine Berufsfeuerwehr hat – gut gebrauchen kann. Wo diese Unterstützung eingesetzt wird, warum verbesserte Sicherheit den Druck erhöht und wieso Kinder die besseren Notrufanrufer sind.

Von Anna-Lena Gröner

Die Farbe der 2011 gebauten Wache in der Eschholzstraße im Stühlinger leuchtet feuerrot. Bei der Ausrüstung der 131 Feuerwehrmänner und tatsächlich einer Feuerwehrfrau dürften so manch andere Kollegen grün vor Neid werden. Jérôme Krämer, Abteilungsleiter Einsatzdienst und Wachleitung bei der Berufsfeuerwehr Freiburg, führt stolz durch seine Wache. Mit einem Augenzwinkern verrät er, dass man lediglich einen Feuerwehr-Helikopter vermissen würde. „Den könnten wir bei den ganzen Baustellen in Freiburg durchaus gebrauchen.“ Auch ohne Hubschrauber werden Krämer und seine Kollegen als Helden gefeiert – und das nicht nur bei den Kids.

Das Image der Feuerwehr ist gut. „Jeder Innenminister und Bürgermeister schmückt sich gerne mit der Feuerwehr“, sagt Krämer. Und angesehenes Schmuckwerk soll glänzen. Daher hat das Land Baden-Württemberg 2018 so viel Geld wie noch nie für die Feuerwehr in die Hand genommen. Mit 56 Millionen Euro aus der Feuerschutzsteuer fördert es seine geschätzten Gemeindefeuerwehren. Die Unterstützung wird gebraucht, um die Kommunen in Südbaden zu entlasten. Investitionen gibt es genug: In der Eschholzstraße werden gerade die Ausbildungsräume saniert, in Eschbach soll ein neues Ausbildungszentrum für fünf Millionen Euro gebaut werden, in Freiburg St. Georgen entsteht aktuell ein neues Feuerwehrhaus, eine regionale Übungsanlage im Gewerbepark Breisgau wird kommen und die Leitstelle in Freiburg benötigt bis 2021 eine neue, millionenschwere Software.

Hinzu kommen regelmäßige Neuanschaffungen wie Ausrüstung und Fahrzeuge. Nachhaltig wirtschaften Als Krämer 2003 zur Feuerwehr kam, trug man bei Einsätzen noch einfache Baumwollhosen und in der Wache seine Privatkleidung, heute undenkbar. Es gibt einheitliche Tagesdienstrobe, die modernen Hightech-Hosen für den Einsatz bestehen aus mehreren Lagen und sind mit einer flammenfesten Teflon- Membran beschichtet. Im Lagerraum für die Ausrüstung der Feuerwehr Freiburg stehen lange Schrankreihen, gefüllt mit Nachschub an Handschuhen, Jacken, Hosen, Helmen und Schuhen. „Das Budget für die Dienstausrüstung hat sich in den letzten 15 Jahren gut verdoppelt“, sagt Krämer. Trotzdem versucht die Feuerwehr nachhaltig zu wirtschaften.

So steht in einem hellen Raum, der vom Lager der Feuerwehrs- Garderobe abgeht, eine Nähmaschine auf einem großen Tisch, daneben hängen Hosen und Einsatzjacken. Es ist das Reich von Helga Steinle. Die gelernte Schneiderin sorgt dafür, dass Abzeichen akkurat auf den Feuerwehrjacken landen, kaputte Roben geflickt werden oder ein defekter Reißverschluss wieder einwandfrei schließt. Auch eine Schuhwerkstatt ist hier. Jeder, der bei der Berufsfeuerwehr im mittleren Dienst arbeitet, hat vorher eine technische oder handwerkliche Ausbildung absolviert, das ist Pflicht. Also besohlen die Kollegen auch die schweren Arbeitsschuhe neu, repariert der gelernte Elektriker die Funkgeräte im Technikraum, der Kfz-Mechaniker das Einsatzfahrzeug in der Werkstatt und der Schreiner zimmert die Tische für den Aufenthaltsraum in der hauseigenen Schreinerei – alles vorhanden in der Eschholzstraße.

Das schont den Geldbeutel und schult den respektvollen Umgang mit der Ausrüstung. Die Arbeit der Feuerwehrmänner und –frauen geht somit weit über das Brändelöschen, Menschenlebenretten und Tierenhelfen hinaus, passiert jedoch im Hintergrund. Erst beim Einsatz werden die Helden in ihren roten Feuerwehrautos für alle sichtbar und sorgen für mehr Sicherheit. Und der Sicherheitsanspruch der Menschen steigt, weiß Jérôme Krämer „Das zeigt zum Beispiel die Heimrauchmelder- Pflicht, die es seit 2015 gibt. Das steigert den Druck auf die Feuerwehr enorm, was aber gut ist. Immerhin haben wir heute viel weniger Brandtote.“ Im vergangenen Jahr keinen einzigen, 2017 war es ein Todesopfer.

Kinder sind die besseren Notrufanrufer Beim Thema Sicherheitsanspruch äußert Krämer noch einen Verdacht: es gäbe die Tendenz, dass die Leute unselbstständiger werden, vor allem in der Stadt, wo das Leben eher anonym ist. „Noch heute gibt es in den ländlichen Regionen einen engeren Familienzusammenhalt. Hier fragt man erstmal im näheren Umkreis nach Hilfe, bevor man den Notruf wählt.“ In der Feuerwache im Stühlinger sitzt sowohl die Leitstelle für den Land- als auch für den Stadtkreis. Mehr als 200 Anrufe gehen täglich ein. Insgesamt würde die Notrufnummer immer noch zu häufig von Menschen gewählt werden, die lediglich Gesprächsbedarf haben und jemanden zum Reden suchen.

„Wenn es den Datenschutz nicht gäbe, könnten wir über solche Geschichten ganze Bücher schreiben“, sagt Krämer. Viele Bürger würden einfach die Strukturen bei der Feuerwehr nicht kennen. „Wir wollen, dass die Leute anrufen, jedoch sollen sie dann auch die Weisungen befolgen.“ Kinder seien hier oft die besseren Notrufanrufer, da sie sich klar an die Vorgaben halten würden. Manch Erwachsener denke oft, er wisse besser, was zu tun ist und würde damit den reibungslosen Ablauf behindern. Darum ist Aufklärung so einleuchtend, schon bei den Kleinsten.

Und genau die sind für die Feuerwehr essentiell. „Die Jugendarbeit ist für uns besonders wichtig“, sagt Krämer. „Hier muss man dem Nachwuchs allerdings schnell klar machen, dass man nicht bei der Feierwehr ist. Es gibt einen Spruch: Das Einzige, was bei der Freiwilligen Feuerwehr freiwillig ist, ist der Eintritt.“ Nachwuchsprobleme kennt man in der Region trotzdem nicht. Aktuell hat die Jugendfeuerwehr Freiburg 221 Mitglieder zwischen 10 und 18 Jahren (davon 36 Mädchen und junge Frauen). Die Zukunft der Freiburger Feuerwehr schaut gut aus: Der Nachwuchs steht bereit und dank Einsparungen und mit der Überarbeitung der Förderrichtlinien 2018 hat man künftige Investitionsvorhaben auf eine stabile finanzielle Grundlage gestellt.

Auch Krämer sagt: „Wir als Feuerwehr der Stadt Freiburg sind sehr zufrieden mit der Unterstützung des Landes und können aktuell nicht klagen.“ Gut zu wissen. Schließlich verlassen wir uns darauf, dass sowohl die Freiwillige als auch die Berufsfeuerwehr im Brand-, Unglücks- oder gar Katastrophenfall gute Arbeit leisten kann und nicht mit Wassereimer und Gartenschlauch anrücken muss.