Die Grundlage für unseren Genuss sind gute landwirtschaftliche Produkte. Was geschieht aber mit Höfen, wenn die Nachfolge nicht geregelt ist? Das Projekt “Bauernschlau” berichtet von außerfamiliären Bauernhofübernahmen und bietet eine Plattform für Landwirte, die ihren Hof abgeben und jenen, die ihn haben wollen.
VON CHRISTINE WEIS
Kurt Vollmer hat einen Hof im Wiesental, Kinder hat er keine. Seit Jahren hält der Landwirt aus Wambach Ausschau nach einem Nachfolger. Familie Till hatte keinen Hof – und wollte einen. Vollmer sucht noch immer. Die Tills waren erfolgreich. Sie bewirtschaften seit Jahren eine Käserei in Äule am Schluchsee. Zwei Bauernhöfe, zwei Schicksale, zwei Geschichten.
Sechs berührende Reportagen hat der Journalist Mathias Heybrock bereits für das Onlineportal “Bauernschlau” geschrieben. „Die Geschichten sollen Betroffenen zeigen, wie die Hofübernahme bei anderen gelaufen ist“, sagt Heybrock. „Wir vernetzen zudem die Interessenten. Es gibt auch einen regelmäßigen Stammtisch.“
Die Website ist seit letzten November mit konstanten Zugriffszahlen online. Es gibt regelmäßig Anfragen von Lesern. 2021 sollen weitere, aktuelle Geschichten dazukommen. „Ich möchte junge, urbane Menschen portraitieren, die sich eine bäuerliche Existenz aufbauen“, sagt Heybrock. Dabei will er auch den Kampf um den Boden thematisieren.
Außerfamiliäre Hofübernahme sichert die Existenz von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben.
“Bauernschlau” unter Federführung von Mathias Heybrock ist eine Kooperation der gemeinnützigen Forschungsgesellschaft für Agrar- und Ernährungskultur Agronauten, der Fotografin Verena Müller und Maike Aselmeier vom AktivForum Hofübergabe. Gefördert wird Bauernschlau vom Biosphärengebiet Schwarzwald, dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
Das Projekt macht ein wichtiges Thema in der Öffentlichkeit sichtbar und berichtet darüber hinaus in innovativer Weise in einem leicht zugänglichen journalistischen Format, heißt es von Seiten des Biosphärengebiets. Es sei gerade deshalb interessant, weil es den Blick öffnet, an welcher Stelle von Seiten des Biosphärengebiets noch Unterstützung notwendig sein könnte, um die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe auch in Zukunft zu erhalten.
Wie ist die Initiative Bauernschlau entstanden?
Ideengeber war Andreas Dilger. Der Freiburger Winzer hat seit 2001 ein Weingut in einem ehemaligen Straßenbahndepot. Ein ungewöhnlicher Ort für und einst der Not geschuldet. Denn seine Recherchen nach einem “klassischen” Weingut waren negativ, anderen sollte es nicht so ergehen.
Maike Aselmeier ist die fachkundige Landwirtin im Team. Sie gibt in der Landvolkshochschule in St. Ulrich Seminare zur Thematik außerfamiliärer Hofübergabe. Der Bedarf ist also da: Die Zahl der Betriebe, die keinen Nachfolger haben, nimmt stetig zu. AktivForum Hofübergabe beziffert es auf 70 Prozent. Damit einher geht die Tatsache, dass immer weniger Bauernhöfe bewirtschaftet werden und es eine Konzentration auf Großbetriebe gibt. Gerade kleine, abgelegene Höfe werden oft nur noch im Nebenerwerb weitergeführt.
Bauernschlau will Lust auf Landwirtschaft wecken und aufzeigen, wie wichtig sie zur Aufrechterhaltung der Naturlandschaft ist. Dabei geht es nicht um idyllische Bauernromantik, wie Silke Bender aus dem St. Wilhelmer Tal bei Oberried in einem der Beiträge klarstellt: „Es ist harte, körperlich zehrende Arbeit, die Landschaft so zu erhalten, wie sie ist. Es ist zudem eine Arbeit für die Allgemeinheit – Naturschutz dient dem Gemeinwohl.“
Michael Brender vom Sunmattehof in Todtnauberg ist Bauer aus Leidenschaft, für ihn ist es aber auch entscheidend, dass man mit dem Beruf Geld verdienen kann – keine unwichtige Perspektive, wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft im Schwarzwald geht.