Handwerks-App: Wo der Hammer liegt

Schindler Solutions aus Freiamt entwickelt seit vielen Jahren Softwarelösungen für Großkunden in der Industrie. Nun hat das Softwarehaus daraus eine App destilliert, die mittelständischen Handwerksbetrieben vor allem bei der Werkzeugverwaltung helfen soll.

Daniel Ruda

Der Bohrhammer, der auf der einen Baustelle gebraucht wird, aber gerade auf einer anderen ungenutzt herumliegt. Die Schleifmaschine, die defekt zum Arbeitseinsatz mitgenommen wird, obwohl sie repariert werden müsste. Oder die teure Säge, für die der Wartungstermin längst abgelaufen ist. Es sind Situationen im Arbeitsalltag von Industrie- und Handwerksbetrieben, die Nerven, Zeit und letztlich auch Geld kosten.

Solche „das-dürfte-eigentlich-nicht-passieren-Szenarien“ beschäftigt die Firma Schindler Solutions als klassisches Software-Systemhaus seit mehr als 20 Jahren. Werkzeugverwaltung ist das Stichwort. „Unser System ist prädestiniert, um solche Sachen auszuschließen“, sagt Geschäftsführer Lothar Schindler bei einem Treffen am Firmensitz in der Gemeinde Freiamt, etwa 25 Kilometer nördlich von Freiburg. Der Betrieb mit aktuell 13 Mitarbeitern, den Schindler 1996 gegründet hat, entwickelt von hier aus diverse Systemlösungen, um (noch) mehr Organisation in Produktionshallen und auf Baustellen zu bringen.

Neben der Werkzeugverwaltung geht es dabei um Bereiche wie Wartung und Instandhaltung, Kontroll- und Inspektionsgänge sowie um Inventarisierung. In einem zusammenhängenden System wird dabei alles hinterlegt und gemanagt, ob es um die einfache Herausgabe eines Hammers aus einem Schrank oder die Anbindung ans Hochregallager geht. Die Kunden kommen bislang vor allem aus dem Industriebereich, wo die Mitarbeiterzahlen eher drei- und die Umsatzzahlen eher siebenstellig sind.

„Wir wollen jetzt auch Handwerker direkt ansprechen, wir haben da immer wieder Anfragen bekommen“, führt der 59-Jährige aus und spricht damit vom neuen Produkt mit dem Namen „Base Cloud“, ausgelegt für klein- und mittelständische Unternehmen. Das ist quasi die auf eine cloudbasierte Variante heruntergebrochene Version jener Lösungen, mit denen die Großkunden hantieren.

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Kann ohne Installation oder Schulung direkt loslegen: Die Handhabung von „Base Cloud“ ist einfach. Foto: ZVG

Die drei Hauptbestandteile von „Base Cloud“: Die Inventarisierung, aufgesplittet in Bestandsliste, Lagerliste und Reparaturverfolgung. „Ein Werkzeug, das nicht mehr richtig funktioniert, kann direkt auf Reparaturbedarf gestuft werden“, nennt Schindler ein mögliches Beispiel aus der Praxis. So lässt sich ein schneller Überblick darüber gewinnen, mit welchem Material der eigene Betrieb aktuell überhaupt arbeitet, was funktioniert und was nicht. Der zweite und für den Alltag wohl wichtigste Baustein ist die Werkzeugausgabe, womit jene Fragen wegfallen sollten, wer welches Werkzeug wann ausgeliehen hat und wo es sich aktuell befindet.

Zuletzt bietet „Base Cloud“ noch die Möglichkeit, Prüftermine mittels einer detaillierten Listenfunktion zu verwalten und abgelegte Prüfungen direkt zu hinterlegen. Das Ganze mache Sinn für Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl ab etwa 20, sagt Lothar Schindler. Bei mehr als 100 Mitarbeitern reiche die kleine Variante dann nicht mehr aus. „Man kann gleich loslegen, es braucht keine Installation und Schulung wie bei den größeren Softwaregeschichten“, hebt er einen großen Vorteil im kleinen Produkt hervor. Wahlweise funktioniert das System einfach am Computer über einen Webbrowser „oder mit dem Smartphone auf einer App“.

Etwas weniger als ein halbes Jahr hat es für die Entwicklung von „Base Cloud“ gebraucht, viele Bestandteile existierten bereits in der übergeordneten Softwareplattform mit der Bezeichnung „S-Anywhere“. Fünf Software-Entwickler arbeiten im Unternehmen, hauptverantwortlich für das neue Produkt war Heiko Schindler, der 36-jährige Sohn des Chefs. Dessen fünf Jahre älterer Bruder Markus ist Entwicklungsleiter und neben dem Vater zweiter Geschäftsführer. Lothar Schindlers Ehefrau Gerda macht halbtags die Buchhaltung im Familienunternehmen.

Erste Praxistests während der Entwicklung unterlief „Base Cloud“ im Handwerksbetrieb ein Stockwerk tiefer, bei dem das Softwarehaus die Bürofläche von 220 Quadratmetern angemietet hat. Langsam wird es für die Firma dort aber eng, sie will wachsen. Rund 700.000 Euro Umsatz macht Schindler Solutions im Jahr. Von „Base Cloud“ erwartet sich Schindler jedoch kein großes Wachstum. Während die großen Software-Lösungen im Preis bei mehreren tausend Euro beginnen und sich für Großprojekte hin bis zu 100.000 Euro bewegen, kostet das kleine „Base Cloud“ monatlich 59 Euro. „Wir gehen jetzt frisch damit raus“, sagt Lothar Schindler, selbst gelernter Elektrotechniker und hemdsärmelig unterwegs. „Es muss sich jetzt zeigen, wie es ankommt“.

www.qs-schindler.de