Das Schwanauer Tunnelbohrunternehmen Herrenknecht ist in der ganzen Welt im Einsatz und hat auch in China Standorte. Gründer und Vorstandsvorsitzender Martin Herrenknecht im Gespräch über frühzeitige Präventionsmaßnahmen und späte wirtschaftliche Folgen.
INTERVIEW: DANIEL RUDA
Herr Herrenknecht, wie hat Ihr Unternehmen die Wochen der Coronakrise bisher erlebt? Grundsätzlich ist dieses exogene Krisenereignis nicht komplett überraschend über uns am Hauptstandort in Schwanau hereingebrochen. Mit drei Fertigungsstandorten und eigenen Vertriebs- und Serviceplattformen in China waren wir bereits im Januar mit umsichtigen und präventiven Vorkehrungen beschäftigt und mit den Konsequenzen durch das neuartige Coronavirus konfrontiert. Dabei haben das Management und die Verantwortlichen mit den Gesellschaften in China frühzeitig eng zusammengearbeitet.
Sie waren hier früher alarmiert als andere?
In der rasanten Dynamik des Pandemie-Geschehens, das wenig später auch Europa und Deutschland erreichte, konnten wir uns schneller auf ein möglichst umsichtiges und besonnenes Managen der Lage fokussieren. Die Fürsorge für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stand im Vordergrund. Recht früh hatten wir zum Beispiel Reisetätigkeiten in Risikoregionen eingestellt, größere Veranstaltungen im Unternehmen abgesagt oder auf virtuelle Meetings umgestellt.
Welche Herausforderungen waren die schwierigsten seit Beginn der Krise?
Plötzlich bricht Routine weg. Wir haben im täglichen oder wöchentlichen Rhythmus auf die jeweiligen Notwendigkeiten reagiert und die Maßnahmen angepasst. Unsere Beschäftigten aus der französischen Region Grand- Est konnten beispielsweise von heute auf morgen aufgrund der Einstufung der Region als Risikogebiet nicht mehr zur Arbeit in Schwanau und Kehl kommen. Grenzübergänge wurden geschlossen. Das war eine schwierige, nie dagewesene Situation. Im Laufe des akuten Geschehens haben wir alle präventiven und möglichen Register gezogen, um den gesundheitlichen Gefährdungen und Erkrankungsrisiken durch das Virus möglichst effektiv zu begegnen. Niemand navigiert durch solche Ausnahmesituationen perfekt. Alles in allem konnten wir die schwierige Zeit vernünftig managen. Angemessenes Informieren und einfühlsame Kommunikation in solchen Situationen sind herausfordernd wie entscheidend.

gestalten wir die Zukunft“. (Foto: ZVG)
Wie hat sich das alles wirtschaftlich ausgewirkt?
Wir haben die zurückliegenden Jahre sehr solide gewirtschaftet. Unsere Auftragslage ist gegenwärtig und mit Sicht auf die nächsten Monate vernünftig. Alles weitere zeigt sich mit den exogenen Entwicklungen rund um die Pandemie im nächsten halben Jahr.
Auf welchem Stand sind die Großprojekte Ihres Unternehmens nun Anfang Juni?
Es geht weltweit langsam alles wieder vorwärts. Beim Jahrhundertbauprojekt Grand Paris Express sind praktisch alle der rund 20 Tunnelbohrer und die Baustellen wieder im Vortriebsmodus, um ein Beispiel zu nennen.
Mit welchem Gefühl blicken Sie in die kommenden Monate?
Erschütterungen wie diese zeigen, dass es auf Anpassungsfähigkeit und Resilienz ankommt. Wir brauchen einen langen Atem und Disziplin bei hygienischen Schutzmaßnahmen, bei Tests und beim räumlichen Abstand im kleineren wie im größeren Lebens- und Wirtschaftskontext. Wir müssen gemeinsam möglichst klug und vielschichtig koordiniert durchhalten, bis ein Impfstoff verfügbar ist.