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  • Wein 03/2020

Naturweine von Wasenhaus

  • 5. April 2020
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Christoph Wolber hält die Stellung im Wasenhaus- Weinkeller. Sein Kollege Alexander Götze arbeitet unter der Woche im Burgund und widmet sich am Wochenende dem gemeinsamen Weinprojekt. Foto: A. Dietrich
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Die Winzer Christoph Wolber und Alexander Götze bringen noch mehr traditionell burgundische Weinkultur ins südbadische Markgräflerland. Viel Handarbeit, wenig Technik und ganz viel französisches Knowhow machen ihre Weine zu besonderen und raren Tropfen, die vor allem im Ausland ankommen.  Ein Besuch im Wasenhaus.

VON ANNA-LENA GRÖNER

„Wasenhaus“ heißt ein orangefarbenes Häuschen mit grünen Fensterläden vor den Toren Staufens, umgeben von Weinreben, Ackerland, Wiesen und Pferdekoppeln. Seine Grundmauern stehen schon seit dem 16. Jahrhundert, heute ist es das Wohnhaus der Familie Wolber, aber auch Wiege und Namensgeber des noch jungen Markgräfler Weinguts.

Am Esstisch in der Wolber-Familienküche wurden vor gut fünf Jahren das gemeinsame Weingut initiiert – dazu viel Wein und ein bisschen Mut. Denn anders als der inzwischen sehr technische deutsche Weinmarkt wollten Christoph Wolber und Alexander Götze zurück zum Ursprung, hin zur präzisen, mühevollen Handarbeit mit einem Naturwein als Endprodukt. Wolber und Götze sind absolute Wein-Nerds, sie handeln aus Überzeugung, nicht aus einem Hauptsacheanders-Ansatz heraus.

Naturwein, eine andere Liga

Ihr Wein spielt abseits der gewohnten regionalen Weinwirtschaft, bei der – neben einer gewissen Qualität – meist Masse und Ertrag im Fokus stehen. Wasenhaus hingegen steht für Weinerzeugung auf rudimentärste Weise: die dreieinhalb Hektar Reben für ihren Wein haben die beiden Winzer akribisch ausgesucht, allesamt sehr alt und sortenrein, teilweise in verdammt steiler Hanglage am Ölberg in Ehrenstetten oder am Kirchberg in Ehrenkirchen.

Hauptsächlich Pinot noir (Spätburgunder), aber auch Weißburgunder, Gutedel und Chardonnay wachsen hier. Die Wasenhaus-Weine werden nicht filtriert, lagern alle mindestens 18 Monate in alten Eichenfässern und die Zugabe von Schwefel, der verhindert, dass sich Wein in Essig verwandelt, wird auf ein Minimum reduziert. Die Naturwein-Winzer arbeiten nach biodynamischen Demeter-Richtlinien.

Auch große Maschinen kommen weder bei der Weinlandwirtschaft noch im Weinkeller zum Einsatz. Der Fokus liegt auf dem traditionellen Handwerk. Das haben Wolber und Götze bei der Elite in Burgund gelernt, bei Namen wie Pierre Morey, van Berg, der Domaine Leflaive und der Domaine de Montille.

Der 40-jährige Alexander Götze, der vor seiner Ausbildung zum Winzer ein Studium als Landschaftsarchitekt absolvierte, pendelt noch immer am Wochenende zwischen dem 300 Kilometer entfernten Meursault, wo er im Weingut de Montille angestellt ist, und dem Wasenhaus in Staufen. Für die jungen Geschäftspartner eine gute Lösung, denn noch wirft das gemeinsame Projekt nicht genug ab. Christoph Wolber, der vor seiner Winzerausbildung Agrarwissenschaften studierte, hält zu 100 Prozent die Stellung in seiner Heimat.

Großer Aufwand, kleine Abfüllung

Die Faszination am Produkt, an der Tradition der großen Weinregionen und schließlich die gleiche Richtung auf ihrem sonst eher planlosen Weg haben den Südbadener Christoph Wolber und den aus Dresden stammenden Alexander Götze vor zehn Jahren im französischen Weinort Meursault, in der Region Bourgogne-Franche-Comté, zusammengeführt. Dort haben die Quereinsteiger sowohl ihre Winzerausbildung absolviert als auch die Idee eines gemeinsamen Weingutes ins Leben gerufen. Die südbadische Heimatregion von Wolber schien dafür ideal. „Hier kommt man gut und günstig an Weinberge ran, da es kaum Nachfolgegenerationen gibt“, sagt der 34-Jährige.

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Christoph Wolber, Winzer Weingut Wasenhaus

Die schwere Arbeit in den oft steilen Lagen und der vergleichbar geringe Verdienst über eine Genossenschaft ist für viele Landwirte nicht mehr attraktiv, die Verpachtung eine stressfreie Alternative. So sind auch 95 Prozent der Wasenhaus-Reben gepachtet, den Rest haben sich die Jungwinzer gekauft. Im Burgund wäre das völlig unmöglich, so Wolber, dort seien die Reblandpreise unbezahlbar, vergleichbar mit Bauland in Manhattan. Wer sich doch ein paar Hektar in der Region leisten kann, der kann sich der Qualität der Trauben und einem Kilopreis von rund 60 Euro sicher sein – ein Traum für jeden südbadischen Rebenbesitzer.

„Im Burgund bist du am Nabel der Weinwelt, das ist wie für die Modewelt Mailand oder Paris“, sagt Christoph Wolber. Das Markgräflerland spielt zwar abseits dieser Liga, doch Qualität gibt es auch hier und vom Burgunder-Netzwerk sowie von den Namen ihrer Ausbilder und Domaines profitieren Götze und Wolber nun mit ihren Wasenhaus Weinen. Zwei Hektar bewirtschaften sie selbst, weitere anderthalb zusammen mit demeter- und biozertifizierten Landwirten, aus drei weiteren Hektar kaufen sie Bio-Trauben vom Kaiserstuhl und aus dem Markgräflerland zu.

Nur im exklusiven Fachhandel

Schwieriger als die Reben war es für die Winzer einen geeigneten Weinkeller zu finden. Ein „großer Glücksgriff“ gelang schließlich im Staufener Stadtteil Wettelbrunn. Hier lagern heute auf rund 500 Quadratmetern 100 Bariquefässer. 2016 gab es die erste Wasenhaus-Ernte, 18 Monate später wurden rund 10.000 Flaschen des „Badischen Landweins“ abgefüllt. Der gute Ruf hat sich schnell verbreitet: das österreichische Wein- und Gourmetmagazin „Falstaff“ spricht von „Burgunder, die nicht ganz von dieser Welt sind“, die FAZ bezeichnet die beiden Winzer als „Aufsteiger“ und „Kometen des Jahres 2019“ von denen man sich unbedingt ein Fläschchen sichern sollte.

Die meisten der raren Wasenhaus-Flaschen gehen in den exklusiven Fachhandel, vor allem ins Ausland, in die USA, nach Skandinavien und Japan, aber auch in die Schweiz. Zwischen 15 und 55 Euro kosten 0,75 Liter. Die Abfüllung des 2018er-Jahrgangs bereiten die jungen Winzer gerade vor, etwa 20.000 Flaschen werden es diesmal. Der heiße, trockene Sommer vor zwei Jahren soll vor allem dem Rotwein sehr gut getan haben.

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